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Film der Woche

Blutzbrüdaz

Bushido hat es – wenn auch ohne Erfolg – vorgemacht, nun zieht sein früherer Erzfeind und heutiger Rap-Buddy Sido nach. Der Berliner versucht sich an einem Kinofilm, der den rasanten Aufstieg zweier Kumpels in der Welt des Musikgeschäfts nachzeichnet. Um eines gleich vorweg zu sagen: In diesem „Battle“ hat der zum Vorzeigespießer gewandelte Ex-Maskenmann die Nase klar vorne.

Von Marcus Wessel 

Was Bushido kann, kann Sido schon lange. Noch bevor die beiden erfolgreichsten Hip-Hopper der Republik medienwirksam ihren jahrelangen (inszenierten?) Streit für beendet erklärten und ein gemeinsames Album aufnahmen, drehte Sido seinen ersten Kinofilm. Die Handlung lag dabei auf der Hand. Natürlich geht es in „Blutzbrüdaz“ um Musik, um Hip-Hop, das böse, weil geldgeile Musikgeschäft und eine echte Männerfreundschaft, die mit dem plötzlichen Erfolg auf eine harte Probe gestellt wird. Es ist der Stoff, aus dem für gewöhnlich die Filme mit singenden Schauspielern und schauspielernden Musikern gemacht sind. Dabei bleibt der Star bei dem, was er kann.

"Blutzbrüdaz" in den Kölner Kinos

Bei Sido ist das der Deutsch-Rap, und auch wenn der Berliner hier ausführlich seine Fertigkeiten am Mic demonstrieren darf, sind seine schauspielerischen Fähigkeiten ebenfalls gefragt. Anders als Neu-und-Wieder-Kumpel Bushido, der mit seinem von Bernd Eichinger produzierten Kinoprojekt „Zeiten ändern dich“ beim Publikum gnadenlos durchgefallen war – die Filmkritik vergoss über das trashige Machwerk gleich kübelweise Spott und Häme –, macht Sido aber auch als Darsteller eine gar nicht mal schlechte Figur. Dabei hilft sicherlich, dass er sich für die Rolle in seinem gewohnten Umfeld bewegen konnte. Er stellt letztlich sich selber dar, was er so ähnlich vielleicht erlebt hat und was ihm ohnehin schon vertraut war. Wie das Beispiel Bushido allerdings zeigt, garantiert allein die Nähe zwischen Darsteller und Rolle noch lange kein überzeugendes Schauspiel.

Bildergalerie

Die Geschichte selber spielt im Jahr 2000. Zu jener Zeit, als die Techno- und Dancefloor-Ära allmählich zu Ende ging und der Gangster-Rap als neue Jugendbewegung seinen Siegeszug antrat, infiltrierten die ersten Bravo-Poster von Bushido, Sido und Kollegen die Kinderzimmer der Republik. Die Teenies hatten auf einmal neue Idole und ihre Eltern ein neues Feindbild. Otis (Sido) und Eddy (B-Tight) sind nicht nur beste Kumpels, beide träumen auch von einer Rap-Karriere und davon mit ihrer Hip-Hop-Leidenschaft eines Tages richtig viel Geld verdienen zu können. Erst im Untergrund, später dann bei einer großen Plattenfirma nehmen sie ihre Songs auf, wobei der Ärger nicht lange auf sich warten lässt. Als die Plattenfirma nur Eddy zum Star aufbauen will, kommt es zwischen den einst besten Freunden zum Bruch. Otis versucht, auf eigene Faust und ohne Eddy seine Musikkarriere noch einmal neu zu starten.

Die besten Szenen aus "Blutzbrüdaz" in unserem CineChannel 

Nichts von dem, was „Blutzbrüdaz“ zu erzählen hat, ist wirklich neu oder geschieht unerwartet. Bis zum Abspann folgt der Film im Gegenteil geradezu sklavisch den Gesetzen üblicher Aufsteiger-Geschichten, deren Protagonisten früher oder später stets mit den Schattenseiten ihres Erfolgs konfrontiert werden. Da es sich in diesem Fall um eine Komödie handelt, bleiben uns glücklicherweise falsche Rührseligkeiten und Sentimentalitäten erspart. Sidos bisweilen durchaus selbstironischer Auftritt ist mehr schelmische Parodie als der Versuch, ernsthaftes Ghetto-Kino zu inszenieren. Bereits seine dummbratzige (blonde) Filmfreundin kann eigentlich nur als Gag der Drehbuchautoren verstanden werden. Frauenfeindlich ist es noch dazu.

Klischees, wohin man blickt. Berlin ist natürlich entweder unendlich verranzt oder ein steriler Designer-Traum. Ein gesundes Mittelmaß scheint es nicht zu geben. Warum Regisseur Özgur Yildirim, der mit seinem Debüt „Chiko“ vor drei Jahren für Furore sorgte, unbedingt ein Sido-Werbevideo drehen musste, wird auch nach Filmende nicht wirklich deutlich. Immerhin hatten alle Beteiligten augenscheinlich eine gute Zeit. Als Zuschauer, der dem Phänomen Sido bislang eher neutral gegenüber stand, wünscht man sich, sie hätten einen intelligenteren und kantigeren Film gedreht. So bleibt es bei einem überlangen Rap-Clip mit gelegentlichen Comedy-Einlagen auf Mario-Barth-Niveau und einem Weltrekord in der Wiederholung des Wortes „Alter“.

"Blutzbrüdaz" in den Kölner Kinos
Die offizielle Homepage zum Film

Die besten Szenen aus "Blutzbrüdaz" in unserem CineChannel
Bildergalerie: Die besten Szenen aus "Blutzbrüdaz"

 

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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