Film der Woche
Fast verheiratet
Romantische Komödien enden zumeist dann, wenn der Traumprinz nach langer Suche seine Traumfrau gefunden hat. Diese hier ist anders. Hier beginnt alles mit dem scheinbar perfekten Heiratsantrag. Vom ersten auf das zweite „Ja“ vergeht dann aber eine kleine, ziemlich unterhaltsame Ewigkeit.Der Ablauf ist stets derselbe. Auf Umwegen finden Mann und Frau in romantischen Komödien schließlich immer zusammen. Dabei ist die erste gemeinsame Zeit meist aufregend und unendlich kitschig. Schmetterlinge, wohin man blickt. Allenfalls kleinere Stolpersteine werden den Frischverliebten in den Weg gelegt. Damit ist jetzt Schluss. „How I met your Mother“-Star Jason Segel, der zuletzt den „Muppets“ zu ihrem unglaublich liebenswerten Comeback verhalf, und sein kreativer Kompagnon Nicholas Stoller stellen die Frage, was auf diese erste, rosarote Zeit folgt. Bei ihnen steht der ansonsten finale Antrag ganz am Anfang der Geschichte.
Genau ein Jahr ist vergangen, seitdem sich Tom (Segal) und Violett (Emily Blunt) das erste Mal begegnet sind. Bei einer Silvesterparty hat es gefunkt. Liebe auf den ersten Blick, könnte man sagen. Ein Jahr danach plant Tom den perfekten Heiratsantrag, Abendessen bei Kerzenschein inklusive. Doch dann werden die Hochzeitsvorbereitungen immer wieder von privaten wie beruflichen Ereignissen aufgehalten und schließlich ganz auf Eis gelegt. Violet erhält eine Uni-Assistenzstelle im ländlichen und im Vergleich zu San Francisco eher frostigen Michigan. Tom zieht aus Liebe zu ihr gleich mit, was er schon bald bereut. Immerhin hat er seine Kochkarriere in einem angesagten Restaurant gegen einen eher anspruchslosen Job in einem koscheren Schnellimbiss eingetauscht. So vergehen die Jahre, ohne dass das Paar seinem Heiratswunsch wesentlich näher käme.
Bildergalerie: Fast verheiratet
Segel und Stoller sind mehr am Beziehungsalltag als an den Liebesbekundungen einer scheinbar perfekten Paares interessiert. Denn das Tom und Violett einfach zusammengehören, daran bestehen trotz mancher Hindernisse – Karrierefrust, ein neuer Nebenbuhler – eigentlich nie ernsthafte Zweifel. „Fast verheiratet“ setzt zu gleichen Teilen auf Witz und Gefühl. Ersterer fällt deutlich erwachsener und direkter als bei den anderen Vertretern des Genres aus. Hier scheint auch die Handschrift von Komödienspezialist Judd Apatow („Beim ersten Mal“) durch, der dieses Mal als ausführender Produzent fungierte. Wesentlich unverkrampfter als andere US-Produktionen nimmt sich der Film auch den körperlichen Seiten einer Paarbeziehung an. In den USA gab es dafür ein „R“-Rating, hierzulande dürfte die Produktion bereits ab 12 Jahren freigegeben sein.
Die besten Szenen aus "Fast verheiratet" in unserem Cine Channel
Tom und Violett durchleben als Dauerverlobte ein turbulentes Beziehungsaufundab. Dass man sich als dessen Beobachter nie langweilt, ist hauptsächlich den vielen kleineren und größeren Einfällen von Segel und Stoller zu verdanken. Seien es Toms Treffen mit seinen nie um ein klares Wort verlegenen Eltern, seine bärtige Verwandlung vom Stadt- zum Landmenschen oder Violetts zündende Idee einer herrlich unverkrampften Spontan-Hochzeit. Obwohl sich die Geschichte letztlich auch in den Konventionen einer romantischen Komödie bewegt, übernimmt sie nicht deren biederes Unterhaltungskonzept. Stattdessen versuchen Segel und Stoller, mit durchaus subversivem Charme und jugendlichen Anarcho-Anflügen den vorgegebenen Rahmen bestmöglich auszufüllen. Dazu tragen die glänzend aufgelegten Darsteller – allen voran Jason Segel – ihren Teil bei. Die Britin Emily Blunt bringt nicht nur englische Eleganz und ihre Schlagfertigkeit ein. Zusammen mit Co-Star Jason Segel ist sie überdies ein heißer Anwärter auf das „Filmpaar des Jahres“.
Ganz nebenbei spielt der Film geschickt mit Geschlechter- und Rollenbildern. Violetts Entschluss, eine akademische Laufbahn einzuschlagen, stürzt ihren Verlobten in eine schwere Identitätskrise. Auf einmal ist Tom gezwungen, in der Provinz ganz von vorne anzufangen. Violett wiederum bereitet das ein schlechtes Gewissen. Nicht zufällig muss sie sich erst Mut antrinken, bevor sie ihm „beichten“ kann, dass ihr Vertrag von der Uni um ein paar Jahre verlängert wurde. Statt zurück ins sonnige San Francisco zu ziehen, bleibt das Paar im deutlich kühleren Michigan. Man muss nicht aus Kalifornien sein, um darin eine böse Pointe zu erkennen.
Bildergalerie: Fast verheiratet
"Fast verheiratet" in den Kölner Kinos
Die offizielle Homepage zum Film
Die besten Szenen aus "Fast verheiratet" in unserem Cine Channel
Über den AutorMarcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt
dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus
ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/
(Erstellt am 12. Juli 2012 - 8:48 Uhr; aktualisiert 12. Juli 2012 - 13:52 Uhr)





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