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Film der Woche

Die Lincoln Verschwörung

Von Marcus Wessel

In Robert Redfords neuester Regiearbeit prallt ein spannendes Kapitel amerikanischer Geschichte auf eine bislang weitgehend unbekannte Mutter-Sohn-Tragödie. Für den engagierten, politischen Filmemacher Redford geht es dabei um Grundsätzliches. In der Tat sind die darin aufgeworfenen Fragen nach Rechtsstaatlichkeit und unveräußerlichen Menschenrechten bis heute hochaktuell.

Selbst viele Amerikaner wissen kaum etwas über das, was sich in jenen April-Tagen des Jahres 1865 in Washington ereignet hat. Der Bürgerkrieg zwischen den Nord- und Südstaaten ist gerade erst mit der Kapitulation des Südens zu Ende gegangen, da hofft eine ganze Nation auf einen Neubeginn, auf eine Rückkehr zu Einheit und Frieden. Doch manche wollen sich nicht mit der neuen Situation abfinden. Der Schauspieler John Wilkes Booth, ein Mann des Südens, gehört dazu. Zusammen mit einigen Mitstreitern plant er ein abscheuliches Verbrechen, das er schließlich in die Tat umsetzt. Bei einem Theaterbesuch gibt er mehrere Schüsse auf US-Präsident Abraham Lincoln ab, während andere Mitglieder der Bande praktisch zeitgleich einen Anschlag auf Vizepräsident Johnson und Außenminister Seward durchführen. Während Seward schwer verletzt wird und Johnson dem Attentat knapp entgehen kann, erliegt Lincoln am nächsten Tag seinen schweren Verletzungen.

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„Die Lincoln Verschwörung“ beginnt mit der genauen Rekonstruktion des Anschlags und dem Tod des 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die Nation steht unter Schock. Die Menschen sind fassungslos, viele drängen auf eine schnelle und harte Bestrafung der Täter. In dieser aufgeheizten Stimmung soll der junge Anwalt Frederick Aiken (James McAvoy), selbst ein dekorierter Kriegsheld der Nordstaaten, die Verteidigung der einzigen Frau unter den Angeklagten übernehmen. Mary Surratt (Robin Wright) wird beschuldigt, in ihrer Pension die Männer um John Wilkes Booth im Wissen um deren Ansinnen beherbergt zu haben. Ihr eigener Sohn John gehörte offenbar zu Booth’ Vertrauten. Er ist auch der Einzige, den die Ermittler bislang nicht fassen konnten. Aiken, der Mary Surratts Verteidigung zunächst eher widerwillig übernimmt, ist sich am Ende sicher, dass hier eine Mutter stellvertretend für die Taten ihres Sohnes verurteilt werden soll.

Angesichts dieser Ausgangslage ähnelt der Film anfangs einem typischen Courtroom-Thriller, von dem er sich aber letztlich nicht allein aufgrund seines historischen Kontextes deutlich absetzen kann. Redford und seinem Drehbuchautor James D. Solomon, der akribisch in jahrelanger Kleinarbeit die Fakten und Hintergründe des Prozesses recherchierte, ging es nicht um die Etablierung von Thrill und Suspense. Der Ausgang des Verfahrens ist in diesem Fall nämlich kein probates Mittel, um echte Spannung zu erzeugen, immerhin scheint von Beginn an vorgezeichnet, wie das Urteil des Militärgerichts einmal aussehen wird. Interessant ist „Die Lincoln Verschwörung“, weil Solomons Drehbuch die Aktualität seiner Geschichte betont und überdies immer wieder die richtigen Fragen aufwirft.

Nach einer etwas holprigen Belehrung, die sich der junge Anwalt Frederick von seinem Mentor, dem Südstaaten-Senator Johnson (Tom Wilkinson), anhören muss, wonach jeder Mensch – sogar Booth’ Komplizen – von der Verfassung garantierte Rechte besitzt, schraubt Redford den Anteil didaktischer Ausführungen deutlich zurück. Und doch macht sein Film jederzeit unmissverständlich klar, was ihm wichtig ist und aus welchen Prinzipien sich seine politische Meinung zusammensetzt. Das mag dem bekennenden Demokraten Redford von konservativen Amerikanern die üblichen Anfeindungen einbringen, viel wichtiger als solche Reflexe erscheint aber, dass die Geschichte die Tradition demokratischer Kultur, von Menschenwürde und unwiderrufbaren Menschenrechten betont. Gerade in der heutigen Zeit – nach den Anschlägen des 11. September – ist diese Agenda hochaktuell und ihre Einhaltung immer öfter auch in demokratischen Gesellschaften bedroht.

Erfreulicherweise tappt Redfords Film nicht in die Falle eines moralinsauren, lediglich gut gemeinten Erbauungskinos für angehende Verfassungsrechtler. Die Geschichte besitzt abseits aller politischen Aspekte eine zutiefst menschliche Dimension. Tatsächlich erzählt „Die Lincoln Verschwörung“ von einer gescheiterten Mutter-Sohn-Beziehung. Es ist das persönliche Drama inmitten einer nationalen Tragödie, in die Redford und seine Schauspieler das meiste Gefühl investieren. Insbesondere Robin Wrights zurückgenommenes, ausgesprochen sensibles Portrait einer verzweifelten Mutter besitzt zweifellos Oscar-Qualitäten. An ihrer Seite überzeugen James McAvoy, Danny Huston als kompromissloser Ankläger Joseph Holt und die junge Evan Rachel Wood als Marys Tochter Anna. Redfords jüngste Arbeit ist Kino für Herz und Verstand, intelligent und fordernd.

Die Lincoln Verschwörung in den Kölner Kinos
Die besten Szenen aus Die Lincoln Verschwörung in unserem CineChannel
Die offizielle Homepage zum Film
Bildergalerie Die Lincoln Verschwörung

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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