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Film der Woche

Avatar - Aufbruch nach Pandora

Vier Jahre Produktionszeit und ein geschätztes Budget von 250 Mio. Dollar soll James Camerons SciFi-Epos Avatar – Aufbruch nach Pandora verschlungen haben. Gedreht mit echten Schauspielern, die in einer virtuellen, komplett am Computer erzeugten Umgebung agieren beschreitet der Film vor allem technisch neue Wege. In Digital 3D eröffnet sich dem Zuschauer eine farbenfrohe, faszinierende Welt, in der es vor bizarren Kreaturen und Geschöpfen nur so wimmelt. 

Die besten Szenen aus "Avatar - Aufbruch nach Pandora" in unserem CineChannel

James Cameron macht keine halben Sachen. Schon seinem Oscar-Erfolg Titanic haftete mehr als nur ein Anflug von Größenwahn an. Doch mit Avatar, den Cameron ursprünglich schon in den 90er Jahren realisieren wollte, schlägt er ein neues Kapitel im Prozess des Filmemachens auf. Nicht nur das Budget ist gigantisch, auch die eingesetzten Animationsverfahren ebnen den Weg in ein neues, kinematographisches Zeitalter. In gestochen scharfem Digital 3D erzählt sein Film ein bekanntes Abenteuer, das sich weniger durch seinen recht vorhersehbaren Inhalt, als durch die Art der Präsentation von anderen SciFi-Geschichten unterscheidet.

Wir schreiben das Jahr 2154. Zu diesem Zeitpunkt ist es der Menschheit bereits gelungen, in andere, weit entfernte Sonnensysteme vorzudringen. Bei einer Expedition stießen Wissenschaftler auf den erdähnlichen Mond Pandora, auf dem ein überaus kostbares Mineral reichlich vorhanden ist. Das sogenannte „Unobtainium“ scheint in der Lage, die Energieprobleme der Erde zu lösen. Seit dem Beginn der Abbauarbeiten kommt es jedoch immer wieder zu Spannungen mit den Ureinwohnern von Pandora. Die naturverbundenen Na’vi sind wenig begeistert, dass fremde Wesen auf einmal rücksichtslos ihre Heimat plündern und die Umwelt dabei zerstören.

An dieser Stelle setzt das Avatar-Programm an. Da auf Pandora eine für Menschen giftige Atmosphäre vorherrscht, entwickelten Wissenschaftler sogenannte Avatare, deren Erbsubstanz einer Kreuzung aus Mensch und Na’vi entspricht und die über das Bewusstsein ihres menschlichen Vorbilds „ferngesteuert“ werden können. Auch der frühere Marine Jake Sully (Sam Worthington) wird für das Vorhaben rekrutiert. Dass er inzwischen an den Rollstuhl gefesselt ist, stellt hierbei kein Hindernis dar. Wenn es nach seinem Vorgesetzten Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang) geht, soll Jakes Avatar in die Gemeinschaft der Na’vi eingeschleust werden, um dort Genaueres über die Organisation und die Gewohnheiten der Ureinwohner in Erfahrung zu bringen.

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wohin ein Großteil der Produktionsgelder geflossen ist. Die fotorealistischen Aufnahmen des Dschungel-Mondes Avatar und seiner zahlreichen bizarren Bewohner – damit sind noch nicht einmal die schlaksigen, blauen Na’vi gemeint – sind gerade in 3D ein wahrer Augenschmaus. Statt platter 3D-Effekte nutzt Cameron bei vielen Aufnahmen die besondere Tiefenqualität der dreidimensionalen Darstellung. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit denkt man sogar nicht weiter über den Wechsel von echten Schauspielern zu ihren computergenerierten „Kollegen“ nach, die erstgenannten in jeder Hinsicht gleichgestellt sind.

Da Cameron eine klare Einteilung in Gut und Böse vornimmt, sind die Sympathien von Beginn an etwas zu eindeutig verteilt. Während der Mensch als rücksichtloser Zerstörer und Bedrohung einer grünen Idylle auftritt – Jakes Boss ist der Prototyp des militaristischen Rednecks –, werden die Na’vi als naturverbundene Bewahrer und soziale Wesen eingeführt. Sie leben im Einklang mit ihrer Umwelt und pflegen darüber hinaus eine Vielzahl ritueller Bräuche. Spätestens hier wird deutlich, warum Avatar auch als die SciFi-Variante des klassischen Cowboy-und-Indianer-Westerns charakterisiert wird. Die Kritik am respektlosen Umgang mit dem Volk der Na’vi formuliert Cameron mit einer Brachialgewalt, die anders als die stilvollen Bilder bisweilen Kopfschmerzen verursacht.

Überhaupt lassen sich in die geradlinige, altbekannte Geschichte vom Ausflug in eine fremde Welt zahlreiche Öko-Anleihen und immer noch populäres USA-Bashing hineininterpretieren. Praktisch für jede Weltanschauung hat Cameron das Passende im Gepäck. Selbst an Konservative und Evangelikale hat der Action-Visionär offenbar gedacht. Diese dürfen in der Eroberung von Avatar ein christliches Plädoyer zur Bewahrung der Schöpfung sehen.

Die Qualität der Animationen zeigt sich insbesondere während der zum Ende hin immer opulenteren Action-Sequenzen. Flüssig, geschmeidig, unglaublich echt bewegen sich die CG-Figuren über jedes Hindernis. Technologisch gibt sich Avatar keine Blöße. Aber soviel Eyecandy Cameron insgesamt auch aufbietet, die im Grunde überschaubare Dramaturgie will nicht so recht zu der stattlichen Laufzeit (160 Minuten) passen. Camerons Hang zur Überlänge ist hinlänglich bekannt und in diesem Fall die vielleicht entscheidende Achillesverse. Manche Verfolgungsjagden wollen einfach kein Ende nehmen und die zarte Romanze zwischen Jake und der geheimnisvollen Na’vi-Kriegerin Neytiri (Zoë Saldana) ist so vorhersehbar wie langatmig. Hinzu kommt mehr als nur eine Note Ethno-Kitsch, der in James Horners musikalischer Untermalung sein unüberhörbares Fanal findet. Dass Avatar dennoch funktioniert, hat er vor allem seiner visuellen Finesse und Andersartigkeit zu verdanken.

Science Fiction/Action - USA 2009
Regie: James Cameron
Darsteller: Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver
161 Min.
Ab 12 Jahren

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

(Erstellt am 15. Dezember 2009 - 11:19 Uhr; aktualisiert 17. Dezember 2009 - 13:09 Uhr)


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