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Film der Woche

We steal Secrets – Die WikiLeaks-Geschichte

Von Marcus Wessel

Wären die Begleitumstände nicht derart gruselig, man müsste der WikiLeaks-Dokumentation "We steal Secrets" zu ihrem perfekten Timing gratulieren. Die jüngsten Enthüllungen um das amerikanische und britische Abhörprogramm zeigen, was Geheimdienste im Interesse der nationalen Sicherheit alles ausspähen. Die Doku rund um Julian Assange und "Whistleblower" Bradley Manning ist dann auch spannender als die meisten Thriller.

Wenn es stimmt, dass das Leben die spannendsten Geschichten schreibt, dann kann sich diese Story wahrlich kein Drehbuchautor ausgedacht haben. Die noch recht junge und doch so bewegte Geschichte der Enthüllungsplattform "WikiLeaks" liest sich wie ein Hollywood-Thriller. Und mit ihrem Gründer Julian Assange steht zudem eine gleichermaßen schillernde wie umstrittene Persönlichkeit an der Spitze, die zum Gesicht einer neuen, modernen Form der Aufklärung wurde. Dass er aufgrund seines Engagements für Bürgerrechte und Datenschutz bei nicht wenigen Regierungen als Staatsfeind gelten dürfte, scheint ihm und seinem Ego durchaus zu schmeicheln. Denn wie die WikiLeaks-Doku „We steal Secrets“ zeigt, genießt der Australier den großen Auftritt vor vielen Kameras.

An den Beginn seines Films stellt Regisseur und Oscar-Preisträger Alex Gibney ("Enron: The smartest Guys in the Room") gleichwohl eine andere Überlegung. Ihm geht es zunächst darum, die Idee hinter "WikiLeaks" zu ergründen und die Anfänge der Seite nachzuzeichnen. Ihren ersten großen Coup landeten Assange und sein Team mit der Veröffentlichung geheimer Dokumente, welche die dubiosen Geschäfte isländischer Banken enttarnten, die letztlich fast zum Bankrott des kleinen Inselstaates geführt hätten. Damals wurde der Name "WikiLeaks" erstmals von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Als Assange schließlich streng geheime Bilder, Videos und Berichte der US-Armee aus Afghanistan und dem Irak auf WikiLeaks stellte, waren er und sein Whistleblower-Projekt schlagartig weltberühmt.

Heute wissen wir, woher all diese Informationen stammten. Bradley Manning, ein im Irak stationierter US-Soldat, hatte Assange die brisanten Daten zugespielt. Für Gibney ist er fast noch interessanter als Assange, weshalb er ihm ebenso viel Zeit und Aufmerksamkeit widmet. Was hat ihn dazu bewogen, die Verbrechen der US-Armee, der er schließlich selbst angehörte, öffentlich zu machen? Wer ist dieser Bradley Manning und vor allem was wollte er? Zu den eindrucksvollsten Momenten von „We steal Secrets“ zählen Ausschnitte aus Chat-Protokollen zwischen Manning und Adrian Lamo, einem Hacker und Informanten der US-Regierung, der Mannings Zusammenarbeit mit WikiLeaks seinerzeit den Behörden meldete, wofür er sich bis heute heftigen Anfeindungen ausgesetzt sieht. In diesen Unterhaltungen bricht plötzlich die ganze Verzweiflung und Einsamkeit eines jungen Mannes aus nur wenigen Zeilen heraus. Er fühlte sich nicht nur allein sondern aufgrund seiner Homosexualität auch zu einem falsch empfundenen Versteckspiel gezwungen.

"We steal Secrets – Die WikiLeaks-Geschichte" in den Kölner Kinos

In diesen Augenblicken bricht der Film die weltpolitischen Folgen der WikiLeaks-Berichte auf einen einzelnen Menschen und dessen persönliche Last herunter. Es sind Gänsehautmomente, die Gibney zurückhaltend bebildert, mit Empathie und voller Einfühlungsvermögen. Der Regisseur sieht demnach auch in Manning und weniger in Assange den eigentlich Helden des vor allem in den USA umstrittenen "Whistleblowings". Dabei wird "We steal Secrets" trotz einer Laufzeit von über zwei Stunden zu keiner Sekunde langweilig. Eher hat man später das Bedürfnis, noch mehr über WikiLeaks, Assange, Manning und die Machenschaften der US-Regierung in Erfahrung bringen zu wollen. Es ist ein Hochspannungs-Thriller mit offenem Ende und einer sehr wahrscheinlichen Fortsetzung.

Gibney sprach mit engen Vertrauten Julian Assanges wie dessen langjährigen deutschen Pressesprecher Daniel Domscheit-Berg oder dem britischen Journalisten James Ball. Sogar eine der schwedischen Frauen, die Assange der Vergewaltigung beschuldigt, kommt zu Wort. In der Gesamtschau entsteht so ein kritisches aber durchaus faires Portrait des Australiers, der sich selbst nur für einen Millionenbetrag von Gibney interviewen lassen wollte (was dieser jedoch dankend ablehnte). Assange weiß um seinen Marktwert, das wird spätestens an einer solchen Reaktion deutlich. Den Titel für seinen Film hat Gibney einem Satz Michael Haydens, unter George W. Bush lange Jahre Direktor des CIA und des NSA, zu verdanken. Der gibt im Gespräch ganz offen zu, was wir bislang alle vermuteten und was nach "Prism" quasi offiziell ist: "Wir stehlen Geheimnisse."

Zur offiziellen Homepage des Films
"We steal Secrets – Die WikiLeaks-Geschichte" in den Kölner Kinos
Bildergalerie: We steal Secrets – Die WikiLeaks-Geschichte

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

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