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Film der Woche

Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben

Von Marcus Wessel

Der "alte Mann" will es noch einmal wissen: 25 Jahre nach seinem ersten Auftritt als Detective John McClane ist Bruce Willis erneut in der Rolle zu sehen, die ihn einst zur Action-Ikone werden ließ. Dabei legen er und sein Filmsohn dieses Mal gleich halb Moskau in Schutt und Asche. 007 lässt grüßen.

Ohne Umwege oder lange Vorgeschichte schmeißt einen Regisseur John Moore gleich ins Geschehen. Wir befinden uns in Moskau, wo dem einst mächtigen Oligarchen Komarow (Sebastian Koch) aus politischen Motiven der Prozess gemacht werden soll. Der designierte Verteidigungsminister (Sergei Kolesnikov) will so verhindern, dass der frühere Freund und Geschäftspartner über allzu schmutzige Deals auspackt und als Informant zu den Amerikanern überläuft. Damit ist die Bühne bereitet für eine auch nach Hollywood-Maßstäben außergewöhnliche Zerstörungsorgie, bei der McClane junior (Jai Courtney) und senior (Bruce Willis) Hand in Hand arbeiten.

Die besten Szenen aus Stirb langsam 5 im CineChannel

Dabei wollte Daddy eigentlich nur gemütlich Moskau besuchen, um dem entfremdeten Sprössling wieder etwas näher zu sein. Doch daraus wird nichts. Denn Jack arbeitet verdeckt für die CIA. Seine Aufgabe ist es, Komarow zunächst in Sicherheit und dann möglichst rasch außer Landes zu bringen. Da wir uns jedoch in einem Film mit gleich zwei McClanes befinden, erscheint dieses Ziel nur unter einem Maximum an Kollateralschäden überhaupt erreichbar. Wie ernst "Ein guter Tag zum Sterben" seinen Titel nimmt, zeigt sich schon während der ersten zwanzig Minuten, in denen Vater und Sohn Moskaus Strassen (die größtenteils in Budapest nachgebaut wurden) in ein Kriegsgebiet verwandeln. Soviel Schrott hat nur selten ein Film zuvor produziert, wobei die halsbrecherischen Stunts trotz mancherlei Computerunterstützung auch alte Actionfans in Staunen versetzen werden.

 

Dumm nur, dass Moore und sein Drehbuchautor Skip Woods ("Das A-Team – Der Film", "X-Men Origins: Wolverine") ihr Pulver so schnell verschießen. Offenbar haben sie vergessen, dass ihr Film keine 30 sondern gut 90 Minuten lang ist und so kann der fünfte "Stirb langsam" an das enorme Tempo seiner Anfangsviertelstunde nie mehr wirklich anknüpfen. Selbst als im Finale ganze Gebäude und ein russischer Militärhubschrauber zerlegt werden, fühlt sich das lediglich nach bloßer Pflichterfüllung an. Der Versuch, die bereits absurden Zerstörungsorgien der Vorgänger in den Schatten zu stellen, erweist sich letztlich als Bumerang, der offenlegt, woran es Teil 5 vor allem mangelt.

Die offizielle Homepage zum Film

So sucht man den Charme der "Stirb langsam"-Reihe hier meist vergeblich. Bereits durch die Verlagerung des Schauplatzes von New York nach Moskau büßt der Film einen Teil seiner Identität ein, die er sich insbesondere mit John McClanes ersten drei Einsätzen aufgebaut hat. Vermutlich war dieser Verlust an Profil selbst Moore und Woods bewusst. Zumindest spielen sie mit der dieses Mal offenkundigen Nähe zu den Agenten-Geschichten eines Jason Bourne oder James Bond. Letzterer wird sogar namentlich erwähnt, als John seinen Sohn etwas spöttisch einmal den "007 von Plainfield, New Jersey" nennt. Der Versuch, ironisches Meta-Action-Kino zu produzieren, läuft am Ende ins Leere, weil man als Zuschauer nie das Gefühl loswird, einen austauschbaren Baukasten vorgesetzt zu bekommen.

Was nützt zudem eine vermeintlich clevere Kaskade von Plot-Twists, wenn deren Ausgang sowieso niemanden wirklich interessiert? Auch die unübersehbaren Bezüge zur aktuellen russischen Innenpolitik und dem Fall Chodorkowski sind bestenfalls ein halbherziger politischer Anstrich, den "Ein guter Tag zum Sterben" mit wenig Überzeugung oder gar Ehrgeiz ausformuliert. So wie sich die Story entwickelt, dürfte der Kreml sogar fast Gefallen an diesem ziemlich lauten und simplen Kalten-Krieg-Revival finden. Moores Interpretation des "Stirb langsam"-Mythos fehlt es an Charakter und Eigenständigkeit. Allein die durchaus sympathischen Späße, die auf Kosten von Bruce Willis’ Alter gehen, können diese Lücke nicht ausfüllen. Wenn sogar der Soundtrack bisweilen nach einer 007-Kopie klingt, ist es wohl besser, den verdienten Action-Helden John McClane allmählich in Rente zu schicken.

Stirb langsam 5 in den Kölner Kinos
Bildergalerie: Stirb Langsam 5

Die besten Szenen aus Stirb langsam 5 im CineChannel
Die offizielle Homepage zum Film

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.


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