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Film der Woche

Buddy

Von Marcus Wessel

Komödienspezialist Michael Bully Herbig macht endlich wieder das, wofür ihn das Publikum liebt. Nachdem sich seine Ausflüge ins ernstere Schauspielfach als kommerzielle Flops entpuppten, wildert er mit seinem neuen Film „Buddy" im altbekannten Terrain. Als Schutzengel will er das Leben seines partysüchtigen Schützlings in geordnete Bahnen lenken.

"Buddy" in den Kölner Kinos
Die besten Szenen aus Buddy im CineChannel
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Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Sie kommen nach Hause, ahnen nichts Böses, öffnen ihren Kleiderschrank und entdecken ausgerechnet dort eine ihnen bislang unbekannte Person, die sich freundlich lächelnd als ihr Schutzengel vorstellt. Vermutlich würden Sie die Polizei rufen oder sich fragen, ob ihre Sinne plötzlich Amok laufen. Der Protagonist in Michael Bully Herbigs Wohlfühlkomödie „Buddy" entscheidet sich zunächst für ersteres, wobei auch die herbeigerufenen Beamten mit der Situation einigermaßen überfordert sind. Statt den ungebetenen und anscheinend unsichtbaren Hausgast festzunehmen, landet Unternehmersprössling Eddie Weber (Alexander Fehling) schließlich wegen Beamtenbeleidigung selbst in Polizeigewahrsam.

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Und natürlich wartet auch dort bereits Buddy (Michael Herbig) auf ihn. Der hat eine Mission. Er soll aus dem Partyhengst und Womanzier Eddie einen verantwortungsvollen, erwachsenen und vor allem einfühlsamen Menschen machen. Denn statt sich um das Firmenerbe seines verstorbenen Vaters zu kümmern, hat es dieser lieber ordentlich krachen lassen. Damit soll jetzt endlich Schluss sein, so zumindest will es Buddys Boss. Eine neue Liebe könnte dabei helfen. Tatsächlich lernt Eddie wie durch Zufall die alleinerziehende Lisa (Mina Tander) kennen. Auch wenn der Start ihrer Beziehung nicht optimal verläuft, scheint es zwischen beiden gefunkt zu haben. Sogar mit Lisas Sohn Sammy (Jann-Piet Puddu) versteht sich Eddie auf Anhieb.

Viel klebriger Zuckerguss-Kitsch á la Hollywood

Auch wenn der Titel anderes suggeriert, so ist Bullys neuer Film doch weniger Buddy- als Liebeskomödie. Passend zur Weihnachtszeit dürfen die Gefühle hier Purzelbäume schlagen, wobei die Geschichte gerade im letzten Drittel arg dick aufträgt und mehrmals in eine recht erzwungene Rührseligkeit abdriftet. Dazu ist vieles mit klebrigem Zuckerguss-Kitsch á la Hollywood überzogen. Da passt es, wenn Bully behauptet, er habe bei Mina Tanders Lisa an die junge Meg Ryan oder Sandra Bullock denken müssen. Das glaubt man ihm sofort. Es ist einerseits so wunderbar normal und unprätentiös, wenn ein Regisseur sich ganz offen zur Traumfabrik bekennt und Hollywood zu seinem Vorbild erhebt. Auf der anderen Seite zeigt sich gerade im Vergleich mit dem „Original", dass das deutsche Remake eines Wohlfühlfilms mitunter etwas holprig und gut gemeint daherkommt.

Vielleicht hatte Bully auch Klassiker wie „Die Geister, die ich rief" im Hinterkopf, als er an der Story zu „Buddy" feilte. Eddies Wandlung vom sorglosen Lebemann zum liebevollen Papa und Frauenversteher verläuft jedenfalls derart überraschungsfrei, dass es fast schon wieder etwas überrascht. In schicken Bildern von Designer-Appartements und Candlelight-Dinnern spult der Film seine überschaubare Agenda ab, in der zum Glück immer genug Platz für kleine Frotzeleien und Albernheiten bleibt. Als fürsorglicher Sidekick geht das Meiste davon auf Bullys Kappe. Seine spontanen Gesangseinlagen von Schlager bis Soul sind wunderbare Schlenker auf einem ansonsten fest vorgezeichneten Weg zum Happy End. Für dieses fährt der Film dann noch einmal große und dennoch sehr sympathische Geschütze auf.

Alexander Fehling punktet mit natürlicher Attitüde

Seine Sache mehr als gut macht indes Hauptdarsteller Alexander Fehling. Schon in „Goethe!" - gemeint ist der letztjährige ohne „Fack ju" vorneweg - entwickelte er echtes Star-Charisma, von dem nun gleichfalls „Buddy" profitiert. Während man sich an Matthias Schweighöfer in romantischen Komödien allmählich satt gesehen hat, kann Fehling mit seiner unbekümmerten und natürlichen Attitüde punkten. Selbst ein Ego-Schwein wie Eddie ist bei ihm in guten Händen. Für Mina Tander gibt es hingegen kaum mehr zu tun, als im Laufe der Geschichte Lisas Graue-Maus-Image abzustreifen.

Unterfordert wird auch das Publikum. Ob Bully uns nicht mehr zutraut oder er absichtlich einen Film ohne jede Ecken und Kanten inszenieren wollte, bleibt sein Geheimnis. Zumindest verspricht die unschuldige, fast naive Gutmenschengeschichte nicht mehr als eine harmlose Massage für Herz und Seele. Im oftmals stressigen Feiertagstohuwabohu muss das jedoch nicht unbedingt ein Fehler sein.

 

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

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