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Film der Woche

Der Lorax

Von Marcus Wessel

Wenn die Vorlage aus der Feder des berühmten Dr. Seuss stammt und das zuständige Animationsteam zuvor erst den Publikumsliebling „Ich - Einfach unverbesserlich“ erschuf, sollte ein kurzweiliges Kinoabenteuer fast schon garantiert sein. Auch wenn sich „Der Lorax“ vor allem an die kleinen Kinozuschauer richtet, wirkt seine Moral bisweilen jedoch arg dick aufgetragen.

Nachhaltigkeit ist das, was heute jeder will, von dem jeder redet und wovon die meisten doch nicht so recht wissen, wie sie es erklären sollen. Mit der Dr. Seuss-Verfilmung „Der Lorax“ kommt nun so etwas wie die 3D-animierte Version dieses Gedankens in unsere Kinos. Dabei könnte die Geschichte auch ohne Änderungen als Werbefilm für grüne Botschaften und Anliegen eingesetzt werden. Etwas weniger Moral und etwas mehr Kreativität wären hier durchaus wünschenswert gewesen – ganz gleich wie ehrenwert die darin vertretenen Ansichten auch sein mögen.

Wie schon die Dr. Suess-Adaption „Horton hört ein Hu!“ richtet sich auch „Der Lorax“ an die jüngeren Kinozuschauer. Zugleich wird der Anspruch formuliert, nicht bloß zu unterhalten, sondern ebenso lehrreich die Bedeutung des Umweltschutzes und eines möglichst ressourcenschonenden Umgangs mit unserer Natur zu vermitteln. Das ist im Animationsfach mitnichten etwas Besonderes – gerade Disney-Filme fühlten sich immer schon einer besonderen Moral verpflichtet –, so konsequent und eindringlich (man könnte weniger nett auch sagen: penetrant) wie hier haben dies aber bislang nur sehr wenige Filme vollzogen. So kann durchaus der Eindruck entstehen, Greenpeace habe die Geschichte bereitwillig gesponsert.

Bildergalerie: Der Lorax

Bereits der Schauplatz ist mehr als ein Statement. Aus „Thneedville“ wurde schon lange alles Natürliche verbannt. An die Stelle echter Bäume pflanzte ein gerissener Geschäftsmann Plastik-Doppelgänger, die keinen Sauerstoff produzieren. Dadurch kann er in Flaschen abgefüllte Frischlust teuer verkaufen, was ihn nur noch reicher und gieriger werden lässt. Für den schwer verliebten Ted sind aber andere Dinge zunächst wichtiger. Sein ganzes Interesse gilt der schönen Audrey, in die er sich Hals über Kopf verknallt hat. Um ihr zu imponieren, macht er sich auf, einen echten Baum zu finden. Doch dazu muss er erst einmal den geheimnisvollen Once-ler aufsuchen, der als einziger weiß, was mit den Bäumen geschehen ist.

Die besten Szenen aus "Der Lorax" in unserem Cine Channel

Die Geschichte des scheuen Eigenbrödlers führt uns und Ted schließlich zum Lorax, einem munteren Natur- und Waldwesen, das den Schutz der Bäume als seine Aufgabe ansieht. Lustigerweise wird der plüschige Umweltaktivist sowohl in der Original- als auch in der deutschen Synchronfassung von Danny DeVito gesprochen. Dessen markanter Akzent passt perfekt zum wuseligen Warner, der hier das gute, grüne Gewissen verkörpert. Zusammen mit dem Lorax betreten schließlich eine ganze Reihe überaus putziger Tierchen die Bühne. Von summenden Fischen bis hin zu den niedlichen Bar-ba-loots – kleinen, tapsigen Bären mit großen Kulleraugen – reicht die Auswahl der vom Aussterben bedrohten Waldbewohner. Man muss schon ein Herz aus Stein haben, um beim Anblick der kleinen Fellknäuel keinen Zuckerschock zu erleiden. Nach den kultigen Minions aus „Ich – Einfach unverbesserlich“ beweist die Kreativschmiede um Regisseur Chris Renaud und Produzent Chris Meledandri erneut ihr Gespür bei der Erschaffung echter Publikumslieblinge.

Ansonsten bleibt ihr Film jedoch konstant unter den Möglichkeiten der Vorlage. Die viel zu dick aufgetragene Moral und die gerade für ein älteres Publikum kaum ohne den gelegentlichen Blick auf die Uhr zu überstehende Story mit ihren eher nervigen als geglückten Songeinlagen erweisen sich als die größten Stolpersteine. Der Hintersinn des Dr. Suess’schen Geschichtenerzählens ging bei der Umsetzung sogar ganz verloren. Stattdessen erlebt der Zuschauer ungefragt eine Nachhilfestunde in Bezug auf ökologisch korrektes Verhalten. Der erhobene Zeigefinger ist hierbei trotz der süßen Verpackung nicht zu übersehen. Damit gehört „Der Lorax“ eindeutig zu den schwächeren Animationsabenteuer dieses Sommers und ist nur geduldigen Eltern zu empfehlen.

Bildergalerie: Der Lorax
"Der Lorax" in den Kölner Kinos
"Der Lorax" in den Kölner Kinos in 3D
Die offizielle Homepage zum Film
Die besten Szenen aus "Der Lorax" in unserem Cine Channel

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

 

(Erstellt am 16. Juli 2012 - 11:36 Uhr; aktualisiert 20. Juli 2012 - 15:12 Uhr)


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Kommentare

Der Autor ist anscheinend

Der Autor ist anscheinend auch ein Antipanda. Aber das ist typisch Kritiker, hauptsache am Film rummeckern... Also ich guck mir den an, schon alleine weil der aussieht wie Jean Pütz, und weil Danny DeVito den auf Deutsch spricht!

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