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Traumstart in die Session

Karneval 2009: So toll war die Weiberfastnacht

Von Sebastian Reichert, Edgar Franzmann und Fabian Radix

Seit Donnerstag 11 Uhr 11 feiert ganz Köln Karneval und erst am Aschermittwoch ist alles vorbei. Der tolle Auftakt: Zehntausende Jeckeschunkeln bei blauem Himmel auf dem Alter Markt, hunderttausende feiern bis in den Morgen in Büros, in der gesamten Altstadt und den Veedeln. Kölle, himmlisch jeck! Nur der WDR verpatzte den närrischen Auftakt.

Bildergalerie: Weiberfastnacht 2009
Bildergalerie: Historienspiel Jan und Griet 2009

Der Alter Markt wurde schon seit den frühen Morgenstunden von den Jecken gestürmt. Schon weit vor dem offiziellen Beginn musste das Gelände gesperrt werden - wegen Überfüllung geschlossen.

Überpünktlich um 11:11 Uhr war es bei gefühlten Minus 5 Grad Celsius soweit: OB Fritz Schramma übergab bei strahlendem Sonnenschein Karnevalsprinz Hans-Georg I. für die tollen Tage die Schlüssel der Stadt. Schramma gab damit an Weiberfastnacht (Wieverfastelovend) auf dem Kölner Alter Markt den Startschuss für den Straßenkarneval. Zusammen mit dem Dreigestirn verwandelten die jecken Wiever die Kölner Innenstadt in eine gigantische karnevalistische Partymeile.

Die Frauen haben in Köln das Regiment übernommen. "Auf euch kölsche Wiever ist Verlass", sagte Prinz Hans-Georg I. in Anspielung auf das tolle Wetter. "Auf, dass auch Rosenmontag die Sonne scheine. Lasst uns fünf Tage zusamme fiere", gab der gut gelaunte Prinz auf der Bühne auf dem Alter Markt die Losung der kommenden Tage vor. "Ein herrlicher Anblick", rief der Prinz in Richtung der voll besetzen Tribünen. Sogar auf den Balkonen des Marktplatzes feierten die Karnevalisten mit, als Schramma mit dem Dreigestirn auf 11:11 Uhr herunterzählte.

Seit dem frühen Morgen drängelten sich tausende Kostümierte in der Altstadt und ließen sich die Stimmung selbst von den eisigen Temperaturen nicht vermiesen. Handschuhe und Pullover brauchten die Jecken gar nicht - sie feierten und schunkelten sich einfach warm. Um 11:11 Uhr lachte sogar die Sonne durch den blau-weißen Himmel. Der Mottoschal, den viele Jecken auch zu Weiberfastnacht dabei hatten, passte optimal dazu. " Fastelovend - himmlisch jeck", steht dort weiß auf blau drauf.

Bildergalerien

Weiberfastnacht

Jan und Griet 2009

Wagen des Rosenmontagszugs
Lachende Kölnarena
Lachende Kölnarena
Geisterzug
Kölschfest

Hofburgerstürmung

Bei reichlich Kölsch wurde ausgelassen unter freiem Himmel geschunkelt. Mit dabei beim Auftakt des Straßenkarnevals auf dem Alter Markt zahlreiche Größen des Fasteleer. Auch auf dem Heumarkt hatten sich schon am frühen Vormittag hunderte Jecken getroffen, um gemeinsam den Straßenkarnevalauftakt vor einer Großleinwand zu feiern.

Auch wenn die Frauen an Weiberfastnacht traditionell das Heft in der Hand nahmen, so waren nicht nur weibliche Wesen unter den tausenden Narren, die rund um den Alter Markt ausgelassen feierten - schließlich musste ja irgendwer für die vielen Krawatten sorgen, die immer wieder Opfer von Scheren wurden. Ein "Marlon Brando" präsentierte stolz seine abgeschnittene weiße Krawatte. Und Bützen lässt sich bekanntermaßen am besten ja auch mit einem männlichen Gegenüber.

Schon in den Morgenstunden, weit vor dem offiziellen Start um 9:40 Uhr, strömten die Narren aus allen Himmelsrichtungen in Richtung Alter Markt. Teilweise ging nichts mehr auf dem proppevollen Marktplatz. Die Neugierigen drängelten sich an den Absperrungen. Die veranstaltenden "Altstädter" konnten sich laut Pressesprecher Bernd Kalkum vor Ticketanfragen kaum retten.

