Film der Woche

Gangster Squad

Von Marcus Wessel

Der Mobfilm zählt zu den beständigsten Genres der Traumfabrik. Schon Leinwandidole wie Humphrey Bogart, Jack Nicholson und Robert DeNiro haben ihm ihren Aufstieg zu verdanken. In „Gangster Squad“ wird nun eine weitere, auf wahren Ereignissen beruhende Episode voller Gewalt erzählt. Dazu bietet der Film ein Großaufgebot an Stars.

Manchmal ist der Hinweis „Based on a true story“ nicht verkehrt. So wie in diesem Fall. Denn „Gangster Squad“ schildert Ereignisse, die man aus heutiger Sicht eher der Fantasie von Drehbuchautoren zuordnen würde. In Wahrheit hat sich jedoch vieles so oder so ähnlich im Los Angeles der späten 1940er Jahre abgespielt. Nach einem gewonnenen Weltkrieg, der angesichts seiner verheerenden Folgen letztlich aber keinen wirklichen Sieger kannte, bewegte sich die US-Gesellschaft zwischen Aufbruch, Zuversicht und Gedenken an diejenigen, die der Krieg nicht mehr heimkehren ließ. Die Wirtschaft zog an, wovon auch das organisierte Verbrechen seinen Teil abhaben wollte.

Bildergalerie: Gangster Squad

Einer der „erfolgreichsten“ und mächtigsten Gangsterbosse jener Zeit war der New Yorker Mafiosi Mickey Cohen (Sean Penn), der sein Netz aus Korruption, Drogenhandel, Glücksspiel und Prostitution über das Land spannte. Nachdem er bereits Chicago unter seine Kontrolle gebracht hatte, zog es ihn an die Westküste. Los Angeles sollte ebenfalls zu Mickey-Cohen-Land und einem Drehkreuz für illegales Glückspiel werden. Für dieses Ziel war ihm letztlich jedes Mittel recht und so gab es kaum einen Politiker, Beamten oder Cop, der nicht auf Mickeys Gehaltsliste stand. Allein dem neuen Leiter des LAPD, Chief William Parker (Nick Nolte) genannt „Whiskey Bill“, schmeckt nicht, dass sich der Mob in seiner Stadt praktisch ungehindert ausbreitet. Er beauftragt seinen engen Vertrauten Sgt. John O’Mara (Josh Brolin) mit der Leitung eines streng geheimen Einsatzkommandos, das Mickey Cohens Geschäfte stoppen soll.

Kein Film der langen Worte

„Gangster Squad“ ist kein Film der langen Worte. Vielmehr kommen er und sein Regisseur Ruben Fleischer („Zombieland“) gleich zur Sache. In der ersten Szene erleben wir, wie brutal ein von Gewalt und Macht berauschter Mickey Cohen mit seinen Feinden umgeht. Es wird blutig und das nicht zum letzten Mal. Damit sind zugleich die moralischen Koordinaten ziemlich klar abgesteckt. Hier gibt es kein Gut und Böse sondern bestenfalls zwei Abstufungen des Bad Guy, wobei die Mitglieder der geheimen „Gangster Squad“ zumindest noch einen halbwegs funktionstüchtigen moralischen Kompass besitzen. Ihnen geht es schließlich darum, Mickey Cohen und den Mob aus ihrer Stadt zu vertreiben. Dass sie hierfür selbst alle Dienstvorschriften und Gesetze vergessen müssen, ist die bittere Konsequenz.

Anlehnung an Crime-Klassiker

Mit seinem historischen Dekors und gewichtigen Personal wandelt der Film auf den Pfaden vieler berühmter Vorgänger. Neben den Film-Noir-Klassikern der vierziger und fünfziger Jahre fallen einem da unweigerlich die beiden Crime-Meisterwerke „Chinatown“ und „L.A. Confidential“ ein. James Ellroy, der die Vorlage zu letztgenanntem lieferte, kannte natürlich die Figur Mickey Cohen und so finden sich in seinen Geschichten viele Elemente, von denen auch Fleischer hier ausführlich Gebrauch machte. Im Schnelldurchlauf sieht das in etwa so aus: Coole Gangster, noch coolere Cops, gebrochene Helden, schöne Frauen, Mob-Gewalt, Polizeiwillkür, Korruption, Verrat. Und am Ende wartet auf alle Beteiligten wieder mal ein viel zu großes Opfer. Durch diese Häufung von ähnlichen Story-Bausteinen entsteht gelegentlich doch ein etwas zu aufdringliches Déjà-vu. Fast könnte man meinen, man sähe ein inoffizielles „L.A. Confidential“-Remake, bei dem die Erzählweise nur etwas den aktuellen Sehgewohnheiten angepasst wurde.

Es wird viel getrunken, geraucht und grimmig in die Kamera geblickt

Denn Fleischers Stil vertraut wie der des Kollegen Zack Snyder vor allem auf eine perfekt durchdesignte Oberfläche. Elegante Kamerafahrten, schnelle Schnitte und kleinere visuelle Spielereien durchziehen ein ansonsten betont altmodisch aufgebautes Crime-Drama, das bis zum bitteren Ende vollauf den Mechanismen des Genres gehorcht. So sind Frauen hier allenfalls schmückendes Beiwerk oder des Helden Untergang. Es wird viel getrunken, noch mehr geraucht und dabei stets grimmig in die Kamera geblickt. Hinzu kommen die meist kurzen aber heftigen Gewaltausbrüche – Scorsese lässt grüßen. Damit bleibt „Gangster Squad“ trotz des visuellen Make-ups eine konservative Spielweise, die sich im Gegensatz zu „Goodfellas“ und Co. weniger für den Mob als für dessen Jäger interessiert.

Ryan Gosling und Emma Stone spielen übrigens auch mit.

Gangster Squad in den Kölner Kinos
Die besten Szenen aus Gangster Squad in unserem CineChannel
Bildergalerie: Gangster Squad
Die offizielle Homepage zum Film

 

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

 

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