Grafiken von Dürer und Mantegna
Ausstellung im Wallraf: Dem Pathos der Kunst auf der Spur
Kunst war sein Leben. Und so verzichtete er sogar auf das Recht des Erstgeborenen, Chef der väterlichen Bank zu werden. Stattdessen erbat Aby Warburg (1866-1929) von seinen Brüder ausreichend Geld, um alle Bücher kaufen zu können, die er wollte. Seine 60.000-Bände-Bibliothek wurde später vor den Nazis ins Londoner Exil gerettet. Die Kammerausstellung „Entfesselte Antike“ im Wallraf-Richartz-Museum erinnert jetzt an einen Vortrag, mit dem Warburg 1905 die Kunstgeschichte aufmischte.
Eine durchgehende Formensprache? Das gefiel den deutschen Kunsthistorikern damals gar nicht. Zumal sie der Meinung waren, dass insbesondere die antiken Skulpturen das Ideal menschlicher Größe zeigten, dem konkreten Leid, Schmerz oder gar dionysischer Freude entrückt. Und erst recht missfiel ihnen, dass der „deutsche“ Dürer italienische Vorbilder hatte. „Die Italienreise tat ihm nicht gut“, so ihr Urteil. Am Ende aber setzte sich Warburgs Kunstinterpretation durch.
Kölner Karneval öffnete Warburg die Augen
Die Kölner Ausstellung mit ihren 14 Grafiken vor allem von Dürer und Mantegna sowie Fotos aus Warburgs Arbeitszimmer ist eine Übernahme von der Kunsthalle Hamburg. Die hatte schon – heute undenkbar – seinerzeit Warburg die Kunstwerke zur Illustration seines Vortrags überlassen.
Und warum wird sie in Köln gezeigt? Abraham Moritz Warburg hatte in Bonn Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie studiert. Dabei besuchte er auch das Wallraf-Richartz-Museum, vor allem aber lernte er den Kölner Karneval kennen und schätzen. Das, erklärt Thomas Ketelsen, Leiter des Graphischen Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums, öffnete ihm wohl die Augen für das dionysische Vergnügen, das sich auch in der antiken Kunst wiederfindet. „Beim Fest geht die Kunst ins Leben über“, schrieb Warburg später. (js)
„Die entfesselte Antike – Aby Warburg und die Geburt der Pathosformel“ – bis 28.5., Wallraf-Richartz-Museum, Obermarspforte, Di-Fr 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr (außer an Feiertagen), Sa und So 11 bis 18 Uhr, Katalog 19,50 Euro
(Erstellt am 1. März 2012 - 15:48 Uhr; aktualisiert 1. März 2012 - 16:00 Uhr)
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Kommentare
Kunst?! sowat tu isch mir
Kunst?! sowat tu isch mir nisch an so ein schrott ähh





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