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Film der Woche

Contagion

Von Marcus Wessel

SARS, Vogelgrippe, Ehec. Immer wieder versetzen uns unsichtbare Killer in Angst und Schrecken. In Steven Soderberghs Epidemie-Thriller „Contagion“ erkrankt eine Geschäftsfrau nach einem Hong-Kong-Trip an einer mysteriösen, letztlich tödlichen Infektion. Es ist der Auftakt eines beängstigenden, filmisch nahezu perfekt inszenierten Kontrollverlusts.

Viren und Bakterien. Sie sind immer mitten unter uns und doch wird uns ihre Existenz meist erst dann wieder bewusst, wenn die Nachrichten von einer neuen Epidemie oder einer neuen Ansteckungswelle berichten. Das geschieht in regelmäßigen Abständen, wobei der Auslöser mal in mangelnder Hygiene, einer Tröpfcheninfektion oder in einer direkten Übertragung vom Tier auf den Menschen zu suchen ist. Zuletzt beherrschte das gefährliche Ehec-Bakterium hierzulande die Schlagzeilen. Für „Contagion“ greift Hollywood-Regisseur Steven Soderbergh das allzu reale Schreckensszenario einer echten Pandemie mit weltweit Millionen Infizierter und Toter auf. Dabei fühlt sich vieles von dem, was sein Länder und Kontinente umspannender Film zeigt, ungemein real und bedrohlich an.

Bildergalerie: Die besten Szenenbilder aus "Contagion"

Man muss kein Hypochonder sein, um sich nach diesem Viren-Thriller irgendwie krank zu fühlen oder seine Umwelt plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel wahrzunehmen. Denn wie „Contagion“ wissenschaftlich durchaus fundiert aufzeigt, reicht ein Händedruck, ein Griff an die Türklinke oder an den Haltegurt im Bus bereits aus, um eine nur schwer kontrollierbare Lawine aus Ansteckungen und Krankheitsfällen in Gang zu setzen. Dabei tappen auch die Experten in Soderberghs Film zunächst im Dunkeln, was genau die Quelle der Infektion sein könnte. Eine Geschäftsfrau aus Minneapolis (dargestellt von Gwyneth Paltrow) entwickelt kurz nach ihrer Rückkehr aus Hong Kong zunächst scheinbar Grippe-ähnliche Symptome. Drei Tage später ist sie tot. Auch ihr Sohn stirbt wenig später, was Mitch (Matt Damon), ihren Mann, ohne Vorbereitung und mit der ganzen Härte trifft. Allerdings scheint er gegen das unbekannte Virus immun zu sein. 

Es beginnt eine aufwändige Suche nach dem Erreger, der Infektionsquelle und den Verbindungsgliedern in der immer unübersichtlicheren Ansteckungskette. Es ist zugleich ein Wettlauf gegen die Zeit, denn das Virus verbreitet sich rasant und über Ländergrenzen hinweg. Während Wissenschaftler wie die couragierte Biologin Dr. Ally Hextall (Jennifer Ehle) fieberhaft nach einem Impfstoff fahnden, sind die Mitarbeiter in den Krankheits- und Seuchenzentren rund um den Globus mit der Organisation des Ausnahmezustands und dem Schutz der Bevölkerung beschäftigt. Als Leiter des US-Krisenzentrums lastet auch auf Dr. Ellis Cheever (Lawrence Fishburne) und seiner Mitarbeiterin Dr. Erin Mears (Kate Winslet) ein gewaltiger Druck.

In „Contagion“ jagt die Geschichte uns von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent. USA, China, Europa, Japan, überall hat das Virus seine tödlichen Spuren hinterlassen. Dabei etabliert das intelligente Drehbuch von Scott Z. Burns eine dem Thema angemessene diffuse Suspense, deren Spannungsbogen bis zur letzten Sekunde und in den Abspann hinein anhält. Auf laute Schockmomente oder Hollywood-Action wie in Wolfgang Petersens „Outbreak“ verzichtete Soderbergh dagegen ganz bewusst. Sein Anliegen war es, das Gefühl der Unsicherheit und Bedrohung einzufangen, das die Gesellschaft in einer derartigen Situation erfasst. Soziale Strukturen lösen sich schlagartig auf, wenn plötzlich jeder nur noch um das eigene Überleben kämpft. Wieder andere versuchen, das Chaos zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen. Der Subplot um einen politischen Blogger (Jude Law) ist dann jedoch der schwächste Einfall dieses ansonsten überaus cleveren, durchdachten Katastrophen-Thrillers. 

Die besten Szenen aus "Contagion" in unserem CineChannel

Mit seiner Vielzahl an Akteuren, Schauplätzen und Geschichten ist „Contagion“ ein echter Soderbergh. Wie schon im Oscar-Gewinner „Traffic – Die Macht des Kartells“ nähert er sich einem komplexen Stoff aus verschiedenen Blickwinkeln, welche montiert zu einem hypnotischen Fluss ein detailreiches, zu keiner Zeit abwegig erscheinendes Mosaik ergeben. Das Zusammenspiel zwischen nationalen Krisenstäben, der Weltgesundheitsorganisation WHO und den anderen, zwischengeschalteten Behörden bietet nicht nur einen tiefen Einblick in den bisweilen hilflos anmutenden Versuch, Ordnung in ein gewaltiges Chaos zu bringen – an dieser Stelle ergeben sich interessante Parallelen zum 9/11-Drama „Flug 93“ –, es ist gleichermaßen hochspannend.

Dabei findet der Film rasch in den typischen Soderbergh-Rhythmus. Auch in einem Moment der Ruhe fühlt man so die Dynamik der Ereignisse, den Kampf gegen den Kontrollverlust und gegen einen in diesem Fall unsichtbaren Gegner. Soderbergh setzt insbesondere mit den wiederholten Zusammenschnitten, die nur untertitelt von Cliff Martinez’ treibender Musik die Vorgänge in einen globalen Kontext stellen, mehr auf ein Reportage- denn auf ein klassisches Kino-Gefühl. Sein erstklassiges Ensemble dirigiert er zudem gewohnt souverän durch ein nie peinlich berührendes Wechselbad der Emotionen. „Contagion“ ist für Kinointeressierte somit ein Pflichtfilm. Vor möglichen Risken und Nebenwirkungen sei an dieser Stelle aber ausdrücklich gewarnt.

"Contagion" in den Kölner Kinos
Die besten Szenen aus "Contagion" in unserem CineChannel

Die offizielle Homepage zum Film

Bildergalerie: Die besten Szenebilder aus "Contagion"

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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