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Film der Woche

Brautalarm

Von Marcus Wessel

Die Vorbereitungen zu einer Hochzeit scheinen vor allem für die beste Freundin der Braut aus einer absurden Abfolge von Stress, Überforderungen und Peinlichkeiten zu bestehen. Zumindest ist es das, was uns dieser Überraschungshit aus der Werkstatt von Komödienspezialist Judd Apatow („Beim ersten Mal“) lehrt. Gegen soviel Frauenpower zieht selbst das Wolfsrudel den Kürzeren.

Die besten Szenen aus "Brautalarm" in unserem CineChannel

Das Leben ist nicht immer fair zu dir. Diese bittere Erfahrung macht Single Annie (Kristen Wiig) schon seit geraumer Zeit. Erst hat sich ihre vermeintlich große Liebe von ihr verabschiedet, dann musste sie ihren eigenen kleinen Laden schließen und sich einen neuen, schlecht bezahlten Job suchen. Dass ihre Bettbekanntschaft alles unternimmt, um sie möglichst außerhalb des eigenen Schlafzimmers auf Distanz zu halten, versetzt Annies Selbstbewusstsein ebenfalls regelmäßig einen Tiefschlag. In diese fast schon verzweifelte Lage platzt die Nachricht, dass Annies beste Freundin Lilli (Maya Rudolph) demnächst heiratet. Annie soll als ihre „Chef“-Brautjungfer den Junggesellinnenabschied und alles um diesen herum organisieren.

Zunächst ist die Freude groß. Die Hochzeit bietet schließlich genügend Ablenkung vom wenig erfreulichen Alltag. Als Annie jedoch Lillis neue Freundin Helen (Rose Byrne) kennenlernt, die mit extravaganten Ideen die Hochzeitsvorbereitungen an sich zu reißen versucht, kippt die Stimmung schlagartig. Für Annie ist die viel zu hübsche und viel zu perfekte Helen schon bald ein rotes Tuch. Nicht nur stellt sie ihren Anspruch als engste Freundin der Braut ganz offen in Frage, sie setzt auch alles daran, Annies Vorschläge wenn möglich schlecht zu reden und ihre eigenen Ideen durchzusetzen.

Bildergalerie von "Brautalarm"

Mit dem leidenschaftlich geführten Zickenkrieg vor romantischer Julia-Roberts-Kulisse vereint „Brautalarm“ ganz geschickt zwei Elemente, die bislang zumeist nur getrennt voneinander zur Aufführung kamen. Der mitunter durchaus rustikale Witz, bei dem man sich auch vor gelegentlichen Angriffen unter die Gürtellinie oder Ekelattacken nie sicher sein kann, trifft hier auf eine überzeugend vorgetragene Entzauberung allzu verkitschter Wunschvorstellungen wie sie in aller Regel Frauen – aber mit Sicherheit auch einige Männer – nur zu gerne pflegen. Dabei ist die bevorstehende Hochzeit von Annies bester Freundin nur das Verhikel für eine herrlich überzeichnete Beschreibung weiblicher Ausnahmezustände.

Annie fühlt sich vom Leben herumgeschubst und unfair behandelt. Sie zweifelt an sich, an dem, was sie kann und an den Männern sowieso. Hauptdarstellerin und „Saturday Night Live“-Ensemblemitglied Kristen Wiig ist als bewundernswertes Stehauffräulein und Heldin von der tragischen Gestalt vermutlich die Idealbesetzung. Ihr Typ fällt so gar nicht in das Püppchen-Schema, nach dem weibliche Figuren in romantischen Komödien gemeinhin besetzt werden. Sie ist gewissermaßen der Gegenentwurf zu den Jennifer Anistons und Kate Hudsons dieser Welt. Das letzte Mal, dass das Publikum mit einem Komödienheld vermutlich derart mitgefühlt und mitgelitten hat, war ein Steve Carrell gerade dabei, mit 40 Jahren seine Unschuld zu verlieren. Dass beide Filme aus dem Umfeld Judd Apatows stammen und von ihm inszeniert respektive produziert wurden, sagt viel über dessen Verständnis als Entwickler und Förderer unverbrauchter Geschichten und Gesichter aus.

Es ist schon mehr als ungewöhnlich, dass eine Hollywood-Komödie das soziale Klima so explizit thematisiert und in die Handlung integriert. Wie Annie geht es Millionen Amerikanern, die nach der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise vor einem beruflichen Neuanfang stehen. Ungewöhnlich ist ohnehin vieles an „Brautalarm“, der zwar durchaus gewisse Regeln des Genres zu erfüllen scheint, gleichzeitig mit diesen Vorgaben immer wieder charmant bricht. So findet man auf dem Soundtrack statt den üblichen Verdächtigen wie Burt Bacharach und Whitney Houston Courtney Loves Band „Hole“ und die Altrocker von AC/DC. Einzig, dass Annies Sinnkrise erst über eine neue Beziehung und einen neuen Mann ihr Ende findet, mag man etwas altmodisch und einfallslos finden.

Natürlich zielt die Geschichte auch auf den Zirkus der Hochzeitsvorbereitungen und der sie konservierenden Hochzeitsfilme. Aus bekannten Ausgangssituationen wie der Anprobe in einem Brautmodengeschäft oder den zumeist langweiligen Ansprachen auf einer Verlobungsfeier entwickeln sich hier regelmäßig absurde Gagkaskaden, von denen manche wie die Flugzeugszene gar das Zeug zum Klassiker haben. Auch wenn nicht jeder Einfall zündet, so liegt „Brautalarm“ mit seiner Pointendichte doch auf einem erstaunlich hohen Niveau. Dass der Film dabei gelegentlich als die weibliche Antwort auf „Hangover“ bezeichnet wird, ist nicht wirklich fair. Schließlich ist der Apatow-Ableger eindeutig lustiger – und intelligenter.

Die besten Szenen aus "Brautalarm" in unserem CineChannel
"Brautalarm" in den Kölner Kinos
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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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