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Film der Woche

Burlesque

Von Marcus Wessel

Cher und Christina Aguilera sind die Stars dieses bunten und bisweilen recht trashigen Zwitters aus dem längst zum Kultfilm avancierten „Showgirls“ und dem Oscar-Abräumer „Chicago“. Für „Burlesque“ – soviel dürfte klar sein – wird es weder für das eine noch das andere am Ende reichen.

Cher hat in ihrer Karriere als Schauspielerin und Sängerin so ziemlich alles erreicht, was man erreichen kann. Grammys, sogar der Oscar – seinerzeit für „Mondsüchtig“ – zieren ihre Trophäensammlung. Und doch hat man das Gefühl, dass sie von einem Teil der Musikwelt nie so richtig ernst genommen wurde.

Dass manche Neider in ihr vor allem eine wandelnde Schönheits-OP sahen oder immer wieder auf ihre recht maskuline Stimme und Gesichtszüge anspielten, ist ebenfalls ein Teil der Wahrheit. Nun, mit über 60 (?), kehrt sie in der aufwändigen Musical-Produktion „Burlesque“ noch einmal auf die große Hollywoodbühne zurück. An ihrer Seite agiert Christina Aguilera, um die es zuletzt merklich ruhiger geworden ist. Ihre größten Hits liegen schon ein paar Jahre zurück, weshalb ein Wechsel ins Schauspielfach zunächst als Flucht nach vorne erscheint.

Bildergalerie: "Burlesque" 

Aguilera verkörpert Landei Ali. Die träumt von einem besseren, vor allem aufregenderen Leben, was sie in dem kleinen Provinznest, wo sie aufwuchs, kaum erwarten kann. Also packt sie ihre Habseligkeiten in einen Koffer und fährt in die Stadt der Stars und Sternchen – nach Los Angeles. Dort angekommen wartet auf sie allerdings ein nur wenig glamouröser Alltag. Das Ersparte ist schnell aufgebraucht und so muss schleunigst ein Job her.

Nach mehreren Fehlschlägen und Enttäuschungen entdeckt sie schließlich den Nachtclub der resoluten Tess (Cher), die sie anfangs als einfache Kellnerin einstellt. Doch Ali weiß, dass sie auf die Bühne gehört. Fortan lässt sie keine Gelegenheit aus, Tess von ihrem Traum zu überzeugen. Als wäre dies nicht schon schwer genug, muss sie sich zu allem Überfluss auch noch mit einer intriganten Konkurrentin (Kristen Bell) herumschlagen.

So bekannt und austauschbar die Story klingt, so bekannt und austauschbar ist sie dann auch. Das naive, talentierte und doch so mutige Mädchen lässt die Provinz hinter sich, um in der Großstadt ein neues Leben zu beginnen. „Coyote Ugly“ lässt grüßen. Mit der Jerry-Bruckheimer-Produktion teilt sich „Burlesque“ darüber hinaus seine gelackte Hochglanzoptik, in die offenkundig Regisseur Steve Antins Erfahrungen als Musikvideokünstler einflossen. Antin – früher einmal Schauspieler und seit längerem hauptsächlich hinter der Kamera aktiv – gilt als einer der Entdecker der „Pussycat Dolls“. Es überrascht daher, dass sein mit allerlei queeren Untertönen verziertes Filmmusical gerade auf musikalischer Ebene so wenig anzubieten hat. 

Die besten Szenen aus "Burlesque" in unserem CineChannel 

Nur wenige Stücke bleiben letztlich in Erinnerung und im Ohr. So werden die mit Abstand besten und eingängigsten Songs (Der Opener „Welcome to Burlesque“ und die kraftvolle Ballade „You haven’t seen the last of me“) beide von Cher gesungen, was ihrem Co-Star Christina Aguilera wenig Gefallen haben dürfte.

Die lässt ihre zugegeben beeindruckende Stimme mit Höhen und Tiefen spielen, wobei sie das ihr eigene „Heulen“ bis zum Exzess ausreizt. Ihre Fans werden sie dafür lieben, allen anderen wird es irgendwann zuviel. Hinzu kommt, dass Aguilera abseits ihrer Tanz- und Gesangseinlagen komplett versagt. Ihre schauspielerische Leistung ist bestenfalls überschaubar und nicht selten unfreiwillig komisch. Letzteres trifft im Übrigen auf den gesamten Film zu, der neben einigen durchaus frechen Pointen – die beste spielt auf Chers männliche Seite an – vorrangig über sein Trash-Appeal unterhält.

"Burlesque" in den Kölner Kinos

Damit liegt „Burlesque“ schlussendlich weitaus näher bei Paul Verhoevens ziemlich harmlosem Skandalfilm „Showgirls“ als bei Oscar-Sieger „Chicago“. Das wird Steve Antin vermutlich nicht gerne hören, zumal er sich in Stil und Musik auffallend an Rob Marshalls Glanzstück orientiert. Um wirklich Ernst genommen zu werden, fehlt es seiner Nachtclub-Revue aber schlichtweg an Substanz und überzeugenden inszenatorischen Einfällen. Die meisten Songs werden recht beliebig bebildert, was ihren ohnehin überschaubaren Wiedererkennungswert nur noch weiter reduziert. Dass sich „Burlesque“ zwischen Zickenkrieg und Pin-up-Fantasien noch zu einer ziemlich sanften Kritik an Banken und ihren Geschäftsgebaren aufschwingt, ist nicht mehr als eine Fußnote in einem ansonsten eher durchwachsenen „Guilty Pleasure“.

Bildergalerie: "Burlesque"
Offizielle Website zum Film
Die besten Szenen aus "Burlesque" in unserem CineChannel
"Burlesque" in den Kölner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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