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Film der Woche

Alles, was wir geben mussten

Von Marcus Wessel

Die Vorlage von Kazuo Ishiguro zählt zu den wenigen, unisono mit Kritikerlob überschütteten Romanen der letzten zehn Jahre. Unter der Regie von Mark Romanek wurde das dystopische Science-Fiction-Drama nun mit Keira Knightley und Carey Mulligan für die große Leinwand verfilmt. Ob das Ergebnis die hohen Erwartungen einhalten kann?

Die besten Szenen aus "Alles, was wir geben mussten" in unserem CineChannel

Bevor die Handlung einsetzt, stellt der Film eine in zwei scheinbar harmlosen Sätzen verpackte Nachricht voran, die darüber informiert, dass der Wissenschaft im Jahr 1952 ein fundamentaler Durchbruch gelang. Wir Menschen könnten fortan mit einer Lebenserwartung von weit über 100 Jahren rechnen. Mit dieser Prämisse wurde der Rahmen für all das, was folgt, bereits in seinen wichtigsten Eckpunkten definiert und gleichzeitig der Grundstein für ein ergreifendes Drama über existenzielle Fragen gelegt.

Bildergalerie: "Alle, was wir geben mussten"

Es ist eine schöne neue Welt, in die uns "Alles, was wir geben mussten" anfangs entführt. Die drei Schulfreunde Kathy (Carey Mulligan), Tommy (Andrew Garfield) und Ruth (Keira Knightley) wachsen zusammen in einem idyllischen Internat auf dem Lande auf, wo die resolute Miss Emily (Charlotte Rampling) zwar über die Einhaltung gewisser Regeln wacht, wo aber zugleich Dinge wie die Pubertät, die erste Liebe und Fragen nach der eigenen Identität mit Spannung und Neugier erlebt und erforscht werden. Ruth und Tommy werden ein Paar, was bei Kathy, die heimlich in Tommy verliebt ist, unweigerlich Neid und ein Gefühl des Ausgeschlossenseins erzeugt. Mit dem Ende der Schulzeit kommt es dann jedoch zum Bruch mit dem falschen Paradies. Plötzlich wird ihnen klar, dass es eine Welt da draußen gibt, auf die man sie nur unzureichend vorbereitet hat.

"Alles, was wir geben mussten" in den Kölner Kinos  

Die ganze Wahrheit ist so bitter wie erschreckend. Kathy, Ruth und Tommy sind Klone, deren eigentlicher Zweck darin besteht, ihrem Doppelgänger später einmal als menschliches Ersatzteillager zur Verfügung zu stehen. Ihr eigenes Leben scheint im Gegenzug nicht allzu viel wert zu sein. So sollen ihnen mit Anfang 20 zum ersten Mal Organe entnommen werden. Mehr als drei solcher Eingriffe überleben nur die wenigsten und so wird jeder neue Tag zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Nur Paare, die beweisen können, dass sie sich wirklich lieben, erhalten angeblich einen Aufschub. Es ist dieses vage Versprechen, aus dem die frisch verliebten Kathy und Tommy neue Hoffnung schöpfen.

Aus der verkürzten Lebenszeit ergibt sich darüber hinaus eine besondere Dringlichkeit. Dabei zeigt sich, dass Ishiguros Figuren trotz ihrer kopierten DNA keine fremden Wesen sind. Sie sind wie wir nur mit dem Unterschied, dass sie weder selbstbestimmt noch frei ihr Leben gestalten können. Und sie sehnen sich wie jeder von uns nach Gemeinschaft, Zweisamkeit, Liebe. Daran lässt nicht zuletzt das souveräne Spiel von Carey Mulligan und Keira Knightley keinerlei Zweifel.

Düstere und verstörende Zukunftsvision

Wenn ein Roman mit unglaublich literarischer Kraft eine derart düstere wie verstörende Zukunftsvision entwirft – die streng genommen gar keine ist, immerhin sind weite Teile der Handlung in den achtziger und neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts angesiedelt –, dann liegt die Messlatte bei einem Wechsel in ein anderes Medium ziemlich hoch. Umso bemerkenswerter ist das, was Drehbuchautor Alex Garland ("28 Days later") und Regisseur Mark Romanek aus Ishiguros Vorlage gemacht haben. Anstatt das tragische Schicksal um Ruth, Kathy und Tommy seitenweise abzufilmen, übersetzten sie Ishiguros Sprachreichtum in ebenso intensive Bilder und Stimmungen. Immer wieder zieht es sie ans Meer und damit an einen Ort, an dem die Unendlichkeit sichtbar wird. Dass zugleich die Zeit, die ihnen bleibt, wie Sand zwischen den Finger verrinnt, lässt diese Begegnung mit der Weite des Meeres auf uns unendlich bitter und beängstigend erscheinen.

Solch gelungene Überführungen von Wort in Bild finden sich in diesem Glücksfall einer Literaturverfilmung zuhauf. Die trügerische Idylle im Internat, die klinische Kälte der Krankenhausszenen oder auch die Momente, in denen Kathy und Tommy sich versprechen, immer füreinander da zu sein, genau wissend, dass der eine dieses Versprechen nicht halten wird können, an emotionaler Größe und Aufrichtigkeit stellt "Alles, was wir geben mussten" die meisten Vertreter eines oftmals viel zu seichten Gefühlskinos in den Schatten. Über seine kunstfertige, dabei aber nie aufdringliche Ästhetik blickt der Film tief in die Seele seiner Protagonisten. Obwohl man nur in Ansätzen erahnen kann, was in Menschen vorgeht, die den Anfang und das Ende ihres Lebens praktisch synchron erfahren, fühlt, leidet, bangt und hofft man mit ihnen. Bis zum Schluss.

"Alles, was wir geben mussten" in den Kölner Kinos
Bildergalerie: "Alles, was wir geben mussten"
Die besten Szenen aus "Alles, was wir geben mussten" in unserem CineChannel
Offizielle Website zum Film

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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