Film der Woche

Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht II

Von Marcus Wessel

Bellas Verwandlung ist endlich vollendet, die Geburt der gemeinsamen Tochter vollbracht. Fans dürfen im letzten Teil ihrer geliebten Vampir-Saga um das Familienglück im Hause Cullen/Swan zittern. Für alle anderen heißt es Aufatmen. Die „Twilight“-Serie bleibt ein Phänomen, das nur die eigene Zielgruppe im Blick hat.

Die Zeit des Abscheidnehmens ist gekommen. Von Edward (Robert Pattinson), Bella (Kristen Stewart), ihrer Halb-Mensch/Halb-Vampir Tochter Renesmee, von Jacob (Taylor Lautner) und all den anderen Langzähnen und Pelzträgern. Mit dem zweiten Teil des aufgesplittenen „Twilight“-Finales schließt sich der Kreis für eine der erfolgreichsten Kinoreihen aller Zeiten. Die Liebesaffäre zwischen der blassen Bella und ihrem noch blasseren Vampir-Lover Edward löste regelmäßig eine geradezu unheimliche Hysterie vor allem bei jungen Mädchen aus. Stephenie Meyers, die Schöpferin dieser mythologisch wie religiös aufgeladenen Teenager-Sehnsuchtsfantasie, traf den Nerv einer pubertierenden Zielgruppe, die ihr am Ende jede Zeile praktisch blind aus den Händen riss.

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Und so dürfte für die meisten Kinobesucher der Ausgang von „Breaking Dawn Teil 2“ keine allzu große Überraschung sein. Aber auch wer sich ohne Kenntnis des Romans in den Film verirrt, wird genau das vorfinden, was man von Meyer nach den letzten vier Kinoumsetzungen erwarten konnte. Unter der Regie von Bill Condon – immerhin ein Oscar-prämierter Filmemacher – beschreitet das Finale stets den Weg des geringsten Widerstands. Dabei lässt die fantasielose Art der Umsetzung zumindest die überschaubare Gruppe der Nicht-Twilight-Fans ziemlich unbeeindruckt und unbeteiligt zurück. Condon gelingt sogar das zweifelhafte Kunststück, den bislang schwächsten Teil, „New Moon“, mit Leichtigkeit zu unterbieten.

Als der Film beginnt, ist Bellas Verwandlung bereits abgeschlossen. Sie ist jetzt ein Vampir, so wie Edward, ihre große Liebe. Mit der Geburt der gemeinsamen Tochter Renesmee scheint das Glück der kleinen Familie perfekt. Doch das ist nicht mehr als eine vage Hoffnung, die sich schon bald zerschlagen soll. Tatsächlich befindet sich der Feind bereits im Anflug, was hier durchaus wörtlich zu verstehen ist. Unter ihrem charismatischen Anführer Aro (Michael Sheen) pochen die Volturi, ein überaus mächtiger Geheimbund der Vampire, auf die Einhaltung der von ihnen formulierten Regeln und Gesetze. Jeder, der sich wie der Cullen-Clan diesen widersetzt, bekommt die unangenehmen Konsequenzen früher oder später zu spüren.

Nach einer guten Stunde, in der eigentlich kaum etwas passiert, nehmen die Kombattanten endlich ihre Aufstellung auf dem Schlachtfeld ein. Edward, Bella, Jacob und ihre Verbündeten treffen dort auf die exaltierten Volturi, denen man zumindest nicht vorwerfen kann, sie würden ihren Auftritt nicht gebührend zelebrieren. Was dann folgt, ist eine Mischung aus „Herr der Ringe“-light und unglaublich schlechtem CGI. Den Tiefpunkt erreicht „Breaking Dawn Teil 2“ aber erst mit einem narrativen Taschenspielertrick, der den Film nur unnötig verlängert. Mit etwas Abstand betrachtet bietet der Schlussakt nicht mehr als schlechtes Schauspiel in angesichts des Budgets erstaunlich schlechter Verpackung. Vor allem die schlampig animierten Werwölfe sowie der pseudosakrale Habitus der Volturi geben ein wunderbares, letztlich aber viel zu leichtes Ziel für Spott und Häme ab.

Bis(s) zum Ende der Nacht II in den Kölner Kinos

Echte Fans werden all diese Einwände ohnehin mit einem gleichgültigen Schulterzucken kommentieren. Sie haben ihre Lieblinge wieder, das reicht schon. Dass ihr Gothic-Märchen dabei weder in erzählerischer noch in visueller Hinsicht etwas von Substanz oder wenigstens im Ansatz von intelligenter Unterhaltung anzubieten hat, ist eher nebensächlich. Die meisten Dialoge sind nämlich ebenso zielgruppenkompatibel, was bedeutet, dass sie sich problemlos in die Sprechblasen jeder noch so banalen Foto-Love-Story einbauen ließen. Vermutlich könnten Edward und Bella mit ernster Miene auch Telefonbucheinträge vorlesen, der Erfolg wäre derselbe.

Die besten Szenen aus Bis(s) zum Ende der Nacht II im CineChannel

Auch der zweite „Breaking Dawn“ bleibt ein Mädchentraum mit gelegentlicher Kreischgarantie und verkitschten Bildern eines unsterblich verliebten Traumpaares. Gemessen an der Logik der „Twilight“-Reihe machte Bill Condon somit alles richtig. Und doch ist es bislang sein mit Abstand schlechtester Film. In der Pubertät, wenn die Hormone erstmals verrückt spielen, gelten aber nun einmal andere Regeln. Stephenie Meyers hat dies begriffen und zu einem Geschäftsmodell gemacht.

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Die besten Szenen aus Bis(s) zum Ende der Nacht II im CineChannel
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Bis(s) zum Ende der Nacht II in den Kölner Kinos

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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