Vier junge Seeräuberinnen im blau-weißen und rot-schwaren sexy Kostümen konnten sich schon um 8:30 Uhr morgens vor bützenden (küssenden) Verehrern nicht retten. Im Vorteil, wer eine Fotokamera dabei hatte und nach einem gemeinsamen Foto fragte. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hielten sich viele Jecken ohnehin mit Flirten warm: Da ging auch schon einmal ein echter Müllmann gerne einer Schar verkleideter Mädels hilfreich beim Öffnen eines Kölsch-Fässchen zur Hand

Außer dem Hang zum Seeräuber-Outfit war bei den Kostümen in Köln kein eindeutiger Trend auszumachen. Bei sonnigem, aber kaltem Wetter zeigte sich manch unternehmungslustiges "Wiev" mit Strapsen, knappen Rock und Netzstrümpfen durchaus verführerisch. Blond bezopfte "Marienkäfer" mischten mit schwarz-gelben "Biene Majas" und blau-gelben "Papageien". Bunt war Trumpf an Weiberfastnacht.


Link: rheinvideo.de

Während die Party auf dem Alter Markt noch stundenlang weiter ging, wurde natürlich überall in der Stadt gefeiert. Klasse zum Beispiel die Stimmung in der Severinsstraße vor der Radio-Köln-Bühne, von der auch center.tv live berichtete. Da kam Stimmung rüber.

Ein wenig weiter, am Severinstor, stand um 13 Uhr das Historienspiel "Jan und Griet" an, in dessen Anschluss ein Umzug durch die Stadt bis zum Denkmal "Jan von Werth" am Alter Markt zieht ud sich mit den Narren in der Altstadt vereint.

Viele Kölner feiern Weiberfastnacht aber gar nicht auf den Straßen, sondern im Betrieb und in den Büros. Es hat schon einen Grund, wenn die Kölner dafür sorgen, dass die Kameras des WDR darüber nicht berichten.

Obwohl: In diesem jahr war die Live-Übertragung des WDR ziemlich enttäuschend. Zunächst fiel die Leitung zum Alter Markt aus, stattdessen kamen langatmige Berichte aus Düsseldorf, Bonn und Billerbeck. Als dann die Leitung von Köln nach Köln stand, plapperten bemüht witzige Moderatoren ständig in die Kameras, während das karnevalistische Treiben auf den Plätzen oder der Bühne kaum gezeigt wurde.

Die Moderatorin in Köln erfand sogar ein "Festtagskomitee" als sie das "Festkomitee" meinte. Auch dem WDR sei gesagt: In Köln ist Karneval nicht nur ein Festtag, sondern ein Fest, das vom 11. November bis zum Rosenmontag dauert. Und der Straßenkarneval läuft sechs Tage von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch.

Beim WDR war diesmal leider alles auf Billerbeck-Niveau (womit nichts gegen Billerbeck gesagt sein soll. Aber was hat Jürgen Drews in Bllerbeck mit Karneval zu tun?). Sogar die Begrüßungsrede des Kölner Prinzen an seine zentausenden Narren wurde nach wenigen Sekunden abgebrochen, stattdessen schaltete man in einen Flur in Düsseldorf. Nur die absoluten Stars (z.B. die Höhner) wurden einigermaßen live gezeigt, ansonsten sorgte die Regie für ein ziemliches Wirrwarr. Schade.

Das peinliche Finale: Statt die echten Helden des Tages, die Karnevalisten, zu feiern, gaben die WDR-Moderatoren, alle als ABBA-Mitglieder verkleidet (wie witzig!) ein Gesangsfinale über vier Bühnen hinweg. Nächstes Jahr bitte weniger WDR-Inszenierung, sondern mehr echten Karneval.

Das gesamte Weiberfastnacht-Programm auf dem Alter Markt:

09:40 Uhr Einmarsch der Altstädter
09:50 Uhr Rheinländer
10:00 Uhr Swinging Fanfars
10:10 Uhr Blom &Blömcher
10:20 Uhr Sonja Becker
10:30 Uhr M. Luise Nikuta
10:40 Uhr Kolibris
10:50 Uhr Kläävbotze
11:11 Uhr Eröffnung OB Schramma, Dreigestirn und Festkomitee-Präsident
11:20 Uhr Altstädter
11:30 Uhr B. Kapusta
11:40 Uhr Höhner
12:00 Uhr Jod Dropp
12:10 Uhr M. Köllner
12:20 Uhr Olaf Henning
12:30 Uhr Leo Colonia
12:40 Uhr Boore
12:50 Uhr Elke Breu
13:00 Uhr Drei Colonias

 

Unser Dank geht an das "Lindner Hotel Dom Residence" in Köln für die Mithilfe beim schnellen Online-Stellen der Weiberfastnachtsfotos. Fotos: Sebastian Reichert, Fabian Radix

(Erstellt am 20. Februar 2009 - 16:25 Uhr; aktualisiert 20. Februar 2009 - 17:26 Uhr)


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