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Film der Woche

Barbara

Von Marcus Wessel

In Christian Petzolds meisterhaftem DDR-Drama „Barbara“, das erst kürzlich bei den Filmfestspielen in Berlin mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde, muss sich eine couragierte Ärztin zwischen zwei Männern und damit auch zwei Leben entscheiden. Aus diesem sich langsam anbahnenden Konflikt entwickelt der Film seine besondere Spannung und Dynamik – subtil, sorgsam beobachtet und mit einer herausragenden Nina Hoss.

Filmisch wurde die DDR-Geschichte eigentlich zu Genüge aufgearbeitet, könnte man meinen. Mal nostalgisch verklärt wie in „Goodbye Lenin!“ oder als Thriller-Kammerspiel wie im Oscarerfolg „Das Leben der Anderen“. Jene Filme über die letzte deutsche Diktatur waren so unterschiedlich wie die Menschen, die in ihr lebten. Und doch scheint vieles nicht erzählt. Das wird klar, wenn man erst einmal Christian Petzolds Berlinale-Erfolg „Barbara“ gesehen hat. Diesem ruhigen und gerade deshalb so bemerkenswerten Film gelingt ein neuer, angenehm klischeefreier Blick auf das Leben in der DDR.

Die Geschichte spielt im Sommer des Jahres 1980. Das Datum ist nicht zufällig gewählt. Es signalisiert uns, dass die Wende noch auf sich warten lässt und Menschen wie die couragierte Ärztin Barbara (Nina Hoss) nicht auf den plötzlichen Umsturz des Systems hoffen können. Nachdem sie einen Ausreiseantrag stellte, wird sie von der Berliner Charité in ein Provinzkrankenhaus strafversetzt. Ihre neuen Kollegen wissen um ihre Geschichte, was die Arbeit zunächst nicht angenehmer macht. Sie ist die aus der Hauptstadt und gilt damit vielen als arrogant. Immerhin zeigt sich Barbaras neuer Chef Andre (Ronald Zehrsfeld) durchaus aufgeschlossen. Er versucht, sie in das Team zu integrieren. Doch Barbara bleibt misstrauisch. Arbeitet Andre am Ende womöglich auch für die verhasste Staatssicherheit?

Bildergalerie: Barbara

Ständig scheinen diese und andere Fragen über allem, was Barbara tut, erlebt, denkt und fühlt zu schweben. Es ist eine seltsame Stimmung, die Chrisian Petzolds Film auszeichnet und die ihn so wirkungsvoll macht. Die Situation spitzt sich zu, als Barbara ihre eigene Flucht plant. Ihr Geliebter aus dem Westen hilft ihr dabei. Gleichzeitig beginnt sich die Distanz zu Andre langsam aufzulösen. Doch die Angst vor einem möglichen Verrat lässt Barbara lange zweifeln, ob sie diese Nähe auch wirklich zulassen soll.

In der Vorbereitung auf den Film, so gibt Petzold an, habe er sich mehrmals unter anderem den Howard-Hawks-Klassiker „To have and have not“ angeschaut. In der Tat spielen beide Geschichten auf eine jeweils andere Art mit dem Gefühl des Misstrauens, das sich zwischen zwei Liebende stellt. Wie seinerzeit Humphrey Bogart und Lauren Bacall in ihren Rollen so müssen auch Barbara und Andre eine eigene Sprache, eine neue Form der Kommunikation finden. Die Verhältnisse in der der DDR hätten Menschen hervorgebracht, die anders küssen, sprechen, blicken, so Petzold. Dieses Andere ist hier allgegenwärtig. Es funktioniert als Spannungs- und Taktgeber bei allem, was Barbara macht, sagt und denkt.

Die besten Szenen aus "Barbara" in unserem CineChannel
Die offizielle Homepage zum Film

Petzolds „Stammschauspielerin“ Nina Hoss ist auch in dieser schwierigen Rolle sensationell. Gerade weil die Dialoge lange Zeit eher spärlich ausfallen, weil vieles codiert und später dechiffriert werden muss, kommt dem Unausgesprochenen hier eine besondere Bedeutung zu. Hoss’ Blick sagt dabei mehr als man mit Worten jemals ausdrücken könnte. Wie ein Magnet zieht sie den Zuschauern in Barbaras Geschichte.

Indem der Film in der Provinz spielt, umgeht Petzold recht elegant bestimmte Klischeebilder der DDR. Keine grauen Behördengänge, keine Gefängnisaufnahmen, kein Politbüro-Kitsch. All das scheint wie die Hauptstadt des selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaates weit weg. Gleichzeitig bleibt der perfide Apparat der Überwachung und Unterdrückung in Barbaras Alltag erschreckend präsent. So erlebt sie immer wieder willkürliche Durchsuchungen ihrer Wohnung, Denunziantentum der Nachbarn und Patienten, die von der Stasi abtransportiert werden. Im Mikrokosmos des Krankenhauses treffen sich nicht nur Andre und Barbara, es ist überdies der Ort, an dem Ärzte dazu aufgefordert waren, ihre Staatstreue zu beweisen und zugleich ihrem hippokratischem Eid Folge zu leisten. Eine junge Patientin, die zu Barbara schnell Vertrauen fasst, wird so zur tragischen Figur.

Petzold ist einer der besten Regisseure, die wir in Deutschland derzeit haben. Seine Haltung und Arbeitsweise unterscheidet sich grundlegend von der anderer Filmemacher wie Florian Henckel von Donnersmarck. Bei Petzold kommt es auf die Zwischentöne an, auf das, was sich nicht sofort erschließt. Statt alte Bilder zu reproduzieren, entwirft er lieber neue. In „Barbara“ sind es die Eindrücke einer ländlichen Idylle, welche so gar nicht zum Seelenleben und zu den Ängsten seiner Hauptfigur passen wollen. Dieser Widerspruch irritiert und wirkt zugleich bedrohlich. Schließlich nimmt mit jeder Minute, die sich Petzolds Film auf sein Finale hinbewegt, die Anspannung zu. In Barbara, Andre und in uns.

Die besten Szenen aus "Barbara" in unserem CineChannel
Bildergalerie: Barbara

Die offizielle Homepage zum Film

 

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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