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Film der Woche

Carrie

Von Marcus Wessel

Remakes erfreuen sich vor allem im Horror-Genre ungebrochener Beliebtheit. Einen etwas verstaubten Klassiker an eine neue Generation von Kinobesuchern herantragen, das wollten auch die Produzenten der „Carrie“-Neuauflage. 27 Jahre nach Brian De Palmas erster Umsetzung der populären Stephen King-Geschichte scheint dieses Wagnis nun wider Erwarten aufgegangen zu sein.

"Carrie" in den Kölner Kinos
   Bildergalerie: Carrie
Offizielle Homepage zum Film

Die Highschool als Ort des alltäglichen Horrors. Der Schauplatz scheint von Kultautor Stephen King mit Bedacht gewählt. Dort, wo aus Kindern allmählich Erwachsene werden, spielen sich Tag für Tag kleine bis größere Dramen ab, die für den Einzelnen bisweilen mit allerlei Unsicherheit, Schrecken und sogar Angst verbunden sein können. Hinzu kommt das emotionale Minenfeld Pubertät, was manche dieser Erfahrungen umso verstörender erscheinen lässt. Mit der „Prom Night“, einer uramerikanischen Institution, werden die Jugendlichen schließlich in ihr weiteres Leben entlassen. Der Abschlussball ist hierbei gleichermaßen Höhepunkt wie Zäsur und war schon oft Gegenstand einer filmischen Umsetzung. Er diente als Kulisse von Komödien, harmlosen Teenie-Romanzen und Highschool-Horrorgeschichten.

Bildergalerie: Carrie (Remake)

In „Carrie“ lässt King seine Titelheldin am Abend ihres Abschlussballs in die sorgsam aufgebaute Falle ihrer Intimfeindin (Portia Doubleday) hineinlaufen. Wovon diese jedoch nichts ahnt, ist die telekinetische Begabung ihres potenziellen Opfers. Denn Carrie White (Chloe Grace Moretz) unterscheidet sich durchaus von ihren Klassenkameraden, die sie nur zu oft als sonderbare Außenseiterin behandeln. Die Unterschiede beginnen schon im Elternhaus. Carrie wuchs allein bei ihrer tiefreligiösen Mutter (Julianne Moore) auf, die sie einst ohne fremde Hilfe und unter großen Schmerzen zu Hause zu Welt brachte. Mama White ist nicht seit diesem Ereignis fest davon überzeugt, dass die Welt da draußen böse ist. Ihre Tochter betrachtet sie als das Ergebnis einer unentschuldbaren Sünde. Entsprechend unorthodox muten ihre Erziehungsmethoden an. Aber auch ihr sind die besonderen Kräfte des Nachwuchses bislang verborgen geblieben.

Man kommt bei der Neuverfilmung eines so berühmten Klassikers nicht umhin, Vergleiche zum Original zu ziehen. Das mag nicht immer fair sein, als wichtiger Gradmesser für das Funktionieren eines Remakes kann der Blick zurück aber durchaus aufschlussreich sein. Brian De Palma schickte einst die junge Sissy Spacek auf einen zwischen Albtraum, Groteske und Satire oszillierenden Horrortrip. Vieles war bewusst überzeichnet und spielte scheinbar außerhalb dieser Welt. Regisseurin Kimberly Peirce, bekannt für das sensible Außenseiterporträt „Boys don’t cry“ mit Hillary Swank, geht da einen doch merklich anderen Weg. Obwohl sie sich sehr nah an De Palmas Version hält – nicht wenige Dialoge wurden sogar 1 zu 1 übernommen –, fühlt sich ihre Sicht auf Carries Geschichte vollkommen anders an. Verschwunden sind die grellen, satirischen Untertöne und die albtraumhaften Einwürfe. Stattdessen erzählt Peirce sehr zurückgenommen, geerdet und insgesamt näher an der Realität.

Ein ganz normales Mädchen

Die Besinnung auf eine bestimmte Ernsthaftigkeit ist dabei kein neues Phänomen. Diese künstlerische Entscheidung teilt sich „Carrie“ mit vielen Neuauflagen von Genreklassikern. Als Beispiel sei hier nur das sehr gelungene Remake von Sam Raimis „Evil Dead“ erwähnt. Auch in den Figuren zeigen sich gewisse Unterschiede. Wo Sissy Spacek im Finale des Originals an der Grenze zur Besinnungslosigkeit entlang taumelte, behält die „neue“ Carrie trotz aller Impulsivität stets die Kontrolle über ihre telekinetischen Kräfte. Chloë Grace Moretz lässt uns Carrie als ganz normales Mädchen erkennen, die von ihrer ungleich grausameren Umwelt in eine für sie hochpeinliche, entblößende Sackgasse gedrängt wird. Mit der Rolle der religiös eifernden Margaret White gelingt dem Remake ein weiterer Glücksgriff. Julianne Moore spielt sie als eine aus unserer Welt entrückte, verwirrte Frau, die trotz ihrer verqueren Sicht nie wie das Personal eines typischen Horrorfilms auftritt.

Manche US-Kritiker bemängelten die fehlenden Ecken und Kanten des Remakes. In der Tat fühlt sich Peirces Version, obwohl mit Lawrence Cohen der Drehbuchautor von De Palmas Original am Skript mitschrieb, deutlich zahmer und anständiger an. Für Peirce stehen die Horrorelemente nicht im Vordergrund. Sie inszenierte „Carrie“ als ein ernstzunehmendes Teenager-Drama mit sparsamem Genreeinschlag und ohne die üblichen Schockeffekte. Wirklich beunruhigend wird die Story allenfalls in ihren ersten und letzten Minuten. Und doch begleitet man dieses Mädchen, das anders ist, mit wachem Herzen und großer Neugier auf ihrem Weg durch das High-School-Labyrinth.(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

 

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

 

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