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Lindenberg, Maffay, BAP

Mega-Konzert erinnert an Nagelbomben-Anschlag

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Zehn Jahre nach dem Nagelbombenanschlag auf der Keupstraße will Köln ein Zeichen gegen Radikalisierung ins Land schicken: Pfingstmontag rocken Stars wie Udo Lindenberg, Peter Maffay und Wolfgang Niedecken gegen Rechts.

Der feige Nagelbomben-Anschlag in der Mülheimer Keupstraße - am 9. Juni jährt er sich zum zehnten Mal. Damals explodierte eine ferngezündeter Sprengsatz mit mindestens 800 Zimmermannsnägeln, der auf einem Fahrrad abgestellt worden war. 22 Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer.

Mit einem dreitägigen Kulturfest unter dem deutsch-türkischen Motto "Birlikte - Zusammenstehen" will das Multikulti-Veedel am Pfingstwochenende u. a. mit über 150 Veranstaltungen und fast 500 Künstlern auf 30 Bühnen an das Attentat erinnern. Höhepunkt der Feierlichkeiten: Eine Neuauflage von "Arsch huh" am 9. Juni (Pfingstmontag) auf dem Brachgelände an der Schanzenstraße.

Alte Haudegen gegen "hirntote Rechtsradikale"

Mit dabei  sein wird nicht nur die kölsche Musikszene, auch "alte Haudegen" wie Peter Maffay, Udo Lindenberg oder Wolfgang Niedecken sagten ihre Teilnahme an dem Mega-Konzert zu. Bis zu 75.000 Besucher werden erwartet - und die ganze Republik schaut hin. Nach einer Schweigeminute und einer Ansprache von Bundespräsident Joachim Gauck haben für mindestens sechs Stunden die Rocker das Wort.

Und die nehmen jetzt schon kein Blatt vor den Mund: "Wir müssen etwas unternehmen für unsere bunte Republik Deutschland und gegen diese hirntoten Rechtsradikalen", wetterte ein gewohnt lockerer Udo Lindenberg (67), der sich nach der Pressekonferenz stilsicher eine Zigarre ansteckte. "Diese Scheiße passiert in ganz Deutschland. Wir haben schon genug Trouble in der Welt, aber dieses Problem hier immer noch." Im Bezug auf die Anschläge warnte er: "Es hätte ja jeden von uns treffen können!"

Auch Peter Maffay (64) befand: "Ich bin froh, ein Teil dieser ganzen Bewegung zu sein, die sehr stark ist und ein Zeichen setzen wird - nicht nur in Köln sondern auch in anderen Teilen unserer Republik." Derzeit erlebe man Erosionen in der ganzen Welt, die alle auf den Begriff "Radikalisierung" zurückzuführen seien. Für seinen zehnjährigen Sohn wünscht sich Maffay: "Dass er in eine Gesellschaft hineinwächst, die frei ist von Rassenhass." Wolfgang Niedecken stimmte mit ein: "Diese Kundgebung ist eine große Chance, dieses Thema noch einmal ordentlich unter die Leute zu bringen." 

Staraufgebot von Film bis Comedy

Weitere Stars, die sich für das Open-Air-Event an der Schanzenstraße angemeldet haben: Schauspiel-Legende Hardy Krüger, Tom Buhrow (WDR-Intendant), Komikerin Carolin Kebekus, Kabarettist Wilfried Schmickler ("Mitternachtsspitzen") sowie echt Kölsche Stimmen wie die Bläck Fööss, Kasalla, Tommy Engel oder die Höhner.

Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr koeln.de: auch Drag-Queen Olivia Jones (zuletzt: "Dschungelcamp 2013") will unbedingt als Paradiesvogel für ein buntes Köln auflaufen. Und Stephan Brings verriet koeln.de vorab: "Brings ist natürlich gerne dabei. Und weil es um den Anschlag an der Keupstraße geht, haben wir unseren guten Freund Eko Fresh eingeladen, der ein türkischer Kölscher ist, um mit ihm an dem Tag was zusammen zu machen - und dat wird geil!"

Gesellschaftliche Aufarbeitung noch lange nicht abgeschlossen

Bei so viel Starrummel geriet die Täterfrage fast ein wenig in den Hintergrund. Viele der Anwohner in der Keupstraße fühlten sich in den ersten sieben Jahren nach dem Anschlag ein weiteres Mal zu Opfern gemacht, indem man sie wie potentielle Täter beäugte. Denn obwohl die Straße als Zentrum des türkischen Geschäftslebens bekannt war, schlossen die Ermittlungen früh einen rechtsextremen Hintergrund aus.

Stattdessen kursierten Gerüchte von Racheakten im Rotlichtmilieu bis zu einer Verstrickung der PKK. Dezember 2011 dann die Kehrtwende: Seither wird der Anschlag offiziell der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zugeordnet. Doch ist damit wirklich die größtmögliche Transparenz erreicht? 

Hierzu stern-Chefredakteur Dominik Wichmann gegenüber koeln.de: "Sagen wir es mal so: Die juristische, politische und gesellschaftliche Aufarbeitung des Ganzen ist insofern schwierig, weil zwei der Protagonisten der mutmaßlichen Täter tot sind, weil die dritte Angeklagte, Beate Zschäpe, schweigt." So gesehen sei es nicht einfach, auf der anderen Seite aber umso wichtiger, alles aufzuklären sowie politisch und gesellschaftlich Licht ins Dunkel zu bringen. Das ganze Thema NSU und Keupstraße sei mitnichten aufgearbeitet.

Die beiden rechtsextremen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt - die auch auf einem Überwachungsvideo des Musiksenders "VIVA" zur Tatzeit an der Keupstraße zu sehen sind - sollen mit zwei Schüssen in ihrem Wohnmobil bei Eisenach Selbstmord begangen haben. Das Wohnmobil ging in Flammen auf. Anwohner zweifeln seit Jahren an der Selbstmord-These, hörten keine Schüsse.

Mehr Infos unter: birlikte.info

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