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Film der Woche

Django Unchained

Von Marcus Wessel

Er ist filmbesessenen, kompromisslos und längst eine eigene Marke: Quentin Tarantino. Auch wenn seine große Liebe zum Western bereits seine früheren Arbeiten durchzog, so drehte er nun seinen ersten Film mit Cowboys, Pferden und einer doch sehr speziellen Prärie-Romantik. Das begeisternde Ergebnis trägt den Titel „Django Unchained“.

Für Quentin Tarantino ist der Genre-Film, das Kino der zweiten Reihe, die B- und C-Produktionen der sechziger bis achtziger sein eigentliches Zuhause. Bereits seit seinem Erstling „Reservoir Dogs“ baute er unablässig Versatzstücke, Zitate und Figuren in seine meist bitterbösen, schwarzhumorigen Geschichten ein, in denen viel gesprochen und noch mehr Blut vergossen wurde. Der Western, und hier speziell der Italo-Western mit seiner unverwechselbaren Ikonographie, war ihm dabei eine besondere Herzensangelegenheit. Nicht nur schmückten seine Soundtracks schon immer Stücke von Ennio Morricone oder Luis Enriquez Bacalov, auch in ihrer Dramaturgie ähnelten Genre-Opern wie „Kill Bill“ sehr dem Aufbau eines klassischen Sergio-Leone-Films. Der gedemütigte und geschundene Held kehrt schließlich zurück, um während eines äußerst brutalen Showdowns gnadenlose Rache an seinen früheren Peinigern zu nehmen.

Bildergalerie: Django Unchained

In „Django Unchained“ werden die ehemals verdeckten Zitate endlich offen ausgespielt. Hier befinden wir uns ganz und gar im Western, kurz vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs wie uns eine Einblendung zu Beginn lehrt. Ein ehemaliger Zahnarzt und inzwischen ins Metier des Kopfgeldjägers gewechselte gebürtiger Düsseldorfer (!) namens Dr. King Schultz (Christoph Waltz) bereist darin den Süden auf der Suche nach flüchtigen Schwerverbrechern, die er der Justiz und seinem Gewehrlauf zuführen möchte. Bei dieser nicht ganz ungefährlichen Jagd soll ihm ausgerechnet ein früherer Sklave behilflich sein. Django (Jamie Foxx) kennt die Gesichter eines Gangster-Trios, auf deren Köpfe eine hohe Belohnung ausgesetzt ist. Vor allem aber kennt er die Gesetze des Südens, wo Schwarze keinerlei Rechte besitzen und von ihren weißen Besitzern verächtlich nur „Nigger“ genannt werden.

Der Doktor und Django werden schnell ein Team, womit Tarantino in seiner Version eines Buddy-Movies angekommen wäre. Der emotionale Motor, der seine Geschichte derweil antreibt, ist die Sehnsucht des Helden nach der Liebe seines Lebens. Brunhilde (Kerry Washington) wurde von Sklavenhändlern einst an den reichen Baumwollplantagen-Besitzer Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) verkauft. Während er von Schultz zugegeben nicht ganz selbstlos die Freiheit geschenkt bekam, muss sie weiter wie so viele andere als Recht- und Besitzlose für einen rassistischen Ausbeuter Knochenarbeit verrichten.

Djangos Suche nach ihr bestimmt die ersten zwei Drittel des Films. In den letzten gut 40 Minuten widmet Tarantino sich schließlich der für ihn so typischen Spirale aus Gewalt und Gegengewalt, aus Rache und Vergeltung – vorgetragen mit einem todbringenden Lächeln und eiskaltem Kalkül. Und natürlich mit cineastischer Grandezza. Dabei rutscht die Geschichte trotz ihres bitteren Sujets gelegentlich in die Gefilde einer ziemlich zotigen Klamotte ab, in der es mehr Oneliner als Kugeln hagelt. Vor allem der Auftritt eines Möchtegern-Ku-Klux-Klans wird von Tarantino zu einer absurd komischen Slapstickeinlage umfunktioniert. Rassisten werden hier mit den Mitteln der Komödie der Lächerlichkeit preisgegeben. Schon in „Inglourious Basterds“ ging diese Rechnung auf.

Überhaupt zeichnet Tarantino vom Süden ein wenig schmeichelhaftes Bild. Weiße sind entweder kultivierte Arschlöcher oder ungebildete Hinterwäldler und in jedem Fall widerliche Rassisten. Wie sehr diese Denke in manchen Regionen des „Bible Belts“ noch heute verwurzelt ist, zeigten die letzten beiden Präsidentschaftswahlen. Der sonst meist auf die guten Jungs abonnierte Leonardo DiCaprio spielt den sadistischen Unsympath mit einem trügerischen Lächeln und einer scheinbar grenzenlosen Manieriertheit. Das ist ganz große Schauspielkunst in der Tradition früherer Tarantino-Protegés. Für Christoph Waltz ist die Rolle des deutschstämmigen Kopfgeldjägers nur eine weitere Etappe auf dem Weg zum „Everybody’s Darling“. Mehr noch als seinerzeit bei Hans Landa kann Waltz sein komisches Talent ausspielen und mit hinreißendem Overacting das Publikum ganz für sich und die Rolle einnehmen.

Zu Jamie Foxx gibt es nicht viel zu sagen außer: Er ist der beste „Django“, den man sich wünschen kann. Körperlich, lässig, unerbittlich, scharfsinnig, hart. Ein würdiger Nachfolger auf Sergio Corbuccis wortkargen Antihelden, der einst dank Franco Nero (hier in einer Gastrolle) zur Ikone wurde. Um den legendären Italo-Western baute Tarantino ein neues Bezugssystem auf, in dem er neben seinen alten Idolen wie Leone und Corbucci vor allem sich selbst zitiert. So weist das Finale auf „Candyland“ bis in einzelne Einstellungen hinein eine geradezu verblüffende Ähnlichkeit zur Teehaus-Sequenz aus „Kill Bill Vol.1“ auf. Man wird zahllose derartige Parallelen in „Django Unchained“ finden – wenn man denn nach ihnen sucht. Tarantino dreht also weiterhin handwerklich erschreckend perfekt unperfekte Filme für Filmgeeks und alle, die das Kino lieben. Auch daran hat sich nichts geändert.

Am Ende bittet uns Tarantino noch um Absolution für „Mr. Vengeance“. Wir werden sie ihm gewähren. Denn wer wie Django für die Liebe einer Frau ein Meer aus Blut durchquert hat, verdient nichts anderes.

Django Unchained in den Kölner Kinos
Bildergalerie: Django Unchained
Die besten Szenen aus Django Unchained in unesrem CineChannel
Die offizielle Hompage zum Film

 

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

 

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