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Film der Woche

Blind Side - Die große Chance

Es ist eine Geschichte, wie sie sich Hollywood gemeinhin erträumt: Ein benachteiligter Teenager steigt zum allseits gefeierten Football-Star auf. Der Film, der Sandra Bullock kürzlich einen Oscar einbrachte, erzählt ein wahres Märchen mit den Mitteln des amerikanischen Wohlfühlkinos.

"Blind Side" in unserem CineChannel

Er hatte eigentlich keine Chance und nutzte sie. Die wahre Geschichte des Michael Oher ist reiner Filmstoff, weshalb es nicht überrascht, wenn Hollywood auf diese ungewöhnliche Biographie nun aufmerksam wurde. Ebenso wenig überrascht der große Erfolg des mit einem bescheidenen Budget von gerade einmal 29 Mio. Dollar realisierten Films – an Hollywood-Maßstäben gemessen fast schon eine Low-Budget-Produktion. Allein in seinem Heimatland spielte "Blind Side – Die große Chance" rund 250 Mio. Dollar ein.

Michael (Neuentdeckung Quinton Aaron) wächst als eines von zwölf Kindern in einem Armenviertel von Memphis auf, zeitweilig obdachlos und ohne Perspektive. Seine imposante Statur steht dabei im krassen Gegensatz zu seinem unterentwickelten Selbstbewusstsein. Michael ist ein typischer Einzelgänger – schweigsam und ängstlich –, der zudem Tag für Tag mit Vorurteilen aufgrund seiner Körperfülle und Hautfarbe konfrontiert wird.

Eines Tages wird die Mutter einer Klassenkameradin auf den Jungen aufmerksam. Die resolute Leigh Anne Tuohy (Sandra Bullock) zögert nicht lange und lädt Michael spontan zu sich nach Hause ein. Was auf diese erste Begegnung folgt, klingt zunächst wie ein Märchen und ist doch wahr. Michael zieht kurzerhand bei den Tuohys ein. In der Obhut seiner "Ersatzfamilie" taut der schüchterne Junge nach und nach auf. Dank intensiver Zuwendung und Förderung – Michael erhält regelmäßig Nachhilfestunden von der überaus geduldigen und verständnisvollen Miss Sue (Kathy Bates) – wird er immer selbstbewusster und auch in der Schule läuft es plötzlich besser für ihn.

Vor allem der Trainer des örtlichen Football-Teams ist von dem Jungen begeistert. Wie sich schnell zeigt, besitzt Michael ein unglaubliches Talent, das allerdings erst noch in die richtigen Bahnen gelenkt werden will. Mit Anfang 20 steht er schließlich vor einer Traumkarriere als nationaler Footballstar. Es ist diese gerade im amerikanischen Kino immer wieder anzutreffende Mischung aus sozialer Aufsteigerstory, propagiertem (Familien-)Zusammenhalt und der richtigen Dosis Kitsch, mit der sich der Erfolg des Films auf eine möglichst kurze Formel bringen lässt.

Die besten Szenen aus "Blind Side" in unserer Bildergalerie

Das Etikett "nach einer wahren Begebenheit" ersetzt in einem solchen Fall zumeist das Gütesiegel der Filmbewertungsstelle oder das des Filmkritikers. Denn zum Liebling des Feuilletons avancierte "Blind Side" selbst in den USA nicht. Hierzulande, wo man dem Glauben an den "All American Dream" ohnehin reserviert betrachtet, dürfte das Presseecho noch weitaus verhaltener ausfallen. Das ist einerseits verständlich, bedient "Blind Side" doch so ziemlich jedes Vorurteil an ein naives Gutmenschenstück aus Hollywood, andererseits punktet der Film von Regisseur John Lee Hancock mit einem bisweilen durchaus trockenen Witz und zwei eindrucksvollen Hauptdarstellern.

Für Sandra Bullock ist die Rolle der taffen, herzensguten Südstaaten-Übermutter wie der sprichwörtliche Sechser im Lotto. Zwar waren Bullocks Filme in der Vergangenheit meist akzeptable Kassenerfolge, als Schauspielerin wirklich ernst genommen konnte sie sich jedoch lange Zeit nicht fühlen. Mit dem Gewinn des Oscars dürfte diese Zeit der Geringschätzung endgültig vorbei sein. Bullock fegt wie ein Tornado durch jede Szene und selbst wenn sie einmal nicht zu sehen ist, scheint sie stets anwesend zu sein.

Bullocks Leistung wird nur noch vom Newcomer Quinton Aaron übertroffen. Dabei hat es der Shooting-Star ungleich schwerer. Immerhin ist seine Rolle mehr als schlampig geschrieben und ausgearbeitet. Der meist zur Passivität verurteilte Michael, über den andere – ausnahmslos Weiße – bestimmen, ist eigentlich ein schauspielerisches Skelett. Erst Quintons Präsenz und Spielfreude lässt uns die Defizite der Rolle vergessen. Hier haben wir es wahrhaftig mit einem Schauspieler zu tun, der nur wenig braucht, um in uns ein Gefühl der Verbundenheit und Nähe auszulösen.Ein Blick, ein nahezu unsichtbares Lächeln genügt.

So manches kann einem an diesem Film Bauchschmerzen bereiten. Die Glättung aller Probleme und Konflikte beispielsweise oder der nicht unproblematische Umgang mit Rassenklischees. Der Kontrast zwischen der weißen Vorzeigefamilie der Tuohys und des vorwiegend von Schwarzen bewohnten Ghettos bedient bis heute weit verbreitete Ressentiments – auf beiden Seiten.

Darüber hinaus suggeriert "Blind Side", dass den Schwarzen geholfen werden muss, da es ihnen augenscheinlich an Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten mangelt. Um sich von dieser schiefen Wirklichkeitsperspektive zu distanzieren, genügt es nicht, weiße Schuld in einem Dialog zwischen Leigh und ihren ebenfalls reichen Freundinnen aufs Korn zu nehmen. Zumal es sich hierbei wohl eher um ein gezieltes Ablenkungsmanöver handelt.

Drama/Sport, USA 2009
Regie: John Lee Hancock
Darsteller: Sandra Bullock, Quinton Aaron, Tim McGraw
128 Min.
Ab 6 Jahren

"Blind Side" in unserem CineChannel
Offizielle Homepage
"Blind Side" in den Kölner Kinos

"Blind Side" in Bonner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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