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Fedcon-Interview

Bai Ling: "Ich mag meine Nippel"

Bai Ling ist ein Naturphänomen: Energiegeladen wie ein Teenie, geht die faltenfreie Chinesin in Wahrheit hart auf die 50 zu. Ihre Skandälchen produziert sie diszipliniert - und wer hinter ihre schillernden Fassade blicken darf, trifft auf eine Inspirierte mit einer Mission. Wir sprachen mit ihr auf der FedCon 2015.

Von Christoph Hardt

Miss Ling, im zarten Alter von 14 Jahren wurden sie schon für die chinesischen Armee rekrutiert, genauer: für eine Armee-Theatergruppe - was verbirgt sich dahinter?

Bai Ling: Das war eine Showgruppe aus Performance-Künstlern, deren Aufgabe darin bestand, Soldaten aus ganz Tibet bei Laune zu halten. Wir sangen, führten Tänze auf - Musiktheater von Station zu Station. Damals war der Dalai Lama schon weg, im Exil. Und so bin ich nicht vor ihm aufgetreten. Aber: Lange danach habe Ich ihn doch einmal getroffen.

Welches ist Ihre beeindruckendste Erinnerung aus Ihrer Zeit in Tibet?

Bai Ling: Da war die Mühsal, wie man sie als Soldat in der Armee hatte: In der Früh um fünf mussten wir schon raus: Training. Und das bei dem geringen Sauerstoffgehalt in den Hochgebieten. Ich war gerade einmal 14 Jahre alt und nicht allzu glücklich über das frühe Workout hoch in den Bergen. Doch dann erblickte ich sie: Die Sterne und den Mond... ich konnte auf sie herabschauen! Sie schienen sich hier oben regelrecht unter mir zu befinden, auf Höhe des Horizontes. Mich umfasste ein Gefühl, als stünde ich auf der Spitze der Welt. Doch noch etwas anderes fühlte ich: Es war, als wenn der Mond und die Sterne einen Herzschlag hätten. Sie waren lebendig. Die Natur war so ungeheuer groß und prächtig, und wir Menschen mit unseren Wünschen darin.

Mit dem Düsterstreifen "The Crow" kam für Sie 1994 der Durchbruch - wenn Sie heute zurück an Brandon Lee denken, wie war es damals?

Bai Ling: Ich erinnere mich gut an ihn, saßen wir doch jeden Tag nebeneinander in der Maske, über Stunden. Er brachte mir das Videospielen bei, nicht gerade eine meiner Stärken. Einmal fragte er mich: "Du bist Chinesin, nicht wahr?" Ich: "Ja." Und Brandon daraufhin: "Ich bin nämlich auch Chinese." Das wollte ich nicht glauben: "Du siehst so weiß aus." Er erklärte, sein Vater sei Chinese. Und ich hakte nach: "Wie heißt denn Dein Vater?" Er: "Bruce Lee." "Noch nie gehört." Daraufhin war er ziemlich baff. Also rief ich schlechten Gewissens eine Freundin in New York an: "Sag mal, kennst Du einen Bruce Lee?" Und sie klärte mich auf: "Bruce Lee" war nämlich die englische Übersetzung von "Lǐ Xiǎolóng", wie er in China hieß. Den Namen hatte ich auch schon zigfach gehört, nur "Bruce Lee" sagte mir eben nichts, mein Englisch war damals aber auch noch nicht so gut. Als ich Brandon am nächsten Tag dann erklärte, dass ich seinen Vater natürlich doch kannte - da war er ganz stolz.

Elfen, Orks und Zwerge - So war die HobbitCon 2015:

Dann war da dieser Moment, als die schlimme Nachricht kam...

Bai Ling: Wir waren alle schon im Hotel. Brandon hatte noch einen Dreh mit einem anderen Typen. Als es dann hieß: Brandon ist tot... ich konnte es einfach nicht glauben. Als wir dann Monate später zum ersten Mal den fertigen Film auf der großen Leinwand sahen... da hatte ich wieder das Gefühl, Brandon sei nicht tot. Als stünde er bei uns im Raum, nur eben in einer anderen Form - und würde uns beobachten. Ich fühlte: Es gibt keine Tod.

So ähnlich wie bei den "lebendigen" Sternen über Tibet?

Bai Ling: Ja, alles ist mit allem verbunden. Diese Magie ist es, weshalb ich Film so sehr liebe: Er kann Raum und Zeit einfrieren. Ganz egal, wo jemand auch sein und was ihm zugestoßen sein mag, der Moment im Film wird immer exakt derselbe sein. 

Was war für Sie die markanteste Textstelle, die Sie je vor einer Kamera gesprochen haben?

