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Film der Woche

Beasts of the Southern Wild

Von Marcus Wessel

Es kommt nur selten vor, dass sich ein Film den üblichen Einordnungen zu entziehen vermag. Dieser hier ist so einer. Modernes Märchen, Sozialdrama, anrührende Vater-Tochter-Geschichte, poetische Südstaaten-Ballade. "Beasts of the Southern Wild" ist all dies und noch viel mehr. Vor allem aber ist er ein Glücksfall für das Kino.

Willkommen im "Bathtub". So nennen die Bewohner ihr selbst geschaffenes, aus Treibgut und Müll zusammengehaltenes Zuhause in den wilden Sümpfen Louisianas. Es ist ein unwirklicher Ort, entstanden aus bitterster Armut und doch beseelt von scheinbar unbändigem Lebensmut. Selbst ein heranziehender Sturm, der die Deiche zu fluten droht und damit die kleine Wellblechhüttensiedlung dem Erdboden gleich machen könnte, schreckt diese Menschen nicht wirklich. Die meisten von ihnen wollen bleiben – dort in ihrem "Bathtub" – und sich nicht der von den Behörden beschlossenen Zwangsevakuierung beugen. Die Parallelen zum Hurrikan "Katrina", der seinerzeit halb New Orleans verwüstete, mag man bei diesen Bildern als Zuschauer immer präsent haben.

Wer nun glaubt, "Beasts of the Southern Wild" spiele diese Katastrophe lediglich mit fiktivem Personal erneut durch, der irrt. Das Filmdebüt des jungen Regisseurs Benh Zeitlin – jawohl dies ist sein erster Film – lässt sich allenfalls am Rande als Chronik eines solchen Ereignisses bewerten. Im Kern dreht sich seine einfache und doch so magische Geschichte um ein kleines, ungemein tapferes Mädchen (Quvenzhané Wallis), das nach dem plötzlichen Verschwinden der Mutter bei ihrem strengen, alkoholkranken Vater (Dwight Henry) aufwächst. Dieser versucht, sein Mädchen zu Selbstständigkeit und Stärke zu erziehen, weil er weiß, dass er schon bald sterben wird. Hushpuppy, so wird die Kleine von allen Bewohnern des "Bathtub" nur genannt, lernt bereits früh, Verantwortung zu übernehmen und sich ihren Platz in dieser keinesfalls heilen Welt Tag für Tag neu zu erkämpfen.

Die besten Szenen aus Beasts of the Southern Wild im CineChannel

So geerdet und trist sich dies zunächst auch alles anhören mag, ein bedenkenschweres Sozialdrama hat Ben Zeithlin nicht gedreht – eher schon das genaue Gegenteil. Dabei erklärt bereits der exotische Schauplatz den gewaltigen Unterschied zum heimischen "Lindenstraßen"-Kino. Denn obwohl Zeithlins Film gewiss keine leichten Themen anfasst, so läuft er doch nie Gefahr, sich in einer deprimierenden Spirale aus falscher Elendsromantik und Selbstmitleid zu verlieren. Stattdessen verbreitet er unbändigen Lebensmut und einen grenzenlosen, uramerikanischen Optimismus. "Yes I can" scheint die kleine Hushpuppy immer wieder zu denken. In einer Szene schreit sie ihre ganze Entschlossenheit voller Inbrunst heraus. "I'm the man", was hier soviel bedeutet wie "Ich werde mit allem fertig, komme was wolle".

Bildergalerie Beasts of the Southern Wild

Zeithlin findet nicht nur beeindruckende Bilder dieser schönen, dabei aber auch so rauen Landschaft, er wagt es zudem, den Boden der Realität immer wieder für einen kurzen Augenblick zu verlassen. Märchenhafte Elemente wie die lange Reise der aus den geschmolzenen Polkappen aufgetauten Auerochsen heben „Beasts of the Southern Wild“ auf eine andere, geradezu magische Ebene. Dabei besitzt der Film jederzeit eine klare Meinung, eine moralische Agenda, die er unaufgeregt, aber bestimmt vorträgt. Den Satz "I'm a little piece of a big, big universe" lässt Zeithlin Hushpuppy gleich mehrfach vortragen. Es wirkt wie ein Glaubensbekenntnis, das natürlich auch eine politische Haltung seines Regisseurs verkörpert. Die Menschen, die wie Treibgut in den Wellblechhütten des "Bathtub" leben, haben weder eine Stimme noch einen Fürsprecher.

Beasts of the Southern Wild in den Kölner Kinos

Über drei Jahre verschlang die aufwändige Post-Produktion. Dieser waren nicht minder aufregende Dreharbeiten vorausgegangen. Aus Kostengründen musste vieles improvisiert werden. So fand das Casting der Hauptdarsteller beispielsweise über Skype statt. Sowohl Dwight Henry, der den Vater mit großer physischer Präsenz verkörpert, als auch Hushpuppy-Darstellerin Quvenzhané Wallis lassen Hollywoods Schauspielelite ziemlich alt aussehen. Gerade die kleine Quvenzhané hat das Zeug zum absoluten Publikumsliebling wie die begeisterte Resonanz in Cannes und Sundance belegt.

Nachdem man den fertigen Film gesehen hat, wird niemand mehr bezweifeln, dass sich soviel Aufwand gelohnt hat. Setzt man "Beasts of the Southern Wild" aus seinen bereits wunderschönen Einzelteilen zusammen, so blickt man auf ein poetisches, gelegentlich auch pathetisches, ungemein anrührendes Kinojuwel, das unsere ganze Aufmerksamkeit verdient hat. Mit jeder Sekunde zieht uns dieses Märchen tiefer in seinen Bann.

Beasts of the Southern Wild in den Kölner Kinos
Bildergalerie: Beasts of the Southern Wild
Die besten Szenen aus Beasts of the Southern Wild im CineChannel
Die offizielle Homepage zum Film

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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