• Home
  • Sa, 10. Dez. 2016
  • Stadtplan
  • cologne.de
  • Branchen
  • KoelnMail
  • Experten

Film der Woche

Captain Phillips

Von Marcus Wessel

2009 wurde der unter US-Flagge fahrende Frachter MV Maersk Alabama von somalischen Piraten überfallen. Die dramatischen Ereignisse jener Stunden inszenierte Paul Greengrass („Das Bourne Ultimatum“) als überrealistischer Nervenkrieg, der jeden herkömmlichen Thriller in den Schatten stellt. Dazu liefert Oscar-Preisträger Tom Hanks eine schlichtweg grandiose Vorstellung.

"Captain Phillips" in den Kölner Kinos
Die besten Szenen in unserem CineChannel
Bildergalerie: Captain Phillips
Offizielle Homepage zum Film

Das wahre Leben schreibt mitunter die unglaublichsten Geschichten. Den Beweis hierfür liefert einmal mehr ein Film des Briten Paul Greengrass, der seit der überaus erfolgreichen „Bourne“-Reihe als Spezialist für intensive und dabei hochrealistische Action gehandelt wird. Selbst vor heiklen Themen wie den Ereignissen des 11. September schreckt Greengrass nicht zurück. Sein „Flug 93“ ist der vielleicht schmerzhafteste Blick auf jenen Tag, der bis heute grundlegende Koordinaten der Weltpolitik verschoben hat. Auch in „Captain Phillips“ widmet er sich einem Angriff auf die zunehmend geschwächte Supermacht USA. Dieses Mal steht der Überfall somalischer Piraten auf ein unter US-Flagge fahrendes Frachtschiff, die MV Maersk Alabama, im Zentrum eines nach den erprobten Greengrass-Zutaten gestalteten Actionthrillers, der dem Nervenkostüm des Zuschauers alles abverlangt.

Bildergalerie: Captain Phillips

Aus einer Übung wird tödlicher Ernst 

Schon als Captain Richard Philipps (Tom Hanks) mit seiner Crew den Hafen von Salalah mit Ziel Mombasa verlässt, beschleicht den erfahrenen Seefahrer ein ungutes Gefühl. Umgehend lässt er die Sicherheitsvorkehrungen an Bord des Frachters verstärken und die Mannschaft zu einem Notfalltraining antreten. Bereits wenige Minuten später soll aus der Übung tödlicher Ernst werden. Als sich wie aus dem Nichts zwei kleine Boote unter hoher Geschwindigkeit der Maersk Alabama nähern, ahnt Phillips, dass sein Schiff ins Visier somalischer Piraten geraten ist. Diese sehen den riesigen Frachter als ihren Hauptgewinn, schließlich dürfte sich von den Amerikanern besonders viel Lösegeld erpressen lassen.

Was folgt, ist ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Piraten und der Crew der Alabama. Schnell übernimmt Captain Phillips Verantwortung für seine Männer, die sich in einer Ecke des riesigen Maschinenraums verstecken sollen. Dort hoffen sie, vor den Angreifern unentdeckt zu bleiben. Phillips, so wie Hanks ihn spielt, erscheint als ein verantwortungsbewusster Kapitän, der gleichwohl nicht in die Rolle eines klassischen (Action-)Helden passt. Schon diese Abkehr von bestimmten Klischees zeichnet Greengrass’ minutiös getakteten Film aus. Und so lassen sich auch auf Seiten der Piraten Angst, Unsicherheit und gelegentlich sogar Empathie entdecken. Greengrass denkt nicht in den üblichen Kateorgien von Gut und Böse. Welche Zwänge die Somalis dazu veranlassen, unschuldige Menschen als Geisel zu nehmen, deutet der Film allerdings nur vage an. „Wir sind nicht Al-Qaida“ erklärt einer der Entführer mehrmals. Das stimmt und doch wissen die Männer sehr genau, was sie da tun.

Der Zuschauer leidet und bangt beinahe körperlich mit 

Der Angriff auf die Maersk Alabama und die anschließende Entführung teilen den Film in zwei Hälften. Nachdem sich zunächst fast ausnahmslos alle Szenen an Bord des Frachters oder in dessen unmittelbarem Umkreis abspielen, geht Greengrass’ Blick später immer öfter in die Kommandozentrale der Navy und zu den Männern, die Captain Phillips’ Leben retten sollen. Verfolgt von mehreren Kriegsschiffen, von Helikoptern und im Fadenkreuz der Spezialeinheiten wird die Drohkulisse für die Entführer zunehmend mächtiger. In diesem Zusammenhang gelingen dem Film mehrmals unglaublich beeindruckende Bilder. Der nächtliche Absprung der Seals auf das offene Meer oder die Konfrontation in der nur von Scheinwerfern erhellten Nacht steigern die atmosphärische Spannung auf ein Maximum. Als Zuschauer leidet und bangt man beinahe körperlich mit, wenn das Leben der Geisel in so vielen Augenblicken praktisch nur noch an einem seidenen Faden hängt. Wie intensiv gutes Kino doch sein kann. Neben Tom Hanks, der sich hier eine weitere Oscar-Nominierung erspielt haben dürfte, brilliert vor allem der bislang vollkommen unbekannte Barkhad Abdi. In der Rolle des Somaliers Muse zeigt er, was für eine schauspielerische Kraft in einem auch schmächtigen Körper stecken kann. 

Zurück zu Greengrass. Der war schon immer ein Meister der Suspense und des inszenierten Kontrollverlusts. Man denke nur an die letzten Minuten von „Flug 93“, in denen alles auf die große Katastrophe zusteuert. Eine wahre Geschichte wie die von Captain Phillips und seiner Mannschaft wäre überhaupt nur bei wenigen Regisseuren in guten Händen. Einer davon ist mit Sicherheit Paul Greengrass. Daran können zum Ende dieser Adrenalinfahrt keine Zweifel bestehen.

"Captain Phillips" in den Kölner Kinos
Die besten Szenen in unserem CineChannel
Bildergalerie: Captain Phillips
Offizielle Homepage zum Film

 

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

Schon gelesen?

Nächster Artikel: Filmkritik zu Blue Jasmine
Vorheriger Artikel: Filmkritik zu Malavita - The Family

Onlinespiele

hex-puzzle-225.jpg
Ganz schön knifflig: Platzieren Sie die Sechseck-Elemente so, dass möglichst viele auf das Spielfeld passen.  Jetzt spielen!
smartybubbles-225.jpg
Schießen Sie Ihre Luftblasen auf mindestens zwei Blasen mit der gleichen Farbe und bringen Sie diese so zum Platzen. Achtung! Suchtgefahr!   Jetzt spielen!
mahjong-600.jpg
Mahjong op kölsch - können Sie alle Steine entfernen?  Mahjong spielen