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Film der Woche

Blue Jasmine

Von Marcus Wessel

Nach seiner „Europa-Tournee“ dreht Altmeister Woody Allen wieder in der Heimat. Die Rückkehr hat sich für ihn und seine Fans gelohnt. „Blue Jasmine“ ist nicht zuletzt dank der großartigen Cate Blanchett Allens bester Film seit „Match Point“. Ein tragikomisches Portrait einer verlorenen Seele und – mehr noch – das einer ganzen Nation.

"Blue Jasmine" in den Kölner Kinos
"Blue Jasmine" in den Kölner Kinos (OV)
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Komik und Tragik liegen im Leben oft eng beieinander. Kaum ein Regisseur nutzt diese Erkenntnis derart geschickt in seinen Filmen wie Woody Allen. Der ewige Stadtneurotiker blickt stets von beiden Seiten auf das Leben seiner ihm doch so ähnlichen Figuren. Nachdem seine letzten Filme über Rom und Paris allenfalls passabel unterhielten, setzt er nun mit „Blue Jasmine“ ein unübersehbares Ausrufezeichen. Dabei denkt er auch mit inzwischen 78 Jahren nicht ans Aufhören oder daran, womöglich kürzer zu treten.

Was ihm gelegentlich den Titel eines Fließbandarbeiters einbrachte – Allen dreht verlässlich pro Jahr einen Film –, scheint ihn bis heute anzutreiben. Gleichzeitig widersetzt er sich wie kein zweiter den ungeschriebenen Gesetzen der Branche. Statt dem Zeitgeist zu folgen, dreht Allen so, wie es ihm passt. Das führt dazu, dass man einen Woody-Allen-Film schon anhand seines immergleichen Vorspanns zweifelsfrei als einen solchen erkennt.

Bildergalerie: Blue Jasmine

Im Fall von „Blue Jasmine“ zeigt sich dann jedoch recht bald, dass er dieses Mal zur leichten Comedy seiner letzten Filme auf Distanz geht. Natürlich finden sich auch in der zwischen Ost- und Westküste, zwischen New York und San Francisco, angesiedelten Geschichte komödiantische Elemente und sogar reichlich absurde Albernheiten, mehr als einmal bleibt einem hier aber das Lachen im Halse stecken. Denn die Tragik der Hauptfigur ist unübersehbar und dank Cate Blanchetts Oscar-reifer Darstellung geradezu hautnah erfahrbar.

Neuanfang in San Francisco

Als Jasmine bei ihrer Schwester Ginger (Sally Hawkins) in San Francisco ankommt, wirkt sie verwirrt, orientierungslos, hilflos. Dabei gehörte sie vor nicht allzu langer Zeit noch zur New Yorker High Society. Ihr Mann Hal (Alec Baldwin) war ein erfolgreicher Finanzinvestor bis er wegen Betruges verhaftet und angeklagt wurde. Bereits kurz zuvor musste Jasmine erfahren, dass er sie unzählige Male betrogen hatte. Von einem Tag auf den anderen zerplatzte ihr schönes, sorgloses Luxusleben wie eine Seifenblase. In San Francisco sucht sie nun nach einem Neuanfang. Doch die alten Ansprüche bleiben und mit ihnen viele schmerzhafte Erinnerungen, die sie mit Xanax und Alkohol zu betäuben versucht.

Allen zeigt uns ein virtuos komponiertes Stolpern in Zeitlupe, das hinter vordergründiger Komik ein zutiefst menschliches Drama verbirgt. Gleichzeitig ist Jasmines tiefer Fall auch als Metapher für den Zustand eines ganzen Landes zu verstehen, das zwischen Haushaltsstreit und industriellem Niedergang geradezu verzweifelt nach neuer Hoffnung und Orientierung sucht. Doch der Rettungsanker bleibt in beiden Fällen aus. Stattdessen verstrickt sich Jasmine immer wieder in hochpeinliche Situationen und Lügengebilde. Das alles mitanzusehen, fällt nicht leicht, zumal Cate Blanchett Jasmines Realitätsverlust, ihre Verletzlichkeit und Unsicherheit derart beeindruckend verkörpert.

Cate Blanchett in allgegenwärtiger Rolle

Es ist eine dieser raren schauspielerischen Leistungen, von der man noch in einigen Jahren sprechen wird und die bei der anstehenden Awards-Saison sicherlich nicht unbeachtet bleiben wird. Kaum eine Szene kommt ohne Blanchett aus, die selbst in den kurzen Momenten, in denen sie einmal nicht zu sehen ist, allgegenwärtig scheint. Ihre Jasmine bekommt man so schnell nicht aus dem Kopf. Man möchte sie trösten und weiß zugleich insgeheim, dass sie auch eine Umarmung nicht retten wird. In ihrer Figur spiegeln sich letztlich sämtliche Widersprüche und Absurditäten unseres westlichen Lifestyles.

Mit „Blue Jasmine“ fügt Allen seiner an Höhepunkten wahrlich nicht armen Vita als Filmemacher einen weiteren Höhepunkt hinzu. Es ist seine beste Arbeit mindestens seit „Match Point“, ein beunruhigendes, trauriges und zugleich ungemein unterhaltsames Charakterstück, das mit seiner geschliffenen Komposition nahezu alles richtig macht.

"Blue Jasmine" in den Kölner Kinos
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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

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