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Film der Woche

Ich sehe den Mann deiner Träume

Von Marcus Wessel

Jedes Jahr ein neuer Film. Woody Allen, der in diesen Tagen seinen 75. Geburtstag feiert, bleibt seinem Arbeitsrhythmus, sich selbst und seinen Themen - die Beziehungsprobleme neurotischer Großstädter - weiterhin treu. Das ist mitunter etwas langweilig, für Allen-Fans aber vermutlich genau das, was sie von ihm erwarten.

Bildergalerie: "Ich sehe den Mann deiner Träume"

Texte über einen neuen Woody-Allen-Film beginnen zumeist mit der Feststellung, dass der Altmeister wahlweise in seine Heimat zurückgekehrt ist - so geschehen bei „Whatever Works", seiner letzten Arbeit - oder dass er in Europa zumindest als Regisseur ein neues Zuhause gefunden hat. Vor allem London scheint es dem bekennenden Neurotiker und Pessimist Allen angetan zu haben, schließlich drehte er dort in den vergangenen fünf Jahren vier Filme. Auch für „Ich sehe den Mann Deiner Träume", dessen englischer Originaltitel „You will Meet a Tall Dark Stranger" ungleich doppelbödiger ist, ist die Metropole an der Themse wieder Dreh- und Angelpunkt eines reichlich tragischen Beziehungsreigens.

Es fällt schwer, in dem Wirrwarr gestresster, vom Leben enttäuschter und überforderter Großstadtintellektueller so etwas wie eine Hauptfigur oder einen echten Sympathieträger auszumachen. Allen setzt vielmehr auf ein Ensemble gleichberechtigter und leider auch gleich unsympathischer Egoisten. Als erstes lernen wir das alte Ehepaar Alfie (Anthony Hopkins) und Helena Shepridge (Gemma Jones) kennen. Aufgeschreckt von der Erkenntnis, dass ihm die Zeit wie Sand in den Fingern verrinnt, beschließt Alfie, seine Frau zu verlassen und mit dem Gang ins Fitnessstudio, dem Kauf eines Sportwagens und einer luxuriösen Stadtwohnung verpasste Gelegenheiten praktisch im Schnelldurchgang nachzuholen. Dazu gehört auch seine neue Beziehung mit dem fast vierzig Jahre jüngeren Callgirl Charmaine (Lucy Punch), für die er sich sogar scheiden lassen will.

Während Helena Trost und Hoffnung bei einer Wahrsagerin findet, die ihr eine bessere Zukunft und eine neue Liebe verspricht, hat Helenas und Alfies Tochter Sally (Naomi Watts) ebenfalls mit ernsthaften Beziehungsproblemen zu kämpfen. Sie ist heimlich in ihren Chef (Antonio Banderas) verliebt, will sich das jedoch anfangs nicht eingestehen. Ihr Mann (Josh Brolin), ein vom Misserfolg inzwischen zermürbter Möchtegern-Schriftsteller, flüchtet sich indes beim Anblick der neuen Nachbarin (Freida Pinto) in erotische Tagträume und ziemlich eindeutige Flirts.

Man ahnt, dass ein solches Gefühlschaos kein gutes Ende nehmen kann und tatsächlich zeigt Allen auf seine alten Tage immer weniger Empathie und Gnade mit seinen Figuren. Dass er der Geschichte ausgerechnet das Macbeth-Zitat „Ein Märchen voller Klang und Wut, das nichts bedeutet" voranstellt, deutet an, wie sehr Allen an der Nichtigkeit unserer aller Existenz bisweilen verzweifeln muss. Das Filmemachen ist nach seiner eigenen Aussage vor allem eine Ablenkung, um sich nicht in morbiden und nihilistischen Gedanken zu verlieren. Hinter den für ihn so typischen verbalen Spitzfindigkeiten, die er seinen Figuren auch heute noch mit unglaublicher Leichtigkeit in den Mund legt, stecken oftmals bedrückende Wahrheiten. Diese unterlaufen jedes sorgsam aufgebaute romantische Klischee wie es Hollywood in seinen Romanzen gerne bedient. Der Mensch, so wie Allen ihn zeigt, ist eigentlich ein Getriebener seiner unerfüllten Wünsche, Sehnsüchte und Triebe.

Auch formal ist das Werk des bekennenden Hypochonders von einer bemerkenswerten Konstanz. Weniger freundlich formuliert, könnte man ihm vorwerfen, sich die letzten drei Jahrzehnte keinen Millimeter weiterentwickelt zu haben. Während seine Sicht auf die Dinge zunehmend zynischer erscheint, bleibt das formale Gerüst stets dasselbe. Einen Woody-Allen-Film erkennt man bereits am Vorspann und an der von ihm so geliebten Jazzmusik. Als stiller Beobachter der intellektuellen Oberschicht folgt er seinen Figuren vorzugsweise an Orte der Hochkultur, in die Oper, ins Theater oder in irgendwelche Kunstgalerien. Ergänzt werden diese auch in seinem neuen Film anzutreffenden Schauplätze um pittoreske Rückzugsräume und schicke Londoner Appartements mit Blick auf Tower und Themse.

Der kreative Stillstand des 75-jährigen Stadtneurotikers wird einem als Zuschauer jedoch erneut mit einem erstklassigen Ensemble versüßt. Gemma Jones, Naomi Watts, ein mit sichtlichem Spaß agierende Anthony Hopkins, „Slumdog Millionaire"-Entdeckung Freida Pinto und der auf finstere Gestalten abonnierte Josh Brolin heben die ansonsten in gewohnten Bahnen verlaufende Tragikomödie auf ein am Ende insgesamt zufriedenstellendes (Unterhaltungs-)Niveau.

Bildergalerie: "Ich sehe den Mann deiner Träume"
Offizielle Hompage zum Film
"Ich sehe den Mann deiner Träume" in den Kölner Kinos

Die besten Szenen aus "Ich sehe den Mann deiner Träume" in unserem CineChannel

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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