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Film der Woche

Anonymous

Man benötigt zugegeben etwas Fantasie, um Blockbuster-Regisseur Roland Emmerich gedanklich ausgerechnet mit den Werken William Shakespeares zusammenzubringen. Der bislang im Popcorn-Kino äußerst erfolgreiche Schwabe versucht sich nun an einem Historien-Thriller, der die Frage der wahren Autorenschaft so weltberühmter Stücke wie „Hamlet“ und „Romeo und Julia“ aufwirft.

Von Marcus Wessel 

Was wäre die Weltliteratur ohne William Shakespeare? Seine Werke kennt heute so ziemlich jeder. Viele lieben ihn, manche verehren ihn gar und noch mehr mussten ihn während ihrer Schulzeit lesen. Jeder Kanon, in dem seine Stücke unberücksichtigt blieben, wäre vermutlich unvollständig. Ende des 16. Jahrhunderts entstanden im Stil und in der Sprache prägende Dramen und Komödien wie „Romeo und Julia“, „Hamlet“, „Julius Cäsar“, „Ein Sommernachtstraum“ oder „Wie es euch gefällt“. Dabei war die Frage, ob der Mann aus Stratford der Autor dieser und anderer Werke war, auch unter Fachleuten lange Zeit umstritten. Denn die Hintergründe von Shakespeares Schaffen blieben seltsam im Dunkeln und gaben auf diesem Wege Anlass für vielfältige Spekulationen. Vor allem die angebliche Schreib- und Leseschwäche des literarischen Wunderkindes sowie die Tatsache, dass er in seinem Testament keiner seiner Arbeiten erwähnt hatte, sorgten immer wieder für hitzige Diskussionen.

"Anonymous" in den Kölner Kinos

Roland Emmerich, bislang eher im lauten Fach und in der Welt der Special Effects unterwegs, setzt mit seinem Film „Anonymus“ genau an dieser Streitfrage an. Ihm geht es weniger um die literarische Bedeutung der Stücke als um die Person Shakespeares und die Theorie der alternativen Autorenschaft. Dabei wird vornehmlich ein Mann immer wieder als der „wahre“ Shakespeare ins Spiel gebracht. Edward de Vere, zugleich Earl of Oxford und damit ein Angehöriger des Hochadels, soll für die bis heute berühmtesten Werke der Weltliteratur verantwortlich sein. Seine adelige Herkunft habe es ihm seinerzeit unmöglich gemacht, sich öffentlich als Autor von „Hamlet“ und „Othello“ zu bekennen. Neben de Vere existieren aber noch eine Reihe anderer Namen, denen das Ghostwriter-Attribut angehängt wird. Sogar Königin Elizabeth halten manche für die wahre Autorin der besagten Shakespeare-Stücke.

Bildergalerie

Im Film nimmt die damit verknüpfte Entstehungsgeschichte aber nur einen Teil der Handlung ein. Diese scheint vielmehr selber den Prinzipien einer Shakespeare-Tragödie zu gehorchen. So kreisen die multiplen Erzählstränge vornehmlich um die Intrigen am königlichen Hof, die Thronfolge und geheime Liebschaften, in deren Zentrum Königin Elizabeth I. (als junge Frau gespielt von Joely Richardson, später dann von ihrer Mutter Vanessa Redgrave) erbittert um ihre Machtposition und ihren Einfluss kämpft. Auch ein unehelicher Sohn, der mit Hilfe des Earl of Oxford (Rhys Ifans) in die royale Nachfolge einzugreifen versucht, darf in diesem mörderischen Cocktail aus Sex, Macht, Gier, Verrat und Inzest selbstverständlich nicht fehlen. All das wird von Emmerich opulent und mit der für ihn typischen Dramatik bebildert.

Die besten Szenen aus "Anonymous" in unserem CineChannel

Der schwäbische Katastrophenfilmer entdeckt also seine Liebe für einen zumindest halbwegs historischen Stoff, wobei er sich und seinem Verständnis von Kino treu bleibt. Das Feinsinnige und Leise ist Emmerichs Sache noch nie gewesen und so lässt er das Elizabethanische Zeitalter – täuschend echt nachgebaut in den Filmstudios von Potsdam-Babelsberg – wie nicht anders zu erwarten mit viel Spektakel und etwas Krawall wiederauferstehen. Die über weite Strecken gefällige Mischung aus Sex und Crime bauen er und sein Autor John Orloff zu einer sich gefährlich steigernden Kaskade aus royalen Intrigen und Hinterhalten aus. Es fällt nicht immer leicht, in dem verschachtelten Affärenkabinett den Überblick zu behalten, zumal der Film munter zwischen mehreren Zeitebenen hin- und herwechselt. Dass im Verlauf dieser zwei Stunden die Glaubwürdigkeit früher oder später auf der Strecke bleiben muss, verwundert nicht wirklich. Leider wird aber auch die Frage nach der Autorenschaft von den Machtspielen am Hofe immer stärker überlagert und am Ende doch ziemlich ins Abseits gedrängt.

„Anonymus“ mutet zuweilen wie eine überlange Folge der „Tudors“ an. Emmerich verlagert den wahnwitzigen Inhalt einer Soap Opera in ein historisches Korsett, schnürt es nach seinen bewährten Prinzipien fest und lässt seine Schauspieler zumeist am Rande zur Groteske agieren. Damit öffnet er letztlich allen Kritikern seiner Shakespeare-Theorie Tür und Tor. Er macht sich und seinen Film angreifbar, was ihm aber nicht ungelegen kommen dürfte. Immerhin sorgt erst ein bisschen Lärm (um Nichts) für die nötige Publicity. Dem echten Shakespeare – wer auch immer er war – hätte diese Aufführung mit Sicherheit Gefallen.

"Anonymous" in den Kölner Kinos
Die besten Szenen aus "Anonymous" in unserem CineChannel

Die offizielle Homepage zum Film

Bildergalerie: Die besten Szenebilder aus "Anonymous"

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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