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Film der Woche

2012

Von Marcus Wessel

Die größte Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren ist noch nicht einmal bewältigt, da droht uns eine noch gewaltigere Katastrophe, bei der nicht weniger als das Überleben der Menschheit auf dem Spiel steht. Gemäß den jahrhundertealten Prophezeiungen der Maya klopft der Weltuntergang schon bald an unsere Tür. Im Jahr 2012 soll es soweit sein. Dann, genauer am 21. Dezember 2012, endet der Maya-Kalender und mit ihm angeblich die menschliche Zivilisation.

Bei diesen Aussichten mag manch einer sich resigniert zurückzuziehen. Roland Emmerich, Schwabens erfolgreichster Hollywood-Export und ungekrönter „Master of Desaster“, dreht hingegen lieber einen Katastrophen-Reißer im XXL-Format, mit stattlicher Überlänge, bekannten Gesichtern und einem auf 260 Mio. Dollar geschätzten Budget, das jeden Gedanken an die Finanzkrise mit Brachialgewalt beiseite fegt.

Die besten Szenen aus "2012" in unserem CineChannel

Gemeinsam mit dem Österreicher Harald Kloser entwickelte Emmerich aus der Untergangs-Idee eine mehr oder weniger tragfähige Geschichte, deren mythischer Ursprung auf der Maya-Prophezeiung gründet. Die Vorstellung vom nahenden Weltuntergang durchzieht dabei viele Kulturkreise. Mal wird dieses Ereignis als „Tag des jüngsten Gerichts“, mal als Apokalypse oder Zeitenwende bezeichnet. Bei allen begrifflichen Differenzen ist stets doch dasselbe gemeint.

Auch wenn es in der Vergangenheit nicht immer den Anschein hatte, weiß Emmerich sehr wohl, dass Spezialeffekte allein keinen Film tragen. Schon gar nicht, wenn dieser es auf eine Laufzeit von 158 Minuten bringt. Ohne eine zentrale Identifikationsfigur, einen wenn möglich unangreifbaren Sympathieträger sind viele Zuschauer nicht bereit, Emotionen in eine Geschichte – und sei sie noch so spektakulär – zu investieren. Eine sichere Wahl sind deshalb um das Wohl ihrer Familie besorgte Väter und Mütter, die im Angesicht der Katastrophe über sich hinauswachsen und als Held-wider-Willen entweder ihre Lieben oder gleich die gesamte Menschheit retten.

Nachdem Emmerich schon im Öko-Reißer „The Day after Tomorrow“ einen Familienvater durch ein apokalyptisches Endzeitszenario scheuchte, vertraut er in „2012“ praktisch einer identischen Dramaturgie. John Cusack darf in Dennis Quaids Fußstapfen treten und den eigentlich aussichtlosen Kampf gegen die mächtigen Naturgewalten aufnehmen. Cusack spielt den erfolglosen Autor Jackson Curtis, der zusammen mit seiner Ex-Frau (Amanda Peet) und seinen beiden Kindern die Flucht aus einem vollkommen zerstörten Los Angeles antritt.

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Während Familie Curtis maltraitiert von Erdbeben, Flutwellen und Vulkanausbrüchen dem eigenen Überleben hinterher hetzt, setzen die Regierungen rund um den Globus einen streng geheimen Plan zur Rettung der menschlichen Zivilisation in die Tat um. Dass nur einige Auserwählte im Zuge dieser Arche-Noah-Neuauflage noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden können, wird aus Angst vor sozialen Unruhen lieber verschwiegen. Bei Ticketkosten von einer Milliarde Euro bleibt die Aussicht auf ein Weiterleben einem sehr exklusiven Zirkel vorbehalten.

Für „2012“ besinnt sich Emmerich nach dem steinzeitlichen Totalausfall „10.000 B.C.“ wieder seiner Stärken. Und die haben weniger etwas mit hoher Filmkunst als mit roher visueller Gewalt und der Lust am opulent bebilderten Untergang zu tun. Wofür manch ein anderer Regisseur vier oder fünf Filme abdrehen müsste, das packen Emmerich und sein Co-Autor Kloser in eine einzige Geschichte.

Ihr mutet Werk daher wie ein „Best-of“ des zuletzt doch aus der Mode gekommenen Katastrophenfilm-Genres an. Da werden ganze Küstenabschnitte von riesigen Flutwellen erfasst und Städte in gigantischen Erdlöchern versenkt. Sogar der Himalaya ist am Ende vor den unbändigen Naturgewalten nicht länger sicher.

Wenngleich Emmerich im Kaputtmachen, Zerstören und In-die-Luft-jagen niemand so leicht etwas vormacht, ist die Künstlichkeit der CGI-Bilder bisweilen nicht zu übersehen. Angesichts der Dimensionen dieser Zerstörungsorgie scheinen auch die modernsten Rechner irgendwann an ihre Grenzen zu stoßen. Viel mehr als die eine oder andere verunglückte Computeranimation stört jedoch all das, was sich zwischen den Explosionen und Action-Tableaus ereignet. Je intimer eine Szene wird, je mehr es auf Schauspielführung, Dialoge und Timing ankommt, desto offenkundiger werden Emmerichs handwerkliche Defizite. Bei ihm muss immer das Maximum an Pathos aus jeder einzelnen Drehbuchzeile triefen.

Dass der von Danny Glover verkörperte US-Präsident wie selbstverständlich als alternde Obama-Kopie mit Jesus-gleicher Selbstaufopferung auftritt, passt daher ins Bild. Richtig peinlich gerät der für Emmerich fast schon obligatorische, viel zu plumpe Gutmenschen-Appell, den er auf dem Höhepunkt der weltumspannenden Katastrophe aufsagen lässt.

Vor allem aber muss man dem Duo Emmerich/Kloser eine entlarvende Doppelmoral bescheinigen, wenn sie die Zusammenführung einer zuvor auseinander gerissenen Familie als Wohlfühlende zelebrieren und sogleich die Millionen, meist unsichtbaren Opfer ganz schnell unter den Teppich ihrer aseptischen CGI-Animationen kehren.

Science Fiction, USA 2009
Regie: Roland Emmerich
Darsteller: John Cusack, Woody Harrelson, Amanda Peet
158 Min.
Ab 12 Jahren

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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