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Film der Woche

Exit Marrakech

Von Marcus Wessel

Caroline Link (Oscar-Gewinnerin mit „Nirgendwo in Afrika“) interessiert es bis heute, Familiengeschichten an exotischen Orten zu erzählen. So spielt auch ihr neuer Film wieder an einem solchen. Ulrich Tukur und Nachwuchsstar Samuel Schneider durchleben im Urlaubsparadies Marokko die Höhen und Tiefen einer besonderen Vater-Sohn-Beziehung.

"Exit Marrakech" in den Kölner Kinos
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Bildergalerie: Exit Marrakech
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Die Pubertät ist ein seltsames Ding. Man sitzt irgendwie zwischen allen Stühlen, ist kein Kind mehr und doch auch noch nicht erwachsen. Der Körper verändert sich, die Hormone spielen verrückt. In dieser mitunter verwirrenden Selbstfindungsphase kommt es häufig zu Missverständnissen. Das erlebt auch der 17-jährige Ben (Samuel Schneider) und so ist er anfangs wenig begeistert, dass er die Sommerferien bei seinem geschiedenen Vater (Ulrich Tukur) in Marrakesch verbringen soll. Auf Familie und den damit verbundenen Stress hat er verständlicherweise keine allzu große Lust. Eher widerwillig steigt er daher in das Flugzeug und landet in einer anderen, ihm gänzlich fremden Welt.

Spannung und Aufregung neben einem Gefühl von Freiheit

Wenn Caroline Link einen neuen Film präsentiert, dann kommt man nicht umhin, ihren Oscar-Erfolg „Nirgendwo in Afrika“ zu erwähnen. Erst recht nicht, wenn die Geschichte ebenfalls auf dem schwarzen Kontinent angesiedelt ist. Dabei spielt es kaum eine Rolle, dass zwischen Kenia und Marokko in Wahrheit Welten und einige Tausend Kilometer liegen. Während sich in Kenias Steppe das „König der Löwen“-Afrika in jeder Einstellung entdecken lässt, atmet das quirlige, stark muslimisch geprägte Marokko das Flair des Orients. Von Marrakesch aus, wo Bens Vater als Theaterregisseur deutsche Hochkultur inszenieren soll, entdecken wir zusammen mit Ben eine uns zunehmend fremde Welt. Der Junge nimmt Reißaus, weil er keine Lust auf einen Urlaub im Luxushotel und seinen übermächtigen, von allen bewunderten Vater hat. Ben will frei sein, sich abnabeln und dabei vielleicht ein Abenteuer erleben.

Bildergalerie: Exit Marrakech

Mit soviel Neugier wie Ben betrachtet auch Link dieses wunderschöne Land, das so viel mehr als westliche Hotellandschaften zu bieten hat. „Exit Marrakech“ umgibt neben einem Gefühl von Freiheit stets auch eine gewisse Spannung und Aufregung. Bens Diabetes ist hierfür mehr ein Drehbuchkniff, der gewissen Momenten eine zusätzliche Dramatik verleihen soll. Wenn er sich zusammen mit der jungen Prostituierten Karima (Hafsia Herzi) in deren einsam gelegenes Heimatdorf in den Bergen aufmacht, dann will man stellvertretend für den abwesenden Vater auf die beiden Verliebten aufpassen. Offenbar ist es uns nicht egal, was man ihm und Karima passiert. Allein das sagt viel über die Qualitäten Caroline Links als Regisseurin und Autorin aus. Ihre Figuren atmen, besitzen Ecken und Kanten und entziehen sich dadurch mehr als einmal unserem vielleicht vorschnellen Urteil.

Klarer Gegenentwurf zum oftmals statischen Kino

Bens Vater kommt zunächst wie ein eitler, rechthaberischer Ignorant daher, der statt mit seinem Sohn Marrakesch zu erkunden lieber am Hotelpool westlichen Luxus genießt. Doch selbst diese Einschätzung muss man spätestens im letzten Filmdrittel revidieren, weil die Figuren eine Entwicklung durchlaufen und zu Veränderungen fähig sind. Damit ist „Exit Marrakech“ auch ein klarer Gegenentwurf zum oftmals statischen Kino, das allein vom Wechsel der Schauplätze und Kulissen lebt. Obgleich uns Link hier einlädt, Marokko mit offenen Augen zu erkunden, findet die viel interessantere Reise letztlich doch in ihrem adoleszenten Helden statt. Der junge Samuel Schneider, bekannt geworden durch seine Rolle im Berlin-Film „Boxhagener Platz“, dürfte nach diesem unglaublich starken und zugleich empfindsamen Auftritt dem Status eines Nachwuchsschauspielers endgültig entwachsen sein. Dass er sich neben Ulrich Tukur – einem unbestrittenen Meister seines Fachs – ohne sichtbare Anstrengungen behaupten kann, ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit.

Bildergalerie: Exit Marrakech

Schon immer versammelte Link in ihren Filmen großartige Darsteller. „Exit Marrakech“, dem vorschnell und ungerechtfertigt das Etikett eines zweiten „Nirgendwo in Afrika“ anhaftete, stellt in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar. Geblieben ist darüber hinaus ihr Interesse an Familie, an Beziehungen, die wie die zwischen Ben und Karima nicht in eine normierte oder zurechtgebogene Schablone passen. Der Mensch als soziales Wesen, der Andere als unser Gegenüber, das ist Links großes Thema.

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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

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