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"Überdosis Placebo"

Finnen Lapko plaudern in Köln über bizarres Musikerleben

15 Jahre Banddasein, vier Platten und immer Lust auf guten Kaffe: die finnischen Alternativerocker Lapko. Im Kölner Underground stellten sie ihr neues Album vor. Vor ihrem Auftritt sprachen sie im Interview über ihr bizarr erscheinendes Leben als Musiker, aggressive Melancholie und eine Überdosis Placebo.

Von Helmut Löwe

Sie stammen aus südwestfinnischen Kleinstadt Harjavalta mit 7.500 Einwohnern. Lapko, ein Trio, dessen Musik man irgendwo zwischen den rauen, metallischen Tool und den rockig-melancholischen Klängen von Him oder Placebo einordnen kann - sofern man Vergleiche mit Szenegrößen heranziehen möchte. Denn auf Vergleiche mit anderen Bands stehen Sänger und Gitarrist Ville Malja, Bassist Anssi Nordberg und Drummer Janne Heikkonnen eher nicht.

Die drei tourten Mitte März durch deutsche Großstädte und stellten ihr neues und viertes Album "A New Bohemia" live vor. Vor ihrem Konzert im Kölner Underground äußerten sich Ville und Anssi im Interview mit koeln.de-Redakteur Helmut Löwe über das ihnen bizarr erscheinende Leben als Musiker, aggressive Melancholie und eine Überdosis Placebo. Aber erst, nachem sie erfahren hatten, wo sich das nächste Café befand - denn ohne Kaffe scheint bei Lapko nicht viel zu laufen.

Ihr seid nicht zum ersten Mal in Deutschland auf Tour?

Ville: Hier im Kölner Underground treten wir bereits zum vierten Mal auf. In Deutschland waren wir schon – mmh, da muss ich überlegen – na ja, sehr oft (lacht). Als Headliner sind wir erst zum zweiten Male in Deutschland.

Unterscheiden sich die Konzerte in Finnland von denen in Deutschland?

Ville: Die Zuschauer hören unserer Musik intensiv zu, sind entspannt - so etwas wie Moshpits gibt es kaum bei unseren Auftritten. Lapko-Hörer beschäftigen sich ausgiebig mit der Musikszene und der Musikkultur. Und sie kennen sich in der Musik gut aus „Popstars“-Fans verirren sich nicht in unsere Konzerte. In Finnland läuft es sehr gut – zu den Konzerten kommen zwischen 300 und 600 Zuschauer. In Deutschland sind dies momentan noch deutlich weniger. Deswegen haben wir zum Beispiel keinen eigenen Lichttechniker in Deutschland dabei.

Habt ihr zwischen den Konzerten Zeit dazu, Euch Städte wie Berlin oder Köln anzusehen?

Ville: Heute Morgen habe ich einen Spaziergang durch Köln-Ehrenfeld gemacht. Und nach dem Interview machen wir einen Ausflug in die City. Wir wollen uns den Dom ansehen, denn das haben wir trotz unseres mehrmaligen Köln-Aufenthaltes noch nicht geschafft! Und das sonnige Wetter lädt schließlich dazu ein (lacht).

Nach Euren Auftritten in Deutschland steht ihr bei über 20 Konzerten in Finnland auf der Bühne. Was macht ihr anschließend?

Ville: Im Sommer folgen einige Festivalauftritte, anschließend geht’s erneut auf Europatour, allerdings durch mehrere Länder. Im Anschluss steht eventuell die USA auf dem Programm, wo „A New Bohemia“ veröffentlicht wird – vor Herbst wird dies jedoch nichts.

Ihr habt eure neue Scheibe in New York aufgenommen und abgemischt. Aus welchem Grund?

Anssi: 2008 trafen wir den Labelmanager Marc Debiak. Er erzählte uns, dass D. James Goodwin genau der richtige Mann für uns sei, um unser neues Album zu produzieren. Goodwin gefielen die Demos des neuen Albums und so landeten wir schließlich in New York. Tja, wie man sieht, ist man auch in Sachen Musik auf Mundpropaganda angewiesen.

In der Presseinfo nennt das Label Eure Musik auf „A New Bohemia“ „aggressive Melancholie“.

Ville: Dies ist auf unserem Mist gewachsen. Und das Label hat diese Beschreibung unserer Musik von uns übernommen.

Anssi: „Aggressive Melancholie“ ist ja eigentlich vollkommen gegensätzlich. Wie ich finde, macht aber diese Art Paradoxon unsere Musik aus.

Seid ihr zufrieden mit Eurem Musikerdasein?

Ville: Die ersten zehn Jahre war für uns die Musik eher ein Hobby, eine Art Vorbereitung auf das, was wir als Lapko jetzt ernsthaft betreiben. Seit etwa drei Jahren ist die Musik unser Job und wir verdienen Geld damit. Musiker ist einer der eigenartigsten Berufe überhaupt. Du staunst über dich selbst, dein Leben, und dass du vor Publikum stehst, und dieses für das, was du zu sagen hast, Geld bezahlt. Wirklich sehr bizarr.

