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Film der Woche

Five Minutes of Heaven

Von Marcus Wessel

Die Schatten der Vergangenheit holen einen verurteilten Mörder und den Bruder seines Opfers dreißig Jahre nach der Tat für ein vor TV-Kameras angesetztes Wiedersehen ein. Während der Eine sich erklären will, sinnt der Andere auch nach so langer Zeit auf Rache.

Bildergalerie: "Five Minutes Of Heaven"

"Five Minutes Of Heaven" in den Kölner Kinos  

Über Jahrzehnte herrschte Krieg zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland. Besonders schlimm war es in den 1970er Jahren. Damals, als der Konflikt immer neue Opfer forderte, empfanden es nicht wenige als völlig legitim, einen Menschen zu töten. Manche prahlten gar mit ihrer Tat. Ein tiefer, scheinbar unüberwindbarer Graben lag zwischen den Konfessionen. In diesem Klima des Hasses und des Misstrauens wächst der junge Alistair (Mark Davison) auf. Er ist Protestant und zugleich Mitglied der pro-britischen Ulster Volunteer Force, einer militanten, terroristischen Vereinigung, die den Anschluss Nordirlands an die Republik Irland mit allen Mitteln zu verhindern suchte.

Zusammen mit Gleichgesinnten plant er ein schreckliches Verbrechen. Er will einen Katholiken töten. Jim Griffin (Gerard Jordan), so sein Name, soll nach Alistairs Willen sterben. Es kommt der Abend, an dem das Vorhaben in die Tat umgesetzt wird. Vor den Augen seines kleinen Bruders Joe wird Jim erschossen. Auf die Bilder des blutüberströmten Opfers folgt ein gewaltiger Zeitsprung. 33 Jahre nach dem Mord wird es ein erstes Treffen zwischen Alistair (Liam Neeson) und Joe (James Nesbitt) geben. Ein TV-Sender will beide Männer für ein Interview zusammenbringen. Alistair, der für zwölf Jahre im Gefängnis saß, hofft, dass er Joe und den Zuschauern die damalige Situation zumindest erklären kann. Er ahnt nicht, dass sein Gegenüber fest entschlossen ist, den Tod des Bruders zu rächen.

Rache und Vergeltung sind seit jeher Teil der menschlichen DNA. Mit Vernunft und Verstand lassen sie sich nicht besiegen, bestenfalls unterdrücken. Denn auch wenn Joe weiß, dass sein Plan, Alistair zu töten, ihm den geliebten und so schmerzlich vermissten Bruder nicht zurückbringen wird, ändert das nichts an seinem Entschluss. Für ihn war das, was über 33 Jahren im kleinen Ort Lurgan geschah, so etwas wie ein wahr gewordener Albtraum. Neben dem plötzlichen Verlust musste er sich von seiner Mutter immer wieder den zutiefst bitteren Vorwurf anhören, er habe nicht eingegriffen und seinen Bruder vor dem Täter beschützt.

Dass sich mit Oliver Hirschbiegel („Das Experiment“, „Der Untergang“) ausgerechnet ein deutscher Regisseur des Themas annahm, verwundert nur auf den ersten Blick. Das Thema von Schuld und Sühne ist schließlich universell und von einer zeitlosen Relevanz. Noch immer werden Menschen ob ihrer Herkunft und Religion systematisch verfolgt und ermordet. Heutzutage haben wir es lediglich mit anderen Konfliktregionen zu tun. Der geschichtliche Hintergrund spielt konsequenterweise im Film dann auch gar keine so entscheidende Rolle. Zwar sind Archivaufnahmen der nordirischen Unruhen der eigentlichen Handlung vorangestellt, im weiteren Verlauf löst sich Hirschbiegel aber immer mehr von diesem konkreten Datum.

Nach den ersten 20 Minuten, in denen die Ereignisse im Vorfeld des Mordes bis zur eigentlichen Tat aufgerollt werden, vollzieht „Five Minutes of Heaven“ den zuvor erwähnten Sprung in die Gegenwart des Jahres 2008. Es ist zugleich ein Wechsel von der historischen Wahrheit zur Fiktion. Joe und Alistair sind sich im wahren Leben nie mehr begegnet, hier nun treffen sie mit jeweils anderen Erwartungen und Plänen aufeinander. Hirschbiegel inszeniert die Stunden und Minuten bis zum vereinbarten Interview wie ein nervenzerfetzendes Duell zweier Boxer, von denen nur der Eine letztlich kämpfen will. Subtil und gerade deshalb so fesselnd schildert der Film in ständigen Wechseln der Perspektive welch unterschiedliche Gedanken und Ängste von den Männer Besitz ergriffen haben. Für Liam Neeson und John Nesbitt bedeutet all dies schauspielerische Schwerstarbeit. Beide Darsteller schultern die Komplexität ihrer Figuren jedoch äußerst souverän – Nesbitt mehr noch als Neeson.

Die auf einen klaren Fixpunkt zusteuernde Geschichte entwickelt vor allem aus ihrer Duell-Konstellation eine beachtliche Spannung und Intensität. Und das ganz ohne filmischen Firlefanz oder überflüssige Action. Lediglich in einer Szene zum Ende des Films lässt sich das Skript zu einer deplazierten Geste hinreißen, die im Kontext der ansonsten fast schon kontemplativen Handlung reichlich überflüssig erscheint. Die Kamera ist bei diesem zunächst ausschließlich psychologischen Schlagabtausch immer ganz nah an den Akteuren. Jede Regung, jedes nervöse Blinzeln und jeden angsterfüllten Blick fängt sie erbarmungslos ein. Dadurch ähnelt „Five Minutes of Heaven“ bisweilen einem bedrohlichen Kammerspiel. Kein Wunder, wenn der Regisseur Oliver Hirschbiegel heißt.

Offizielle Homepage (engl.)
"Five Minutes Of Heaven" in den Kölner Kinos

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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