Bai Ling: Es gibt da eine Line bei "The Crow", für die ich sehr bekannt bin: "I love her eyes. Pretty!" (Anm. d. Redaktion: In dieser Szene lehnt sich Myca mit einem Messer über eine schlafende Prostituierte, um ihr die Augen herauszuschneiden). Als ich in den Staaten war, mein Englisch noch nicht so gut, sagte mir jemand: "I love your eyes." Ich war außer mir: Was fällt diesem Amerikaner ein? Hatte ich doch verstanden: "I love your ass." Eyes, Ass - alles eine Frage der Betonung. Einen hab ich noch: Bei "Crank 2" sollte ich in einer Szene zu Frank sagen: "You're my shiny lunch box." Daraus machte ich dann einfach: "You're my shiny diaper." Ist das mal verrückt? Comedy. Meine Rolle war aber auch die einer Verrückten.

"Assassin's Game" (2015) - Bai Lings nächste Killer-Rolle

Als Star-Wars-Fan schmerzte es mich ungemein, zu hören, dass George Lucas Ihre Szenen aus Episode III herausgekürzt hatte. Sie hatten Ihre eigene Theorie, warum das geschehen war?

Bai Ling: Ganz sicher bin ich nicht. Und die exakteste Antwort hat wohl George Lucas selbst. Aber ich erschien damals auf dem Cover des US-Playboys - "Star Wars" hingegen ist eher kinder- und familienfreundlich ausgerichtet. Und dann wurde damals, 2005, plötzlich beides gleichzeitig promoted: Star Wars und die Playboy-Ausgabe - wirklich genau zur selben Zeit... Das ging dann durch die Presse. Ich persönlich bin sehr dankbar, mit Kultur-Ikonen George Lucas und Hugh Hefner gearbeitet haben zu dürfen. Etwas Größeres kann einem in dem Bereich nicht passieren.

Nacktheit und Star Wars - das war ein Problem?

Bai Ling: Offen gestanden fühle ich mich in meiner Haut sehr wohl. Ich mag meine Nippel. Als erste asiatische Frau auf dem Cover des US-Playboy kann ich sagen: Unsere nackten Körper sind sehr rein und schön, es ist unser Bewusstsein, das die Dinge verdreht, verschmutzt von gesellschaftlichen Regeln. Für ein Neugeborenes ist die Brust der Mutter eine der ersten Berührungen. Und für die Männer ist es einfach eine Freude, Brüste anzufassen. Die Nacktheit einer Frau ist doch etwas, dass man verehren sollte, nicht bestrafen.

Ihnen eilt ein Ruf voraus für provokative Auftritte sowohl auf der Leinwand als auch auf öffentlichen Veranstaltungen. War das Ihre Art, mit dieser frühen Lebenserfahrung der Disziplin und strengen Gesellschaftsregeln umzugehen? Daraus auszubrechen? 

Bai Ling: Ich hatte das Gefühl, als hätte mir jemand meine Flügel abgetrennt und mich in einen Käfig gesteckt. Ich bin jemand, der den Menschen das Licht zeigen will, die wahre Macht und Magie, mit welcher die Natur sich mir gegenüber offenbart hat. Ich will den Menschen sagen: "I have been to the force." Wie in Star Wars. Da-da-da-da! *summt das Star Wars-Theme*

Was glauben Sie, würden Besucher aus fremden Galaxien über uns denken, wenn Sie uns sehen könnten?

Bai Ling: Ich fliege sehr oft. Wenn ich dann auf die Erde herabblicke: Wie Ameisen wuseln die Menschen herum - "tryin' to find their chance", Besitztümer... Dann denke ich: Aliens würden wohl eher Menschen wie mich mögen. Sie würden sich denken: "Von ihrer Sorte sollte es mehr geben, weil sie den Augenblick des Lebens genießt anstatt einfach nur allen anderen hinterherzulaufen..." Manchmal habe ich das Gefühl, ich könne Werkzeug höherer Mächte sein, um den Geist der Menschheit dahingehend zu wandeln!

Der erste Satz, den Sie auf Deutsch gelernt haben?

Bai Ling: "Ich liebe Dich!"

Herzlichen Dank für das Interview!

Bai Ling: Dankeschön.

(Fotos: Hardt)

Die nächste Gelegenheit, Stars aus Fantasy-Titeln wie "Game of Thrones" oder "The Walking Dead" aus nächter Nähe zu sehen, bietet sich vom 6. bis 8. November 2015: Dann steigt in Bonn die diesjährige RingCon

Mehr zum Thema: So ticken die Game-of-Thrones-Geschwister

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