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Film der Woche

Killing them softly

Von Marcus Wessel

Wenn Gangster andere Gangster ausrauben, dann bleibt dies nicht folgenlos. Und so sitzt den beiden nicht gerade hellen Räubern eines illegalen Pokerturniers schon bald ein professioneller Hitman im Nacken. Superstar Brad Pitt spielt diesen als nachdenklichen Alltagsphilosophen, der auf Knopfdruck zum eiskalten Killer wird.

Frankie (Scoot McNairy) und Russell (Ben Mendelsohn) als Verlierer zu bezeichnen, erscheint noch stark untertrieben. Während der eine sich mit halblegalen Aushilfsjobs herumschlägt, klaut der andere Hunde oder raucht sich seinen Verstand weg. Als Frankie plötzlich die Chance erhält, ein illegales Pokerturnier auszurauben, zögert er nicht lange. Auch wenn er insgeheim an der Zuverlässigkeit seines zugekifften Partners zweifelt, weiht er Russell in das nicht ganz risikolose Vorhaben ein.

Der Coup gelingt, doch die Freude währt nur kurz. Schließlich wollen die Ausgeraubten ihr Geld zurück. Es ist der Moment, in dem Jackie Cogan (Brad Pitt) die Bühne betritt. Der extrem gewissenhafte und zugleich kompromisslose Auftragskiller weiß nur zu genau, wie er in einem solchen Fall vorgehen muss. Bevor jedoch die eigentlichen Täter an der Reihe sind, knöpft er sich den Veranstalter des Pokerturniers vor. Markies (Ray Liotta) Pech ist, dass er selbst schon einmal seine Chefs beklaut hatte. Nun glaubt jeder, er stecke auch hinter dem letzten Überfall – für Markie das sichere Todesurteil.

Bildergalerie: Killing them softly

Wer sich nur aufgrund von Brad Pitt für „Killing them softly“ entschieden hat, der muss sich zunächst etwas gedulden. Bis Jackie begleitet zu den Klängen von Johnny Cashs „The Man comes around“ erstmals in das Geschehen eingreift, vergeht eine ganze Weile. In dieser Zeit begleiten wir die beiden eher unfähigen Gangstern Frankie und Russell bei ihrem vermeintlich fetten Beutezug.

Es ist ein wenig glamouröses Milieu, das mit der Glorifizierung und Coolness aus den hippen Gangsterfilmen Guy Ritchies kaum etwas gemeinsam hat. Für Regisseur Andrew Dominik ist diese Welt – genauer dieses Amerika – vor allem ein kaltes, erbarmungsloses Haifischbecken, in dem nur die Stärksten und Rücksichtslosesten überleben. Die anderen so wie Markie, Frankie und Russell – letztlich allesamt arme Schweine – müssen sehen, wo sie bleiben. „America is not a country, it’s a business“ heißt es dazu passend an einer Stelle.

"Killing them softly" in den Kölner Kinos

Kühl ausgeleuchtete Hinterzimmer, anonyme Hotels, Bars, White-Trash-Bruchbuden – aus diesen wenig einladenden Orten setzt sich „Killing them softly“ zusammen. Nach der meditativen Western-Ballade „Die Ermordung des Jesse James...“ wechselte Dominik nur die Epoche, jedoch nicht das Milieu.

Wieder einmal beschäftigte er sich mit bösen Jungs, ihren Spielen und dem Preis, der dafür am Ende zu zahlen ist. Und wieder arbeitete er mit Brad Pitt zusammen, der erkennbar Freude an diesen Projekten abseits des Mainstreams hat. Denn sowohl Dominiks grimmiger Western als auch dieses im Kern nihilistische Gangsterdrama verweigern sich einfachen Forderungen nach Action und Suspense. Beides ist zwar durchaus in sparsamen Dosen vorhanden, weil Dominik aber immer wieder unterbricht, andere Wege geht oder seine Darsteller scheinbar endlose Anekdoten erzählen lässt, fordert er zugleich Geduld und Sitzfleisch vom Zuschauer ein. Sogar die eindrucksvollste, mit neuester Digitaltechnik gefilmte Actionsequenz vollzieht sich hier in Zeitlupe.

Mit dieser entschleunigten Erzählweise und den vielen, in klaren Bildern verpackten Schnörkeln bildet „Killing them softly“ einen deutlichen Kontrast zum modernen Schnittgewitter Hollywoods. Es ist zugleich ein Statement, das für eine andere Philosophie von Film steht. Selbst die Pointen sind bei Dominik zu keiner Zeit cool sondern eher tiefschwarz, mitunter fast zynisch. Man könnte seinen Film auch mit einem Blick in den Abgrund vergleichen, der für die meisten Beteiligten kein gutes Ende nehmen wird.

Die besten Szenen aus "Killing them softly" im CineChannel

Nicht zufällig begleiten TV-Fragmente des vorletzten US-Präsidentschaftswahlkampfs die eigentliche Handlung. Dabei dürfte Barack Obamas Botschaft vom „Change“ auf viele Amerikaner inzwischen wie ein gebrochenes Versprechen wirken. Verflogen ist die Hoffnung, die vor vier Jahren das Land erfasste. Stattdessen scheint der Niedergang der einstigen Supermacht nach Dominiks Meinung kaum mehr aufzuhalten zu sein.

Diese pessimistische Sicht zeigt sich auch in vielen Bildern und Kommentaren. „Killing them softly“ ist schon deshalb ein sperriger, unbequemer Film, der nach anderen Regeln als das gängige Gangsterkino funktioniert. Manche wird er damit enttäuschen, andere begeistern. Und Andrew Dominik wird noch viele Filme drehen, die anders sind und sich nicht um Konventionen kümmern.

Bildergalerie: Killing them softly
"Killing them softly" in den Kölner Kinos

Die besten Szenen aus "Killing them softly" im CineChannel
Die offizielle Homepage zum Film

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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