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Film der Woche

Das A-Team – Der Film

Marcus Wessel

Vier irre Typen, die denen zu Hilfe kamen, die sonst niemand helfen wollte: Das war das berühmt-berüchtigte A-Team. In den achtziger Jahren erlangte die gleichnamige TV-Serie rasch eine beachtliche Fangemeinde und wenig später sogar Kultstatus. Beides ist in Bezug auf die prominent besetzte Kinoversion eher unwahrscheinlich.

"Das A-Team" in den Kölner Kinos

Hannibal, Face, B.A. und Murdock – bei diesen Namen muss jeder, dessen TV-Sozialisation in die achtziger Jahre fiel, eigentlich hellhörig werden. Die Serie „Das A-Team“ war neben dem sprechenden Auto aus „Knight Rider“ und Al Bundys „Eine schrecklich nette Familie“ das Spaß-Vehikel des seinerzeit noch jungen, deutschen Privatfernsehens. Vier Ex-Ranger des US-Militärs legten sich darin bevorzugt mit korrupten Cops, mächtigen Drogenbossen oder zwielichtigen Diktatoren irgendwelcher Bananenrepubliken an. Als Beschützer der Wehrlosen standen sie stets für das Gute und Richtige ein, wobei die Fronten schon mit Beginn jeder Folge geklärt waren.

Es war halt die Zeit des Kalten Krieges. Und dessen Geist ließ eine unmissverständliche Unterteilung in Gut und Böse noch zu. Knapp drei Jahrzehnte später ist unsere Welt deutlich unübersichtlicher geworden und auch die Sehgewohnheiten sind andere. Das Action-Kino lebt mehr denn je von aufwändigen Spezialeffekten, schnellen Schnitten und dem Prinzip der kalkulierten Steigerung. Insofern erscheint es zunächst gewagt, die Serienhelden der Achtziger für eine Kinoproduktion reaktivieren zu wollen. Action-Spezialist Joe Carnahan („Smokin’ Aces“) und Produzent Tony Scott gingen nichtsdestoweniger das Risiko ein.

Die Rollen der vier etwas anderen Musketiere wurden sodann neu besetzt, der Ausgangspunkt der Story in den Irak der Nach-Saddam-Ära verlegt und ansonsten alles ein bis zwei Nummern größer aufgezogen. Liam Neeson tritt als cleverer Stratege Hannibal in die großen Fußstapfen des 1994 verstorbenen George Peppard, „Hangover“-Star Bradley Cooper gibt Frauenschwarm „Face“, Quinton „Rampage“ Jackson ein Mr. T-Double und der Südafrikaner Sharlto Copley den liebenswert-irren Meisterflieger Murdock. Der Gegner ist indes nicht mehr ganz so leicht auszumachen. Statt einer recht auffälligen Verkleidung tragen die Bösen hier Anzug und kugelsichere Westen.

Verurteilt für ein Verbrechen, das sie nicht begangen haben, werden Hannibal und seine Männer unehrenhaft aus der US-Army entlassen und ins Gefängnis gesteckt. Doch bereits einige Monate später bietet sich ihnen die Gelegenheit, ihre Unschuld zu beweisen. Es geht um überaus wertvolle Druckplatten für Dollarnoten, die in die Hände zu allem entschlossener Saddam-Anhänger gefallen sein sollen und eine „Black Forest“ genannte private Söldnertruppe im Dienste der US-Armee, die außerhalb der Gesetze zu operieren scheint. Bei der Suche nach den Platten und den bösen Jungs mischen auch ein undurchsichtiger CIA-Agent namens Lynch (Patrick Wilson) und eine ehrgeizige Mitarbeiterin (Jessica Biel in Uniform) des Pentagon kräftig mit.

Blendet man für einen Moment die Erinnerungen an die immer leicht trashige Serie aus und betrachtet Carnahans Film als eigenständiges Action-Spektakel – und damit als etwas, das es nicht ist und explizit auch nicht sein will –, so kann man sich durchaus an manch überzeichneten Shoot-Outs, absurden Stunteinlagen und anderem Irrsinn wie einem fliegenden Panzer erfreuen. Dummerweise klebt der Vergleich zur kultigen Vorlage wie Pech an jeder Szene. Und diesen kann der Film am Ende nur haushoch verlieren. Allein schon der inflationäre Gebrauch von Greenscreen-Szenen und CGI-Effekten erstickt jeden Anflug einer wohligen Nostalgie im Keim. Statt den besonderen Charme der Vorlage wiederzuentdecken, bekommt man einen streng nach Bauplan angefertigten, seelenlosen Actioner vorgesetzt.

Liam Neeson ist zweifellos ein großer Schauspieler mit einer beeindruckenden Physis, als ergraute George-Pappard-Kopie bleibt er genauso wie seine Kollegen geklonte Staffage. Nur weil die Autoren seinem Hannibal legendäre Sätze wie „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“ in den Mund legen oder B.A.’s Flugangst als Running Gag zitieren, schlägt das Fanherz nicht höher – im Gegenteil. Die sicherlich gut gemeinten Anspielungen auf die Serie decken nur schonungslos die Unzulänglichkeiten des aufwändig produzierten Reboots auf, dem es an Lässigkeit und originärem Witz mangelt. Viel zu verbissen kämpft sich Carnahan durch eine schon auf dem Papier austauschbar klingende Story, deren absehbare Wendung bestenfalls Kopfschütteln hervorruft.

Einen besonderen Gag – sogar speziell für uns Kölner – hat der Film aber dann doch noch anzubieten. Bei einer Szene, die am Frankfurter Hauptbahnhof spielen soll und es erkennbar nicht tut, wird für einige wenige Sekunden der Kölner Dom samt Bahnhof eingeblendet. Für einen kurzen Moment scheint da – wenn auch ungewollt – die Unvollkommenheit des Originals aufzublitzen. Leider bleibt es bei einem Aufflackern.

Bildergalerie: "Das A-Team"
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"Das A-Team" in den Kölner Kinos

"Das A-Team " und andere Filme in unserem Kino-Magazin

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

 

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