• Home
  • Sa, 10. Dez. 2016
  • Stadtplan
  • cologne.de
  • Branchen
  • KoelnMail
  • Experten

Film der Woche

Der Adler der neunten Legion

Von Marcus Wessel

Der Sandalenfilm versucht sich gut zehn Jahre nach Ridley Scotts "Gladiator" an einem Comeback. Mutige Helden, blutige Duelle und reichlich Pathos – die neue Arbeit von "Abbitte"-Regisseur Kevin MacDonald bietet das, was man von einer Produktion solchen Formats auch erwarten kann. Dazu wandelt Hauptdarsteller Channing Tatum auf den Spuren Russell Crowes. Na ja, er versucht es.

Bildergalerie: Der Adler der neunten Legion

Eigentlich ist die große Zeit ehrlicher Kämpfe Mann gegen Mann im Kino längst vorbei. Heute dominieren zumeist Explosionen, Schnellfeuerwaffen und sonstiger Hightech-Schnickschnack das Actionfach. Nur im historischen Gewand oder im asiatischen Kampfkunstfilm wird der körperbetonte Austausch von Argumenten noch mit der nötigen Hingabe und Leidenschaft gepflegt. Kein Wunder, dass das Herz des altmodischen Actionfans höher schlägt, wenn er einen Film erwartet, der vor allem auf das Handgemachte setzt. Die ersten Bilder und Ausschnitte zu Kevin MacDonalds Römer-Epos versprachen einen durchaus nostalgischen Ausflug in den leider etwas aus der Mode gekommenen Sandalenfilm.

Die besten Szenen aus "Der Adler der neunten Legion" in unserem CineChannel

"Der Adler der neunten Legion" greift die Legende um die im tiefsten Britannien lange Zeit verschollen geglaubte römische Einheit auf, von der Historiker heute annehmen, dass sie ganz einfach an einen anderen Ort verlegt wurde. Im Jahr 140 nach Christus wird der junge Centurio Marcus Aquila (Channing Tatum) von Rom auf die Insel beordert, wo er das Schicksal der von seinem Vater angeführten neunten Legion entschlüsseln und so die Ehre seiner Familie wieder herstellen will. Bei seiner gefährlichen Expedition in die schottischen Highlands, für die er den von Kaiser Hadrian errichteten Schutzwall überqueren muss, begleitet ihn Esca (Jamie Bell), ein britischer Sklave, der das Land und dessen Bewohner nur zu genau kennt.

MacDonald beginnt seinen Film furios. So kommt es gleich in den ersten Minuten zu einer blutigen, kinetisch gefilmten Schlacht zwischen Römern und den Einwohnern Britanniens, die sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die fremde Besatzungsmacht erheben. Dabei werden sogar mit Klingen besetzte Streitwagen eingesetzt, was unweigerlich Erinnerungen an die Mutter aller Sandalenfilme, "Ben Hur", hervorruft. Hauptdarsteller Channing Tatum, der vergangenes Jahr wieder einmal unter die "Sexiest Men alive" vom amerikanischen "People-Magazine" gewählt wurde, ist jedoch kein neuer Charlton Heston und auch mit Russell Crowe und dessen Oscar-prämierter Darstellung des Maximus Decimus kann es der Frauenschwarm zu keiner Zeit aufnehmen.

Dabei ist Tatums limitiertes Handwerk weniger in den Actionsequenzen augenscheinlich – seine Physis ist schließlich ohne den geringsten Zweifel absolut Pin-up-tauglich –, der muskelbepackte Beau legt vielmehr bei der Darstellung seines um die Ehre des Vaters besorgten Nachwuchs-Centurio zuweilen die Sensibilität eines waschechten B-Movie-Helden an den Tag. Mögen manche Anflüge unfreiwilliger Komik auch auf ein etwas holzschnittartiges Drehbuch und allzu naive, pathos-geschwängerte Dialoge zurückzuführen sein, so sind Tatums schauspielerische Defizite gleichwohl unverkennbar. Vor allem im direkten Vergleich mit seinem, den Jugendrollen längst entwachsenen Co-Star Jamie Bell fällt sein Auftritt merklich ab.

"Der Adler der neunten Legion" in den Kölner Kinos

Mit einem so schwachen emotionalen Zentrum wie es Tatum hier verkörpert, fällt es dem Film natürlich schwer, sich als wirklich ernsthaftes Römer-Abenteuer zu verkaufen. MacDonalds Regie schwankt überdies die meiste Zeit recht unentschlossen zwischen einem reinen Unterhaltungsansatz (wogegen überhaupt nichts einzuwenden gewesen wäre) und dem Anspruch, von einem wirklich tiefgründigen Vater-Sohn-Drama erzählen zu wollen. Für letzteres fehlt seinem Film allerdings nicht nur der passende Hauptdarsteller. Die Momente, aus denen sich die familiäre Tragödie der Aquilas rekonstruieren lassen würde, bleiben rar gesät und in ihrem dramatischen Unterbau nur eine Behauptung. Konzentrierte sich der genre-erfahrene Neil Marshall ("The Descent") bei seiner Interpretation von Rosemary Sutcliffs Roman – dem hierzulande nur auf DVD erschienenen "Centurion" – ganz auf den Action-Part und die Ausschlachtung körperlicher Grausamkeiten, so schreckt MacDonald in den entscheidenden Augenblicken vor einer allzu expliziten Gewaltdarstellung zurück. Dadurch wirkt der bisweilen aufblitzende B-Movie-Charme am Ende doch halbherzig.

Der nach seinen Erfolgen mit "Der letzte König von Schottland" und "Abbitte" von Hollywood hofierte Schotte klebt in der Anordnung der weitgehend bekannten Handlungsabläufe und deren Bebilderung viel zu sehr an alten Vorgaben. Ridley Scotts "Gladiator", der auch den mutigen Kampf eines Einzelnen den Vordergrund rückte, hauchte dem antiken Heldenepos neues Leben ein. So etwas vermag "Der Adler der neunten Legion" zu keiner Zeit. Wenn Marcus Aquila schließlich in den Highlands auf die martialisch geschminkten Eingeborenen trifft, verwandelt sich der anfängliche Sandalenfilm in einen Mix aus „Avatar“ und "Apocalypto" vor typischer "Braveheart"-Kulisse. Die Vergleiche sind für MacDonald aber nur bedingt schmeichelhaft, zieht sein Werk doch gegen alle Originale letztlich den Kürzeren.

Offizielle Website zum Film
Bildergalerie: "Der Adler der neunten Legion"
Die besten Szenen aus "Der Adler der neunten Legion" in unserem CineChannel
"Der Adler der neunten Legion" in den Kölner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

Schon gelesen?

Nächster Artikel: True Grit
Vorheriger Artikel: Der Plan

Onlinespiele

hex-puzzle-225.jpg
Ganz schön knifflig: Platzieren Sie die Sechseck-Elemente so, dass möglichst viele auf das Spielfeld passen.  Jetzt spielen!
smartybubbles-225.jpg
Schießen Sie Ihre Luftblasen auf mindestens zwei Blasen mit der gleichen Farbe und bringen Sie diese so zum Platzen. Achtung! Suchtgefahr!   Jetzt spielen!
mahjong-600.jpg
Mahjong op kölsch - können Sie alle Steine entfernen?  Mahjong spielen