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Premiere

"Faust" im Bauturm gefällt auch stark gekürzt

Von Jürgen Schön

Drei Stunden – so die allgemeine Einschätzung – dauert es mindestens, Goethes „Faust“ auf die Bühne zu bringen. Im Theater im Bauturm schafft man es in der Hälfte der Zeit. Doch ist das kein billiger Rekordversuch, hier will man den Klassiker auf das Wesentliche konzentrieren. Das ist mit Einschränkungen gelungen.

Auf etwas mehr als anderthalb Stunden hat Regisseur Jörg Fürst seinen „Faust, der Tragödie 1. Teil“ zusammengestrichen. Puristen seien vorweg getröstet: Das meiste, was in den Zitatenschatz des Volkes einging, entkam dem Rotstift. Kein aufwendiges Bühnenbild lenkt ab, Requisiten werden sparsam eingesetzt. Das gesamte Ensemble spielt konzentriert, die Regie erlaubt jedem seine fein nuancierte Individualität. Anfangs etwas statisch, nimmt die Inszenierung langsam Fahrt auf.

Christof Hemming spielt den Faust als gequälten, verzweifelten Menschen. Gefangen im Elfenbeinturm der Theorie und Wissenschaft, sucht er das, was er durch seine Erkenntnisgier verloren hat: das Menschliche, die Liebe. Und als er das gefunden hat, kommt er über Triebbefriedigung nicht hinaus und entzieht sich den Konsequenzen.

Bei seiner Suche alt geworden, muss er sich beeilen, sein Ziel zu finden. Entsprechend gehetzt ist seine Sprache. Doch Hemming schlabbert nicht, perfekt erhält er den Rhythmus der Knittelverse. Leuchtschriften und Lichteffekte lenken leider in einigen wenigen Szenen von dieser schönen Sprache ab.

Leider überträgt Fürst das Gehetztsein auch auf andere Protagonisten. Zumindest am Anfang ist diese Schnelligkeit bei Gretchen (Tina Amon Amonsen) fehl am Platz. Und in der schnellen Kompaktheit bleiben dem einige Zusammenhänge unverständlich, der seinen Faust nicht parat hat. Reichlich unvermittelt kommt etwa die Walpurgisnacht. Auch warum Gretchen (nach dem Kindsmord) im Gefängnis sitzt, sollte man besser wissen.

Mephisto - ein gerissener Banker?

Als Fausts Jugendausgabe erscheint sein Schüler Wagner (Maximilian Löwenstein, er gibt auch Valentin, den von Faust erstochenen Bruder Gretchens): wissbegierig, erfolgshungrig, ein bisschen glatt, lieber im Studierzimmer lebend als beim Osterspaziergang die Schönheit der Natur und damit des Lebens zu genießen. Gretchen ist das naive Mädchen, das von seinen Gefühlen übermannt wird, dann aller Hoffnungen beraubt, zur wahnsinnigen Kindsmörderin wird. Dann Marthe (Azize Flittner) als genasführte Vermittlerin, die mit Mephisto (Andreas Spaniol) einen lasziven Tanz auf die Bretter legt.

Der erscheint fast als gelassener Ruhepol. Jung und dynamisch macht er sich an Faust heran. Ein bisschen schmeichlerischer Schleim ist auch dabei, wenn er Faust seinen Teufelspakt vorschlägt und verspricht, alle Wünsche zu erfüllen. Vielleicht drehen gerissene Banker so ihren Kunden fragwürdige Zertifikate an.

Wer in der Schule von seinen Lehren mit dem „Faust“ gequält wurde – diese Inszenierung kann trotz einiger kritischen Momente seine angelernte Abneigung gegen den Klassiker überwinden.

„Faust“ – die nächsten Termine: 24. bis 26.9., 5. bis 8.10., 19. bis 22.10., jeweils 20 Uhr, Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42, www.theater-im-bauturm.de

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