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Film der Woche

Fair Game

Von Marcus Wessel

Doug Liman ("Die Bourne Identität") bleibt auch mit seiner neuen Arbeit "Fair Game" dem Milieu des Polit- und Spionagethrillers verbunden. Der auf wahren Ereignissen basierende Film schildert die Affäre um die vom Weißen Haus enttarnte CIA-Agentin Valerie Plame und manipulierte Beweise im Vorfeld des letzten Irak-Krieges. Überraschenderweise liegen die Qualitäten der Geschichte weniger im Politischen denn im Privaten.

Bildergalerie: "Fair Game"

Heute ist hinlänglich bekannt, dass die von der früheren US-Regierung vorgelegten, angeblichen Beweise in Bezug auf Saddam Husseins geheimes Atomprogramm und ein damit zusammenhängendes Geschäft über den Ankauf von Uran aus dem Niger allesamt gefälscht waren. Damals, vor acht Jahren, dienten sie der Bush-Administration jedoch als Legitimation für den von ihr lange geplanten Einmarsch in den Irak. Für den ehemaligen US-Botschafter und Afrika-Experten Joe Wilson (Sean Penn), der im Auftrag der Regierung das vermeintliche Uran-Geschäft untersuchte, ergibt sich aus der Täuschung der Öffentlichkeit eine fast schon staatsbürgerliche Pflicht zur Aufklärung. In einem Artikel für die "New York Times" schildert er die Fakten. Seine Richtigstellung, wonach es nie eine Uran-Lieferung aus dem Niger in den Irak gegeben habe, sorgt in Washington für hektische Betriebsamkeit.

An dieser Stelle geschieht etwas, das Joe nie für möglich gehalten hätte. Eine aus Regierungskreisen lancierte Indiskretion enttarnt seine Frau Valerie Plame (Naomi Watts) als hochrangige CIA-Agentin. Von einem Tag auf den anderen steht das Paar vor einem Scherbenhaufen. Valeries Karriere beim Geheimdienst ist schlagartig beendet, von den Medien müssen sich beide bohrende Fragen Gefallen lassen und schließlich droht ihre Ehe, an Joes unüberlegtem Vorstoß zu zerbrechen.

Doug Limans "Fair Game" beweist wieder einmal, dass die Realität die spannendsten und zugleich unglaublichsten Geschichten schreibt. Auch wenn man weiß, dass der von George W. Bush und seinen Vertrauten forcierte Irak-Krieg auf einer Lüge basierte, fällt es schwer, die beispiellose Schlammschlacht in diesem Fall so zu akzeptieren. Man will einfach nicht glauben, dass in einer selbst ernannten Vorzeige-Demokratie solch schmutzige Intrigen und Winkelzüge möglich sind. Und doch lässt sich die Geschichte von „Fair Game" nach Abschluss aller Ermittlungen und Untersuchungen kaum in Zweifel ziehen.

Liman drehte einen engagierten, im besten Sinn altmodischen Politthriller, dessen überzeugende Abrechnung mit der Ära Bush allerdings unter gewissen Abnutzungserscheinungen leidet. Vieles von dem, was uns der Film bei seinem Blick in die Schaltzentrale der Macht an Eindrücken gewährt, ist eher das Gegenteil einer echten Neuigkeit. Das schematische Weltbild der Neocons und ihrer einflussreichen Vordenker wie Karl Rove und Dick Cheney wurde in den vergangenen Jahren schon zu oft als Zielscheibe eines sicherlich gut gemeinten, liberalen Aufklärungsimpetus bemüht. Von diesem ist auch "Fair Game" beseelt.

Vor allem Sean Penn, der aus seiner persönlichen politischen Einstellung und seiner Abneigung gegen die Republikaner nie einen Hehl machte, darf in mehreren Monologen über staatsbürgerliche Pflichten, politische Ethik und Moral dozieren. Dabei scheint es, als mühe sich der Film an einem Gegner ab, der spätestens mit Obamas Einzug ins Weiße Haus längst das Feld geräumt hat.

Von diesen Schwächen einmal abgesehen, funktioniert die Story über weite Strecken als kluger und sachlicher Gegenentwurf zu Action-zentrierten Agententhrillern wie sie Hollywood bis heute hervorbringt (jüngstes Beispiel: "Salt"). Liman schildert, wie es den Mächtigen beinahe gelingt, nicht nur eine Familie zu zerstören sondern auch - unter Mithilfe bestimmter Medien - die Wahrheit nach den eigenen Vorgaben zurechtzubiegen. Interessanterweise hinterlässt "Fair Game" den stärksten Eindruck, wenn er sich ganz auf die Innensicht der Wilsons konzentriert. Auch dank einer großartigen, zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit changierenden Naomi Watts entwickelt sich der Politskandal fast unmerklich zu einem packenden Ehedrama. Mitansehen zu müssen, wie nur die besten Absichten zwei Menschen auseinander bringen können, ist eine ausgesprochen unbequeme Erfahrung.

 

Bildergalerie: "Fair Game"
Offizielle Homepage zum Film
"Fair Game" in den Kölner Kinos
Die besten Szenen aus "Fair Game" in unserem CineChannel

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

 

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