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Film der Woche

Die Kinder von Paris

Von Marcus Wessel

Es ist eines der dunkelsten Kapitel der französischen Geschichte. Über die Massenrazzia im Juli des Jahres 1942, bei der über 13.000 Pariser Juden erst verhaftet und später deportiert wurden, hat man in Frankreich lange Zeit nicht gesprochen. Aus Sicht eines Kindes, das den Schrecken er- und überlebte, erzählt nun dieser Film, was in jenen Sommertagen geschah.

Die besten Szenen aus "Die Kinder von Paris" in unserem CineChannel

Idyllischer könnte auch jeder andere Film über Paris kaum beginnen. Das erste, was uns Regisseurin Rose Bosch in ihrem Film „Die Kinder von Paris“ zeigt, ist ein Karussell irgendwo in Montmartre, einem der bekanntesten Pariser Viertel, das mit seinen weltbekannten Sehenswürdigkeiten wie der Basilika Sacré Cœur jedes Jahr Millionen Touristen aus aller Welt anzieht. Es ist eine Szene wie aus einem Werbeprospekt. Doch kurz darauf ziehen dunkle Wolken auf. Ein deutscher Soldat knipst eifrig Erinnerungsfotos, dann wendet er sich einem kleinen Jungen zu, der den Davidstern hinter seiner Schultasche versteckt. Plötzlich wird einem bewusst, dass diese Momentaufnahme alles andere als ein Idyll beschreibt. Es ist die Ruhe vor einem grausamen Sturm.

Bildergalerie: Die Kinder von Paris

Wie dem Presseheft zu „Die Kinder von Paris“ entnommen werden kann, war die Finanzierung des 20 Mio. Euro teuren Projekts lange Zeit ungewiss. Erst als das renommierte Produktionshaus Gaumont einstieg, schien die Realisation sicher gestellt. Regisseurin Rose Bosch, die unter anderem bereits für Ridley Scotts Kolumbus-Epos „1492“ das Drehbuch schrieb, kam durch ihren Ehemann Ilan Goldman, einem bekannten Produzenten und Enkel osteuropäischer Juden, mit der Geschichte um die im Sommer 1942 von den Nazis angeordnete Massenverhaftung und Deportierung Pariser Juden in Kontakt. Für Bosch war schnell klar, dass sie die erschütternden Ereignisse jener Julitage nur aus der Sicht eines Kindes wird erzählen können.

Joseph (Hugo Leverdez) heißt der Junge, dessen Schicksal der Film nachzeichnet und der all das, was hier an Grausamkeiten und Unmenschlichem gezeigt wird, so auch erlebt hat. Zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern wächst er im Pariser Stadtviertel Montmartre auf. Er macht das, was auch andere Kinder in seinem Alter gerne machen. Zusammen mit seinen Freunden spielt er Erwachsenen nur zu gerne Streiche, er besucht den Jahrmarkt oder spielt mit anderen Kindern im Park. Doch dort ist er von einem Tag auf den anderen nicht mehr erwünscht. Es sind die ersten Anzeichen für das, was später ihm und Tausenden anderer Juden widerfahren wird.

In den Morgenstunden des 16. Juli 1942 begann im Großraum Paris eine beispiellose Menschenhatz. Auf Anweisung der Nazis und unter aktiver Mithilfe der Vichy-Regierung nahmen französische Behörden über 13.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder fest. 7.000 von ihnen – darunter auch Kranke und Schwangere – wurden in das Vélodrome d’hiver (Winter-Velodrom) verbracht, wo sie insgesamt fünf Tage unter katastrophalen hygienischen Bedingungen, bei unerträglicher Hitze und ohne Nahrung ausharren mussten. Von dort aus ging es in die Konzentrationslager Beaune-La-Rolande und Pithiviers und später weiter in die Vernichtungslager von Auschwitz und Treblinka.

Der Film folgt den Menschen bis zu ihrem Abtransport in den Tod. Der verwaiste Bahnhof von Beaune-La-Rolande zählt dabei zu den stärksten Bildern, die Rose Bosch für ihre schmerzhafte Geschichte findet. Im Gedächtnis bleibt auch das gigantische Radstadion mit seinen Tausenden, auf engstem Raum eingesperrten Menschen. Bosch zwingt uns nicht allein zur Konfrontation mit dem Schrecken, sie stellt eine Identifikation her, was schlussendlich viel wichtiger ist und was in uns immer neue Fragen aufwirft. Wie hätten wir gehandelt? Besäßen wir den Mut, das jüdische Kind unserer Nachbarn zu verstecken, um es zu retten? Und wäre unser Lebenswillen stark genug, um die Qualen und Strapazen in den Lagern zu ertragen? Über die kindliche Perspektive, die ein wenig an den hierzulande leider kaum beachteten „Jungen mit dem gestreiften Pyjama“ erinnert, ergeben sich aber bisweilen sogar echt (tragik)-komische Momente, über die der Film seine bedrohliche Grundstimmung immer wieder aufbrechen und auflockern kann.

Beworben werden „Die Kinder von Paris“ interessanterweise zumindest vom deutschen Verleih vor allem über zwei prominenten Namen. Mélanie Laurent, bekannt aus Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“, und Welt-Star Jean Reno, der einen jüdischen Arzt spielt, sind die Aushängeschilder dieser 20 Mio. Euro-Produktion, deren Titel Assoziationen an „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ weckt. Vielleicht ist die Ähnlichkeit kein Zufall und Constantin versucht, über den erfolgreichen Familienfilm auch ein Publikum zu erreichen, das im Kino eigentlich nicht länger dem Schrecken des Holocaust begegnen möchte. Ob man das nun kalkuliert oder feige nennt, bleibt jedem selber überlassen. (Foto: Konstantin Film)

Offizielle Website zum Film
Bildergalerie: Die Kinder von Paris
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"Die Kinder von Paris" in den Kölner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

 

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