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"Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz"

Ausstellung: Die Mär vom antifaschistischen Narren

Von Jürgen Schön

Köln (dapd-nrw). Noch Jahrzehnte nach 1945 feierte sich der Kölner Karneval als Hort des antifaschistischen Widerstands. Als wichtigstes Beispiel galt die "Narrenrevolte" 1935, nach der die Karnevalsgesellschaften den Karneval wieder in eigener Regie organisieren konnten. Die neue Ausstellung "Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz - Karneval zwischen Unterhaltung und Propaganda" im Kölner NS-Dokumentationszentrum räumt gründlich mit der Legende der aufständischen Narren auf.

In der Schau ausgestellt sind historische Fotos, Filmaufnahmen und Büttenreden, von denen viele bisher in Archiven lagerten. Museumsdirektor Werner Jung hält die Ausstellung für bundesweit "erst- und einmalig". Zwar habe es auch in anderen Karnevalshochburgen schon wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema gegeben, noch nie aber in dieser umfassenden Form - und schon gar nicht mit einer anschließenden öffentlichen Präsentation.

Grundlage der Ausstellung, die am Freitag (18. November) die Pforten fürs Publikum öffnet, sind Arbeiten des Historikers Markus Leifeld. Er konnte erstmals die Archive von drei großen Kölner Karnevalsgesellschaften und das des Festkomitees auswerten.

Ausländische Gäste sollten nicht verschreckt werden

Die Ausstellung zeigt, dass das Verhältnis zwischen Karnevalisten und Nazis durchaus kompliziert war. So wurde in den ersten zwei Jahren der Nazi-Diktatur versucht, den Karneval fest in den propagandistischen Griff zu bekommen. Der Rosenmontagszug wurde als reines Unterhaltungsangebot touristisch vermarktet, politische Themen herausgehalten. Auch Antisemitisches fehlte; ausländische Gäste sollten nicht verschreckt werden. Dabei kam jedoch keine Stimmung auf.

Es kam zur "Narrenrevolte" - und fortan trug der Festausschuss, geschickt mit Nazis durchsetzt, die rassistischen und antisemitischen Angriffe in eigener Regie vor. Denn inhaltlich stimmte er mit der Nazi- Bürokratie überein. Auf Mottozügen des Rosenmontagszugs wurde ebenso wie in Büttenreden die Emigration der Juden gefordert und gefeiert.

Nur vereinzelt gab es Widerstand

Auch "Judenkostüme" mit langer Hakennase und langem zottligem Bart waren beliebt. In den späten 1930er Jahren häufte sich dann der billige Spott über Frankreich, England und Russland: eine subtile Vorbereitung auf den Krieg.

Vereinzelt gab es tatsächlich Widerstand. Der Büttenredner Karl Küpper entzog sich seiner Verhaftung in die Truppenbetreuung. Die "Narrenzunft" weigerte sich, einen Rosenmontagszug mit dem Motto "Der moderne Diogenes" zu übernehmen. Er zeigte einen nach Palästina ausgewanderten Juden auf einem Kamel. Zur Strafe durfte sie nur als Fußgruppe mitmarschieren.

"Der Kölner Karneval war - wie der Karneval damals überall in Deutschland - Teil einer angepassten Gesellschaft", erläutert Museumsdirektor Jung. "Und in der Nachkriegszeit waren die Karnevalisten nicht zuletzt durch personelle Kontinuität ebenso wenig an einer Aufarbeitung ihrer Geschichte interessiert wie andere Bevölkerungskreise."

Das Festkomitee Kölner Karneval, das ebenfalls bislang unveröffentlichte Dokumente zu dieser Ausstellung beitrug, will einen Teil davon in sein Karnevalsmuseum übernehmen. Für das NS-
Dokumentationszentrum ist es die letzte Ausstellung vor längeren Umbauarbeiten. Sie wird von einem umfangreichen Begleitprogramm begleitet. Außerdem konnten die täglichen Öffnungszeiten um zwei Stunden verlängert werden.

„Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz - Karneval zwischen Unterhaltung und Propaganda" - bis 4. März 2012, NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln im EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 63 32, www.nsdok.de, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa, So und feiertags 11-18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr, Eintritt 4,20/1,80 Euro

 


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