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Film der Woche

A Single Man

Modemacher Tom Ford hat das Genre gewechselt und die Welt des Glamours gegen den Regiestuhl eingetauscht. Seinem Filmdebüt "A Single Man" merkt man eine einnehmende Passion für alles Schöne und Elegante dann auch jederzeit an: Die Geschichte einer vom Schicksal auseinander gerissenen Liebe ist bewegendes Gefühlskino und eine Lehrstunde in großer Schauspielkunst.

"A Single Man" in unserem CineChannel

Der Tag beginnt für Englisch-Professor George Falconer (Colin Firth) mit einem gewaltsamen Weckruf. Schweißgebadet wacht er aus einem Traum auf, der ihn an jenen Tag zurückführte, an dem sein Geliebter Jim (Matthew Goode), mit dem er 16 Jahre zusammenlebte und mit dem er alles teilte, bei einem Autounfall starb. Georges Welt reduzierte sich dadurch urplötzlich auf einen schwarzen Punkt, auf einen nicht fassbaren Schmerz, von dem er nur zu gerne sagen würde, dass er mit der Zeit nachgelassen hat. Doch dem ist nicht so.

Die einzige Konsequenz, die sich für George hieraus ergibt, ist so brutal wie irreversibel: Noch heute will er sich das Leben nehmen. Nichts und niemand scheint ihn von diesem Entschluss jetzt noch abbringen zu können. Ohnehin ahnt keiner in seinem Umfeld, was er heute vorhat. Dafür überspielte George in der Vergangenheit viel zu souverän seine Trauer. Haltung zu bewahren, das war ihm wichtig.

Der Ablauf dieser letzten 24 Stunden unterscheidet sich dann auch kaum von dem eines ganz normalen Arbeitstages. Morgens verlässt George wie immer im eleganten, schwarzen Anzug sein überaus repräsentatives Zuhause. Er fährt zur Bank, dann zur Uni. Er verabredet sich mit seiner besten Freundin Charlotte (Julianne Moore) für den Abend und genießt bei einem Zwischenstopp auf dem Nachhauseweg den Blick auf Los Angeles. Wie Sand verrinnen die Stunden und mit jedem Blick auf einen der hier allgegenwärtigen Zeitanzeiger steigt in uns die Unruhe.

Wir sind nur Zuschauer und können in das Geschehen auf der Leinwand nicht eingreifen – so sehr wir das auch möchten. Die aus der zeitlichen Verdichtung resultierende Zuspitzung ist ein gekonnter Schachzug, mit dem Ford die Spannung fast unmerklich immer weiter erhöht. Gerade zum Ende hin überzeugt "A Single Man" daher nicht nur als ein tief bewegendes Drama sondern zugleich als ein ungemein intensiver Thriller, der sich als solcher bis zuletzt nicht wirklich zu erkennen gibt.

Die Tonspur unterstützt diese Empfindung von Spannung und Schmerz mit ihrem, den Erzählrhythmus vorgebenden Herzschlag, dessen Intensität schon früh jede Distanz zwischen uns und George aufkündigt. Wir sehen die Welt durch seine Augen und seine Gedanken sprechen direkt zu uns. Georges minutiös getimte "Abschiedstour", die sich allenfalls dadurch enttarnt, dass er zu seinen Mitmenschen immer etwas zu freundlich und zuvorkommend ist, kleidete der frühere Gucci-Chefdesigner Ford in einen ästhetischen, bisweilen surreal verzerrten Tagtraum.

Die besten Szenen aus "A Single Man" in unserer Bildergalerie

Hübsche Menschen, allesamt Modeltypen, wohin das Auge blickt. Dazu fängt sein Film in Ausstattung und Ton das damalige Sixties-Flair der Westküsten-Upper-Class perfekt ein. Stilsicherheit und Stilbewusstsein ergeben hier in jeder Einstellung eine passgenaue Form für das, was uns Ford und sein Co-Autor David Scearce zu erzählen haben. Allein dem Farbspiel mit seinen stimmungsabhängigen Wechsel von tristem Braun und Grau zu Rot – immer dann, wenn jemand Georges Schutzpanzer durchbricht – mag man einen Mangel an Subtilität vorhalten.

So virtuos Ford mit dem Interieur jongliert, die schöne Oberfläche wäre ohne Colin Firth kaum etwas wert. Mal britisch unterkühlt und kontrolliert, dann wieder hochemotional und verletzlich, fordert die Rolle von ihm eine gewaltige schauspielerische Bandbreite ab. Der Moment, in dem George am Telefon von Jims Unfalltod erfährt, ist dabei nichts weniger als darstellerisches Dynamit. Mitunter darf Firth sogar sein komödiantisches Talent einbringen, was Fords tragischer Einsamkeitsstudie eine unerwartete Leichtigkeit verleiht.

Dass Firth die Ehre einer Oscar-Nominierung zuteil wurde, ist nicht verwunderlich, wobei er mit Ford auch einen Regisseur fand, der bei aller kompositorischen Strenge nie seinen Darsteller aus den Augen verlor. Die straffe Chronologie wird immer dann kurzzeitig ausgebremst, wenn George in seinen Erinnerungen der Liebe seines Lebens nachjagt.

Aus diesen Rückblenden rekonstruiert der Film das Bild einer ganz besonderen Verbindung, die mit dem plötzlichen Tod des Einen auf die denkbar brutalste Art ein Ende fand. Ihre erste, noch zufällige Begegnung in einer Strand-Bar, ein gemeinsamer Ausflug ans Meer, ein Abend in harmonischer Zweisamkeit. In den Händen von Ford und Firth wird daraus eine Ansammlung großer Kino-Momente und aus „A Single Man“ sodann ein wahrhaftig großer Film.

Drama, USA 2009
Regie: Tom Ford
Darsteller: Colin Firth, Julianne Moore, Nicholas Hoult
99 Min.

"A Single Man" in unserem CineChannel
Offizielle Homepage
"A Single Man" in den Kölner Kinos

"A Single Man" in Bonner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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