Neue Ausstellung im Museum Ludwig
"Vor dem Gesetz" fragt nach dem Leben
Was braucht der Mensch, um ein menschenwürdiges Leben zu führen? Und kann die Kunst bei der Beantwortung dieser Frage helfen? Darum geht es bei der Ausstellung „Vor dem Gesetz“, die am Freitagabend im Museum Ludwig eröffnet wird. Ein sperriges Thema – doch hier überraschend locker und trotzdem ernsthaft am Beispiel von Skulpturen und Rauminstallationen präsentiert.„Nation building“ ist das Schlagwort, mit dem heutzutage Kriege begründet werden. Das war beim Einmarsch in den Irak so und bei Afghanistan. Gemeint ist damit der Aufbau von Institutionen, die aus einer zerstrittenen Nation wieder eine gemeinsame Gesellschaft, einen Staat werden lässt. „Building a Nation“ heißt die Installation von Jimmie Durham, mit der die Ausstellung „Vor dem Gesetz“ eröffnet wird.
Ein wildes Gewirr aus Autoteilen, Spiegeln, Benzintonnen, Holzstücken, Spiegeln, Bodenbelägen. Und vielen Texten. „Der einzige gute Indianer den ich sah, war ein toter Indianer“, wird da etwa US-General Philipp Sheridan zitiert, der nach dem amerikanischen Bürgerkrieg auch so handelte. Es geht also die mit Gewalt verbundene Entstehung der USA. Parallelen zum Tagesgeschehen mag jeder Betrachter selber ziehen.
Wie sich Nationen heute erhalten, zeigt – ebenfalls überaus eindrucksvoll – die Arbeit „Die Exklusive – zur Politik des ausgeschlossenen Vierten, 2002-2011“ von Andreas Siekmann: Seine Bilder illustrieren den oft tödlichen Abwehrkampf der USA und der Europäischen Union gegen „illegale“ Einwanderer, die andererseits als Schwarzarbeiter etwa in Tomatenplantagen ausgebeutet werden, um billiges Gemüse produzieren zu können.
Die Ausstellung greift dieses Verständnis von Gesetz als „Raum“ auf. Dabei ist zum einen das Museum der Raum, der mit der ausgestellten Kunst erobert werden will, und als der Ort, wo gesehen wird. Dieses Sehen versteht König auch als Erforschen der Zwischentöne, die Einteilung in Gut und Böse ist ihm zu einfach. Dabei hätte das Museum mehr Möglichkeiten – hätte es weniger Bürokratie, mehr Geld und mehr Mut. Leicht resignative Worte am Ende seiner Amtszeit.
„Vor dem Gesetz“ präsentiert die Kunst überaus großzügig: Jeder der 28 Künstlerinnen und Künstler hat einen eigenen Raum. Vorgestellt werden figurative Skulpturen der letzten 60 Jahre, das reicht von so bekannten Namen wie Bruce Nauman, Joseph Beuys und Gerhard Marcks über Alberto Giacometti und Candida Höfer bis Henry Moore, Marino Marini und Ulrich Rückriem, Lehmbruck wird großzügig dazugezählt. Aber auch unbekanntere sind zu entdecken: Paul Chan etwa, Monica Bonvicini oder Phyllida Barlow.
In ihren Arbeiten spiegeln sich unterschiedliche Menschenbilder wider. So zeigen Plastiken der Nachkriegszeit oft den geschundenen, verletzten Menschen, der den direkten Blickkontakt mit dem Betrachter meidet. Jüngere Arbeiten zeigen Zerrissenheit des Menschen wider, das Leben in komplexen Zusammenhängen, was sich oft im Gebrauch unterschiedlichster Materialien widerspiegelt. Oft sind sie auch mit einer direkten politischen Aussage verbunden. Themen sind Sexualität ebenso wie Krieg, Macht und Konsum.
Für den Besucher ist „Vor dem Gesetz“ eine spannende Reise durch existenzielle Fragen des Menschseins. (js)
„Vor dem Gesetz“ – bis 22.4.2012,Museum Ludwig Di- So 10-18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr, Eintritt 10/7 Euro, Katalog 24,90 Euro
(Erstellt am 15. Dezember 2011 - 17:01 Uhr; aktualisiert 16. Dezember 2011 - 11:10 Uhr)
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