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Film der Woche

Die Relativitätstheorie der Liebe

Von Marcus Wessel

Zwei Schauspieler, vier Paare, zehn Rollen. So lautet kurzgefasst das Konzept dieser deutschen Liebeskomödie, in der Olli Dittrich und Katja Riemann einmal mehr ihre enorme Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Ein Experiment letztlich ohne allzu große Risiken.

Für Olli Dittrich, der durch das Comedy-Format „Samstag Nacht“ und seine preisgekrönten Sketche mit Kompagnon Wigald Boning – „Zwei Stühle, eine Meinung“ – bekannt wurde, scheint keine Rolle undenkbar. Vom Sänger einer Rockband bis hin zu Franz Beckenbauer und Alltagsphilosoph Dittsche, Dittrich hat sie alle gespielt und das mit Bravour. Obwohl er nie eine klassische Schauspielausbildung genoss, ist der Mittfünfziger einer der wandlungsfähigsten und versiertesten Darsteller der deutschen TV-Landschaft.

Neben dem seinerzeit wirklich gewagten, weil nur bedingt massenkompatiblen Format „Dittsche“ hat sich Dittrich vor allem in der für das ZDF produzierten Filmreihe „Blind Date“ als genauer Beobachter von Menschen und scheinbar banalen Alltagssituationen einen Namen gemacht. Zusammen mit Schauspielkollegin Anke Engelke tauchte er ohne Drehbuch und dafür großer Improvisationskunst in die komplett erdachte Vita einer fiktiven Figur.

Es sind vermutlich solche Erfahrungen, die ihm für seine Rolle in Otto Alexander Jahhreiss’ romantischer Komödie „Die Relativitätstheorie der Liebe“ als wertvoller Fundus dienten. Immerhin verkörpert Dittrich hier gleich fünf, sehr unterschiedliche Charaktere. Ihm zur Seite steht Katja Riemann, um die es zuletzt etwas ruhiger geworden war und die wie Dittrich ebenfalls ein ziemlich vielseitiges Charakter-Quintett schultern muss.

"Die Relativitätstheorie der Liebe" in den Kölner Kinos 

Dittrich bekommt es bei seiner ersten großen Kinohauptrolle mit einem entnervten, zynischen Werber, einem typisch Berliner Fahrlehrer, einem großherzigen, libanesischen Imbissbudenbesitzer und einem von sich ziemlich überzeugten, samenspendenden (Alt-)Rocker zu tun. Sein fünfter Part als Yogi Swami Helmut ist mehr ein Gastauftritt und innerhalb der episodenhaften, sich fortwährend kreuzenden Handlung nicht weiter von Belang. Riemanns Frauenfiguren sind das dazu nicht immer passende Gegenstück. So hat sich die esoterische Eva längst von dieser Welt, einem normalen Alltag und ihrem Mann Frieder – dem Werber – verabschiedet. Da kann man ihren Gatten irgendwie verstehen, dass der sich schon seit Jahren in eine Affäre mit Evas Schwester Maria flüchtet.

Zunächst erstaunt wie wenig Klamauk und Zote in Jahrreiss’ Film steckt. Auch wenn der Trailer etwas anderes andeutet, so ist „Die Relativitätstheorie der Liebe“ keine flache Verkleidungs-Gag-Parade geworden. Obgleich nicht jede Geschichte so ganz überzeugen kann – gerade Riemanns Esoterik-Tante nervt mitunter ziemlich –, gelingt es Jahrreiss, in seine bewusst überzeichneten Beobachtungen von Paar-Beziehungen immer wieder tiefere Wahrheiten hineinzulegen. Nehmen wir nur die feurige Südländerin Gabriella und ihren durch und durch deutschen Gatten Paul. Während sie sich weiterhin nach Anerkennung, Bestätigung und körperlicher Nähe sehnt, hat er es sich in ihrer Ehe ganz einfach gemütlich gemacht. Die Folgen sind Frust, Wut und Verzweiflung.

Verpackt als komödiantische Wundertüte versucht sich der Film an einer allgemeingültigen Analyse unterschiedlicher Mann-Frau-Beziehungen, wobei er durchaus vereinfacht, zuspitzt, karikiert. Man muss schon genau hinhören und hinsehen, um hinter den Verkleidungen auf das zu stoßen, was „Die Relativitätstheorie der Liebe“ am Ende von ähnlich gestrickten, romantischen Komödien unterscheidet. Das sind gerade die Momente, in denen sich Jahrreiss von der Fixierung auf eine Pointe löst und durchaus auch ernste bis tragische Beobachtungen zulässt. Pauls Gedankenspiel um einen Föhn und was dieser in der eigenen Badewanne so alles anrichten kann, ist dafür vielleicht das beste Beispiel.

Nun möchte man den erfahrenen Werbefilmer Jahrreiss, der mit Dittrich bereits die bekannte Kampagne für einen großen Elektronikmarkt gedreht hatte, allerdings nur deshalb nicht von jedem Fehlgriff freisprechen. Sein erster Kinofilm schmückt sich mit einem vielsagenden Titel, dessen Erklärung wohl nur ein Schulterzucken ernten dürfte. Seine Relativitätstheorie der Liebe ist nämlich vor allem eines: relativ banal. Und natürlich bewegt sich Jahrreis mit seinem Film stets am Humorverständnis des Mainstreams entlang, was die zahmen und manchmal gar lahmen Gags erklärt. Das Experiment der Fünffachbesetzung ist zudem weniger riskant, als man zunächst vermuten könnte. Immerhin sind Olli Dittrich und Katja Riemann beides bekannte und beim Publikum äußerst beliebte Gesichter. Wie gut insbesondere Riemann hier ist, wird jedoch deutlich, wenn der Gedanke an Anke Engelke, die man sich eigentlich an der Seite Olli Dittrichs gewünscht hätte, schon nach wenigen Minuten verschwindet.

"Die Relativitätstheorie der Liebe" in den Kölner Kinos
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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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