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Film der Woche

Eine offene Rechnung

Von Marcus Wessel

Über drei Jahrzehnte spannt John Maddens („Shakespeare in Love“) starbesetzter Agenten-Thriller seine Geschichte einer gefährlichen Mission und ihrer für alle Beteiligten ein Leben lang spürbaren Konsequenzen. Zunächst als Oscar-Anwärter gehandelt, fiel der Film bei den diesjährigen Preisverleihungen durch. Auch wenn das Ergebnis alles andere als misslungen ist, so ahnt man doch warum.

Die besten Szenen aus Eine offene Rechnung in unserem CineChannel

Rachel (Helen Mirren, Jessica Chastain), David (Ciarán Hinds, Sam Worthington) und Stephan (Tom Wilkinson, Marton Csokas) verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, deren geradezu schicksalhafter Ausgangspunkt im Ost-Berlin der sechziger Jahre zu finden ist. Damals befanden sich alle drei für den israelischen Geheimdienst in der Stadt. Ihr streng geheimer Auftrag war es, den gefürchteten Nazi-Kriegsverbrecher Dieter Vogel (Jesper Christensen) zu stellen. Vogel, besser bekannt als der „Chirurg von Birkenau“, sollte außer Landes gebracht und in Israel angeklagt werden. Es war eine heikle Undercover-Mission, die zunächst nach Plan, später dann jedoch nicht ohne Komplikationen ablief.

Auch dreißig Jahre später werden Rachel und ihre Mitstreiter in Israel noch wie Helden verehrt. Sie waren es schließlich, denen Vogel ins Netz ging. Doch was geschah wirklich in jenen Tagen in Ost-Berlin? Angeblich sei der Nazi-Scherge von Rachel bei einem Fluchtversuch erschossen worden. Einen Beweis für diese Version gibt es jedoch nicht und so sind Zweifel angebracht, zumal Stephan, der inzwischen beim israelischen Geheimdienst Karriere gemacht hat, bei Rachel vorstellig wird und ihr die schreckliche Nachricht vom Selbstmord ihres früheren Partners David überbringt. Der Suizid scheint unmittelbar auf das zurückzuführen zu sein, was sich damals vor über dreißig Jahren in Deutschland zugetragen hat.

Bereits in seiner Struktur offenbart „Eine offene Rechnung“ eine gewisse Ambition. Zwei Erzählebenen, drei Jahrzehnte voneinander getrennt, verschmelzen miteinander und lassen das Berlin der sechziger Jahre auf ein modernes Israel treffen, das den Schrecken des Zweites Weltkriegs niemals vergessen wird. Vergessen können auch Rachel, David und Stephan nicht, so sehr sie sich das vielleicht wünschen mögen. Zwischen historischer Wahrheit und Illusion, zwischen dem Festhalten an einer Lebenslüge und dem schmerzhaften Eingeständnis eigener Fehler bewegt sich die Geschichte zunächst entlang eines durchaus packend inszenierten Thrillerplots. Vor allem die Operation in Ost-Berlin bietet reichlich Suspense und hübsch bebilderte Agenten-Nostalgie.

Handwerklich liegt der Film, der im Übrigen ein Remake des israelischen „Die Stunde der Vergeltung“ aus dem Jahr 2007 ist, zweifellos weit über dem meisten, was es ansonsten in unsere Kinos schafft. Oscar-Preisträger John Madden kann in dem für ihn ungewohnten Genre mit stimmungsvollen Aufnahmen einer psychologisch überaus reizvollen Dreiecksbeziehung punkten. Das Verhältnis zwischen Rachel, Stephan und David bietet ebenso wie der eigentliche Auftrag genug, was unser Interesse und unsere Aufmerksamkeit anspricht. Ohne sich in unnötig forcierte Sentimentalitäten zu flüchten, beschreibt das Drehbuch von Action-Spezialist Matthew Vaughn („Kick-Ass“) und Jane Goldman eine spannende Liaison vor einem spannenden Ausschnitt Zeitgeschichte.

Verlassen kann sich Madden zudem auf sein Ensemble. Oscar-Preisträgerin Helen Mirren und „Tree of Life“-Neuentdeckung Jessica Chastain decken Rachels unterschiedliche Lebensphasen, ihr Ringen mit der Wahrheit und persönlicher Verantwortung souverän ab. Überzeugen können gleichsam „Avatar“-Star Sam Worthington und Marton Csokas als Rivalen und zugleich Partner in gefährlicher Mission. Der Däne Jesper Christensen pflegt hingegen sein Image als böser Schurke und Filmpsychopath. Sein Nazi-Doktor changiert eiskalt zwischen dem lieben Onkel von nebenan und einem skrupellosen, gewissenlosen Monster. Mit diesen Attributen wäre er mit Sicherheit der Star jedes Horrorfilms.

Ursprünglich sollte die Produktion in das Rennen um den Oscar und andere Filmpreise geschickt werden. Der späte, limitierte Starttermin in den USA Ende letzten Jahres ist dafür ein eindeutiges Indiz. Tatsächlich spielte „Eine offene Rechnung“ dort keine Rolle, was nicht verwundert, wenn man das letzte Drittel und die doch ziemlich reißerische Auflösung kennt. Mit jeder Minute entfernt sich Madden hier etwas weiter vom Pfad des zunächst vielschichtigen und atmosphärisch dichten Geschichtsthrillers. Stattdessen zielen er, Vaughn und Goldman auf ein kaum überzeugendes Finale, das viel zu offensichtlich Suspense mit Melodramatik vermischt. Die Klasse eines „München“, den der Film augenscheinlich als Vergleich und Inspirationsquelle immer wieder bemüht, bleibt vorerst unerreicht.

Eine offene Rechnung in den Kölner Kinos
Die besten Szenen aus Eine offene Rechnung in unserem CineChannel
Die offizielle Homepage zum Film
Bildergalerie Eine offene Rechnung

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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