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Film der Woche

Olympus has fallen

Von Marcus Wessel

Nordkoreanische Terroristen wollen die USA in Schutt und Asche legen, doch ein Mann, der erst zur Kampfmaschine und dann zum Helden wird, hat etwas dagegen. Mit unverkennbaren Anleihen an „Stirb langsam“ und die ideologisch fragwürdigen Actionreißer der Achtziger setzt die trashige 70-Millionen-Dollar-Produktion „Olympus has fallen“ auf patriotisches Dauerfeuer. Dazu wird unablässig geschossen, gestorben und der Geist von Stars and Stripes beschworen.

Eine Zeitreise muss nicht immer in ein vergangenes Jahrzehnt oder Jahrhundert führen. Im US-Kino lässt sich der Geist der Vergangenheit auch ganz einfach in die Gegenwart transportieren. Diesen Beweis tritt nun Antoine Fuquas Ein-Mann-Action-Klopper „Olympus has fallen“ an. Dort verlaufen die Grenzen zwischen Gut und Böse, zwischen dem strahlenden und meistens blutverschmierten Helden und seinen oft gesichtslosen Kontrahenten jederzeit entlang klar erkennbarer Linien. Für Zwischentöne oder eine gar amibivalente Charakterzeichnung ist hier schlichtweg kein Platz. Wenn eine als politische Delegation getarnte Gruppe nordkoreanischer Terroristen das Weiße Haus überfällt und den US-Präsidenten (Aaron Eckhart) in ihre Gewalt bringt, dann ist jede Diplomatie überfordert.

Für den hochgerüsteten Sicherheitsapparat aus Secret Service und CIA ist der überraschende Überfall samt Kidnapping der halben US-Regierung eine ziemlich peinliche Angelegenheit. Während der smarte Anführer (Rick Yune) der nordkoreanischen Invasoren mit der atomaren Apokalypse droht, herrscht auf Seiten der Supermacht anfangs Planlosigkeit und Chaos. Die Parallelen zum 11. September liegen dabei auf der Hand und werden von Fuqua gleich mehrfach überdeutlich betont. Anders als 9/11 besitzt „Olympus has fallen“ jedoch einen Retter. Der nach einem tragischen Unfall in den Innendienst strafversetzte Secret-Service-Agent Mike Banning (Gerard Butler) nimmt Herz und Waffen in die Hand und zieht schließlich als Einzelkämpfer in die Schlacht.

In den Katakomben des Weißen Hauses kennt sich Banning besser als jeder andere aus und so stürmt er zielgenau in die Schaltzentrale der Terroristen. Bis er dort allerdings ankommt, schnellt der Body Count in ungeahnte Höhen. In bester Egoshooter-Manier kämpft sich unser Held von Level zu Level respektive von Szene zu Szene. Eingebettet wird dieses Ein-Mann-Bollwerk der freien Welt von nicht selten unfreiwillig komischen Actiontableaus aus erstaunlich billig wirkenden Computereffekten. Bei einem Budget von 70 Millionen Dollar hätte man eigentlich Besseres erwartet. Immerhin sorgen die Bilder des halbzerstörten Washingtons so wenigstens für akzeptables Trash-Feeling, zu dem die patriotische Mechanik des ungemein verkrampften Drehbuchs ebenfalls einen nicht unerheblichen Beitrag leistet.

Zur offiziellen Homepage des Films 

Unablässig beschwört der Film den (Kampf-)Geist der amerikanischen Nation, ihren beinahe unerschütterlichen Optimismus und Glauben an die eigene Stärke. Es ist eine militaristisch verkleidete Seelenmassage, die gerade nach den Anschlägen von Boston wieder sehr gefragt zu sein scheint. Insofern war das Timing des US-Kinostarts kein schlechtes, zumal Nordkorea dank des randalierenden Nachwuchsdiktators Kim Jong Un zuletzt ohnehin die Schlagzeilen beherrschte. Und dennoch ist das mit zusammengeschlagenen Hacken entworfene Schreckensszenario in seiner naiven Weltsicht natürlich ein großer Scherz – könnte man denken. In Wahrheit meint es Fuqua aber fürchterlich Ernst mit seinem Gut-Böse-Actionreißer, der seinen unbeholfenen B-Movie-Charme trotz Starbesetzung nie abstreift. Das Finale bietet dann sogar nochmals eine unerwartete Steigerung des über weite Strecken sowieso schon beachtlichen Trash-Appeals.

Dieser garantiert schließlich einen durchaus akzeptablen Unterhaltungswert, vorausgesetzt man ist bereit, die ideologisch zumindest fragwürdige Einfärbung als patriotisches Grundrauschen zu akzeptieren. Gerard Butler wandelt derweil auf den Spuren eines gewissen John McClane und macht seine Sache dabei recht ordentlich.

"Olympus has fallen" in den Kölner Kinos

Die Jagdszenen in den verwinkelten Gängen des Weißen Hauses gehören auch dank ihm zu den stärksten Momenten des Films. Butlers physische Präsenz sorgt für die nötige Testosteron-Überdosis, während Schauspielkollegen wie Melissa Leo (als Verteidigungsministerin), Aaron Eckhart und Morgan Freeman in ihren jeweiligen Rollen chronisch unterfordert bleiben. Auf „Olympus has fallen“ folgt bereits im Herbst mit „White House Down“ ein weiteres Beispiel für republikanisches Erbauungskino – dieses Mal inszeniert von einem Schwaben: Roland Emmerich. Ob das nach fünf Jahren Obama schon die einsetzende Bush-Verklärung ist?

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"Olympus has fallen" in den Kölner Kinos
Bildergalerie: Olympus has fallen
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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

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