Anssi: Ja, und es ist irgendwie Angst einflößend – rumzuhängen und Musik zu machen. Reich sind wir aber bislang noch nicht. (lacht). Ich muss gerade an heute Morgen denken, als wir diese obskuren Bilder in unserem Blog (lapkolive.blogspot.com, d. Red.) gepostet haben. Da fühlt man sich manchmal ein bisschen wie ein Clown.

Ville: Wir versuchen, uns immer bewusst zu machen, dass man sich selbst nicht zu ernst nehmen darf, wenn man in der Musikszene mitmischt. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass wir es in diese „parallele Realität“ geschafft haben, dass dabei wir selbst geblieben sind, Geld verdienen und uns davon auch noch etwas kaufen können.

Muss man als hauptberuflicher Musiker denn nicht eher ernst an die Sache herangehen?

Ville: Schon, aber wenn du zu viel darüber nachdenkst, geht es schief. Musiker zu sein ist wie eine Grauzone: Du darfst dich nicht zu sehr in die Arbeit stürzen, sonst geht die Magie des Künstlerischen verloren. Die Musik als solche nehmen wir schon ernst, aber uns selbst nicht immer. Das macht unser Musikerleben aus.

Anssi: Wir finden uns zwar täglich in unserem Probenraum ein. Für uns ist das aber nicht so, als wenn wir „zur Arbeit“ gehen.

Wie reagieren Eure Freunde auf eure musikalischen Ambitionen?

Ville: Unsere Freunde, die unsere gesamte musikalische Karriere von Anfang an aufmerksam verfolgten, haben uns zuerst belächelt. Und das tun sie jetzt nicht mehr.

Nehmt ihr Kritik eurer Freunde an, wenn ihr Songs für Eure Scheiben auswählt?

Anssi: Jeder in unserer Band hat zwar einen anderen Musikgeschmack, doch wenn es um unsere Songs geht, dann sind wir uns ziemlich schnell einig, was gute oder weniger gute Songs für Lapko sind. Das ist beinahe so, wie ein sechster Sinn. Und dann hören wir weniger auf das, was Freunde sagen. 

Ville: Zum Glück ist unsere Plattenfirma sehr aktiv und unser A & R (Bandbetreuer, d. Red.) steht uns mit Ratschlägen und kritischen Bemerkungen zur Seite. Da entsteht immer wieder ein reger Dialog, was die Qualität unserer Songs aus der Sicht von außerhalb der Band betrifft. Es ist ja schlecht möglich, etwas Künstlerisches sinnvoll zu betreiben, ohne auf dein Publikum zu hören.

Könnt ihr Euch vorstellen, wie Lordi beim Eurovision Song Contest aufzutreten (die finnischen Hardrocker siegten 2006), um Eure Karriere anzuschieben?

Ville: Nein!

Anssi: Wir haben bereits darüber nachgedacht, um des Erfolges willen irgendwas Verrücktes anzustellen, aber Ville schiebt so etwas immer einen Riegel vor.

Ville: Wenn Du so ein Lordi-Ding abziehst, hast Du schnellen Erfolg, der aber auch schnell wieder schwindet. Wenn nicht, dauert die ganze Sache halt etwas länger. Und bei uns zieht sich dies schon 15 Jahre hin (lacht).

Welche Musik hört ihr privat?

Ville: Janne, der gerade in der Kölner Innenstadt unterwegs ist, um im Music Store Ersatz für eine defekte Monitorbox einzukaufen, hört viel mehr Musik, als Anssi und ich. Er ist einer, der ständig auf der Suche nach neuer Musik, anderen Sounds ist. Im Gegensatz zu mir und Anssi besitzt er außerdem einen iPod. Ich habe zwar einen iPod-Shuffle, benutze diesen aber nie. Wenn ich Musik höre, dann höre ich mir immer nur eine einzige CD an und diese in einem Rutsch – da bin altmodisch.

Anssi: Ville hört komplett andere Musik, als wir sie spielen.

Ville: Carole King (eine US-amerikanische Sängerin und Songwriterin; d. Red.) ist momentan hoch bei mir im Kurs. Was Midlake aus Texas machen, hat mich ebenso ziemlich beeindruckt. Und Calexico gefallen mir auch sehr gut.

Welche musikalischen Einflüsse hat Lapko?

Ville: Guter Kaffee beeinflusst uns sehr viel mehr, als andere Bands es tun (lacht).

Anssi: Während unserer Anfangstage hatten wir eine Art „Überdosis“ Placebo und Tool: Als wir unsere erste Platte herausbrachten („The Arms“, 2004), zog unsere damalige Plattenfirma den Vergleich mit diesen beiden Bands heran. Und das war wirklich eine ganz schöne Last für uns.

Ville: Wenn man als Band unbekannt ist, sind Vergleiche mit anderen Musikern gar nicht so schlecht – dann wissen die Hörer, woran sie bei dir sind. Aber wenn Du nach dem vierten Album immer noch mit Placebo verglichen wirst, läuft irgendwas falsch. Und davon bewegen wir uns zum Glück langsam weg (lacht).

Herzlichen Dank für das Gespräch.

www.lapko.com

www.myspace.com/lapko

lapkolive.blogspot.com

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