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Film der Woche

Chronicle - Wozu bist du fähig?

Die Entzauberung des Superhelden schreitet voran. In „Chronicle“ erlangen drei Highschool-Freunde übermenschliche Kräfte, welche sie zunächst für harmlose Späße, dann jedoch zu ihrem eigenen Vorteil einsetzen. Spider-Man und Batman dürften über ihre jungen Kollegen und deren Sorglosigkeit nicht wirklich erfreut sein.

Von Marcus Wessel

Der Superheld von heute zweifelt an sich, seinen Fähigkeiten und vor allem verzweifelt er an der Welt. Schon länger scheint das Image des perfekten Weltenretters angekratzt. Egal ob Batman, Spider-Man oder Iron Man, sie alle kämpften zuletzt auch immer gegen sich und ihre Schwächen. Das kam an. Ganz offenbar will das Kinopublikum längst keine makellosen Draufgänger oder von sicht restlos überzeugten Übermenschen mehr. Mit „Chronicle“ folgt das Genre exakt dieser Logik, wobei der aus Videoaufnahmen zusammengesetzte Film die Entzauberung seines Superhelden konsequenter als alle Vorgänger betreibt.

Andrew (Dane DeHaan) und seine beiden Freunde Matt (Alex Russell) und Steve (Michael B. Jordan) sind ganz normale Jungs, die sich mit den üblichen Teenager-Problemen herumschlagen müssen. Vor allem Andrew hat es nicht leicht. Während er in der Highschool von seinen Mitschülern regelmäßig gemobbt wird, warten zu Hause sein gewalttätiger Vater (Michael Kelly) und seine schwerkranke Mutter auf ihn. Er entschließt sich, seinen Alltag als eine Art Videotagebuch festzuhalten, nichtahnend, was ihm und seinen Freunden schon bald widerfahren soll. Nach einer Party machen die drei Jungs in einem nahe gelegenen Waldstück eine faszinierende Entdeckung. In einem unterirdischen Krater strahlt ihnen ein geheimnisvolles Material entgegen. Wenig später stellen Andrew, Matt und Steve an sich einige außergewöhnliche Veränderungen fest. Nur mit der Kraft ihrer Gedanken können sie plötzliche Dinge bewegen, manipulieren und sogar zerstören.

Bildergalerie: Chronicle - Wozu bist du fähig?

Der Weg, den die Geschichte von da an nimmt, scheint vorgezeichnet. Jede besondere Gabe kann bekanntlich sowohl für etwas Gutes als auch für etwas Schlechtes eingesetzt werden, zum eigenen Vorteil oder zum Vorteil aller. „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“ lautet der berühmteste Satz aus „Spider-Man“, der als unausgesprochene Mahnung auch hier über allem, was Andrew und seine Freunde tun, schwebt. Schnell verlässt der Film den Weg harmloser Späße. Der Ton wird ernster, die Stimmung düsterer. Bedrückend ist dabei vor allem Andrews Schicksal. Obwohl sich sein Handeln kaum verteidigen lässt, so bleibt es doch nachvollziehbar – zumindest bis zu einem bestimmten Punkt.

Dieser „Point of no return“ wirkt nicht nur wie ein tiefer, schmerzhafter Einschnitt, er verändert gleichzeitig den Charakter der von John Landis’ Sohn Max erdachten Geschichte. Die Köder, die „Chronicle“ zunächst nach uns ausgeworfen hat, erscheinen in der Rückschau regelrecht vergiftet. Schließlich ist dieser ziemlich erwachsene Film von der vermeintlich harmlosen Teenie-SciFi-Story, als die er uns in den Trailern verkauft wird, meilenweit entfernt. Dazu kommt ein junger Hauptdarsteller, dem man seinen Schmerz und Kampf mit den eigenen Dämonen jederzeit abnimmt. Dane DeHaan spielt seine Kollegen glatt an die Wand. Mitunter wirkt er wie der junge DiCaprio. Dieser hatte zu Beginn seiner Schauspielkarriere ähnlich schwierige Rollen – man denke nur an „This Boy’s Life“ bevor er in „Titanic“ endgültig zum Traum aller Teeniemädels wurde.

"Chronicle - Wozu bist du fähig?" in den Kölner Kinos
"Chronicle - Wozu bist du fähig?" in unserem CineChannel  

Stilistisch orientiert sich „Chronicle“ an anderen Found-Footage-Vertretern wie „Paranormal Activity“ und „Cloverfield“. So setzt sich der gesamte Film hauptsächlich aus Andrews eigenen Aufnahmen zusammen. Erst zum Ende hin ergänzen weitere Videoquellen die Perspektive. Die Motivation, immer und alles zu filmen, bleibt aber auch hier einigermaßen fragwürdig, wenngleich Regisseur Josh Trank die Sache noch bestmöglich zu lösen wusste. Bei der Vermarktung setzte das Studio analog zu „Cloverfield“ auf die inzwischen erprobte Methode des viralen Marketings. Über das Internet und die bekannten sozialen Netzwerke wurden lange vor dem Kinostart kurze Filmclips verbreitet – wie das US-Einspielergebnis von über 60 Mio. Dollar belegt offenbar mit Erfolg.

So klug und erfrischend „Chronicle“ seine geerdete Variante des Superheldenthemas Stück für Stück entwickelt, so übertrieben laut geht er zu Ende. Plötzlich wütet ein entfesselter Andrew wie Godzilla durch Seattles Strassen. Das ist schade, weil gerade der letzte Eindruck in Erinnerung bleibt und dieser ein über weite Strecken vielschichtig erzähltes Teenagerdrama in eine polternde Effektsause verwandelt.

Bildergalerie: Chronicle - Wozu bist du fähig?
"Chronicle - Wozu bist du fähig?" in den Kölner Kinos
Die offizielle Homepage zum Film
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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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