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Film der Woche

All is lost

Ein (alter) Mann und das Meer. Was nach der Neuverfilmung eines Literaturklassikers klingt, entwickelt sich zu einem nervenaufreibenden, grandios gespielten Survival-Thriller auf hoher See. Hollywood-Altstar Robert Redford wird bereits für den Oscar gehandelt. Er ist in diesem ungewöhnlichen Kammerspiel nicht nur der einzige Darsteller, Regisseur J.D. Chandor treibt ihn überdies zu seinem vielleicht besten Leinwandauftritt nach über 50 Jahren als Schauspieler an.

„Ich habe bis zum Ende gekämpft. Ich bin nicht sicher, ob es das wert war". Wo nur wenige Worte gesprochen werden, da erhält jedes einzelne plötzlich besonderes Gewicht. Es sind vielleicht gerade einmal ein halbes Dutzend Zeilen Monolog, die in „All is Lost" zu hören sind. Der Rest ist Schweigen, das Rauschen des Meeres und der von kaum einem Film zuvor derart packend vertonte Klang einer mitunter beängstigenden Stille.

"All is lost" in den Kölner Kinos

Unser Mann (Robert Redford), dessen Namen man als Zuschauer ebenso wenig wie dessen Vorgeschichte erfährt, treibt nach einer Kollision mit einem Frachtcontainer ohne funktionierendes Funk- und Navigationssystem auf dem Indischen Ozean. Durch einen Riss im Bug tritt dabei immer schneller Wasser in die schwer beschädigte Yacht, die der Alleinsegler zunächst noch notdürftig reparieren kann.

Und doch ist trotz dieser schnellen Reaktion vieles längst an das Meer verloren. Die Vorräte an Essen und Wasser werden mit jedem Tag knapper. Die Hoffnung liegt nun allein darin, irgendwie eine der von den großen Frachtschiffen befahrenen Seerouten zu erreichen. Um seine Position zu bestimmen, bleiben unserem Segler lediglich ein einfacher Sextant und Ausschnitte des zuvor geretteten Kartenmaterials. Viel ist das nicht, diese dunkle Ahnung liegt wie ein Schatten von den ersten Minuten an über diesem so widersprüchlichen Kammerspiel. Denn obwohl wir uns auf dem offenen Meer befinden und der Horizont weit entfernt scheint, füllt die Leinwand schon bald eine erdrückende Enge aus, die bei so manch einem Zuschauer für schweißnasse Hände sorgen dürfte.

Bedingungslose Identifikation mit der Hauptfigur

Aus der Verdichtung von Zeit und Raum sind schon viele große Werke der Kinogeschichte hervorgegangen. Regisseur J.D. Chandor, der in seiner Wall-Street-Abrechnung „Margin Call" die Finanzkrise zum Gegenstand eines klugen Hochspannungsthrillers machte, treibt diese Einengung nun auf die Spitze. „All is Lost" besteht aus nur einem Darsteller, einem Schauplatz und einem Thema: Dem Kampf ums Überleben. Über dessen Ausgang sei an dieser Stelle nichts gesagt. Aber selbst wenn man wüsste, was das Schicksal am Ende für unseren namenlosen Kämpfer bereithält, wäre der Weg bis dorthin kaum weniger dramatisch. Dafür sorgt Chandors brillantes Drehbuch, das durch immer neue Wendungen und Einfälle aus dem minimalistischen Setup das Maximale herausholt. Überall und jederzeit könnten sowohl Rettung als auch Tod auf den Protagonisten lauern.

Bildergalerie: All is lost

Der allmähliche Kontrollverlust geht an die Nieren und zwingt uns zur bedingungslosen Identifikation. Weil weit und breit keinerlei Ablenkung in Sicht ist, folgt man umso gebannter dem Spiel Robert Redfords, der aus einem großen einen wahrlich großartigen Film macht. „All is Lost" lebt nicht zuletzt vom Einsatz des inzwischen fast 80-jährigen Hollywoodstars. Vollkommen uneitel gibt er den auf einem gigantischen Ozean gestrandeten, vermutlich in diesem Moment einsamsten Menschen auf der Welt. Redford gegen die Naturgewalten, gegen die bedrohliche Stille des Meeres und gegen den heraufziehenden Sturm, das sind die Duelle, aus denen die Geschichte ihre sorgfältig konstruierte Spannung bezieht. Nahezu wort- und sprachlos vertraut hier ein Weltstar ganz der Kraft seiner schauspielerischen Talente.

Praktisch keine Sekunde lang lässt die Kamera Redford aus dem Blick. Wie er anfangs überlegt, fast ruhig, später dann zunehmend verzweifelt gegen sein scheinbar unausweichliches Schicksal ankämpft, können Worte nur unzureichend beschreiben. Schon weil der 77-jährige Redford weder auf sich noch auf sein Image Rücksicht nimmt, ist ihm eine weitere Oscar-Nominierung wohl gewiss. Hollywood liebt es, wenn Stars für einen Film alles riskieren. Im Fall von „All is lost", der ohne Redford kaum eine Chance auf Realisierung gehabt hätte, zahlt sich dieses Wagnis gleich mehrfach aus - für Regisseur J.D. Chandor, für Redford und für uns als Zuschauer. Intensiver und mitreißender kann Kino schließlich kaum sein.

"All is lost" in den Kölner Kinos 
Bildergalerie: All is Lost
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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

 

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