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Film der Woche

Anna Karenina

Von Marcus Wessel

Ausgerechnet einen so bekannten Klassiker der Weltliteratur wie Leo Tolstois „Anna Karenina“ neu zu verfilmen, ist kein leichtes Unterfangen. „Abbitte“-Regisseur Joe Wright wagte es dennoch. Dabei vertraute er erneut seiner Lieblingsschauspielerin Keira Knightley und einem durchaus ungewöhnlichen filmischen Ansatz. 

Wer sich an einen literarischen Schatz wie „Anna Karenina“ wagt, der muss gewiss über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügen. Der britische Regisseur Joe Wright („Stolz und Vorurteil“, „Abbitte“) ließ sich nicht von einem großen Namen wie Leo Tolstoi abschrecken, als er die künstlerische Verantwortung für die filmische Umsetzung des 1000 Seiten starken Romans übernahm, zumal er bereits die nötige Erfahrung im Umgang mit Literaturklassikern und komplexen Liebesdramen mitbrachte. In jedem Fall gelingt es ihm, sich mit einer ungewöhnlichen, vor allem zu Beginn sehr verspielten Inszenierung von älteren Umsetzungen deutlich abzusetzen.

Anna Karenina in den Kölner Kinos

Wer Tolstois Einblick in die Welt des russischen Adels bislang nicht kannte, wird vermutlich zunächst überrascht sein, dass die Titelfigur die Leinwand keinesfalls für sich alleine beanspruchen kann. Tatsächlich steht Annas Liebestragödie nur für eine von drei Geschichten des insgesamt achtteiligen Romanepos. Neben der in einer schweren Krise befindlichen Ehe des Fürsten Oblonski (Matthew MacFayden) und seiner Frau Dolly (Kelly MacDonald) verwendeten Tolstoi und schließlich auch Wright viel Zeit auf die Schilderung einer jungen und gar nicht so unglücklichen Romanze. So wirbt der hoffnungslos verliebte Gutsbesitzer Lewin (Domhall Gleeson) mit Eifer und großer Ausdauer um die Hand von Dollys jüngerer Schwester Kitty (Alicia Vikander), die seinen ersten Heiratsantrag auf Anraten ihrer Mutter zuvor ausgeschlagen hatte. Kitty sollte schließlich ihrem Stand entsprechend einen russischen Kavallerieoffizier, den Grafen Wronskij (Aaron Taylor-Johnson), heiraten.

Bildergalerie: Anna Karenina

An dieser Stelle schließt sich die Kreis, verliebt sich der als Junggeselle überall bekannte Graf doch in die verheiratete Anna (Keira Knightley) und – was letztlich viel schlimmer ist – sie sich auch in ihn. Das Verhältnis lässt sich schon bald nicht mehr verheimlichen und wird zum alles beherrschenden Gesprächsthema in Adelskreisen. Vor allem für Annas Ehemann Karenin (Jude Law), einen allseits geachteten Staatsdiener, ist die Affäre nur schwer zu ertragen. Als Anna von Wronskij schwanger wird, eskaliert die Situation.

Mit seiner kraftvollen und genauen Schilderung der adeligen Liebesverwicklungen stieg Tolstois Roman Ende des 19. Jahrhunderts schnell zu einer literarischen Sensation auf. Bis heute gilt er als einer der Eckpfeiler russischer Literatur. Ob man über Joe Wrights Kinoadaption in einigen Jahren Ähnliches sagen wird, scheint fraglich. Dabei hat seine Interpretation zweifellos einige frische und unverbrauchte Ideen anzubieten. Im Unterschied zu vielen älteren Verfilmungen bauten Wright und sein Drehbuchautor Tom Stoppard den parallelen Handlungsstrang um Kittys und Lewins zaghafte Annährung deutlich aus. Vor allem im ersten Drittel wird ihnen überraschend viel Leinwandzeit eingeräumt. Dadurch erhält der Film im Vergleich zur letzten Kinoumsetzung aus dem Jahr 1997 mit Sean Bean und Sophie Marceau ein anderes Gewicht und einen anderen Charakter.

Die besten Szenen aus "Anna Karenina" im CineChannel

 

Der größte Unterschied liegt jedoch in Wrights Ansatz, die Geschichte als eine Art Bühnenstück in sich bisweilen manuell wechselnden Theaterkulissen zu erzählen. Manchmal ist sogar die Bühne, der Vorhang und das Publikum zu sehen. Letzteres folgt aufmerksam und gebannt der zweigeteilten Handlung, die immer wieder mit den unterschiedlichen Stilen von Theater und Kino spielt. Gerade in der ersten Stunde flechten Wright und Stoppard eine Vielzahl visueller Tricks in die Erzählung ein, die dadurch überraschend modern wirkt. Man fühlt sich gelegentlich an den Musical-haften Stil eines „Moulin Rouge“ erinnert, wobei in diesem Fall glücklicherweise auf die Gesangseinlagen verzichtet wurde. So muss Keira Knightleys zarte Stimme auch keine hohen Töne anstimmen. Meist bleibt es bei einem Schluchzen und leise In-sich-hinein-Weinen, was über die Dauer von gut zwei Stunden vom Zuschauer schon eine gewisse Gelassenheit verlangt.

Es fällt auf, dass Wright nur wenig dafür tut, um uns Annas Schicksal wirklich nachempfinden zu lassen. Stattdessen bleibt da immer eine gewisse Distanz, die Knightley durch ihr kühles, distinguiertes Spiel noch verstärkt. Mit Filmpartner Aaron Taylor-Johnson will sich so recht keine glaubhafte Intimität einstellen. Schon deshalb wirkt das Ende etwas zäh. Wenn sich Annas Depressionen ins Unermessliche steigern, sollte die Geschichte eigentlich auf ihren tragischen Höhepunkt zusteuern. Davon ist hier kaum etwas zu spüren. Mitten in der russischen Kälte schlägt in dieser Adaption vielmehr ein kaltes, viel zu abgeklärtes Herz.

Bildergalerie: Anna Karenina
Anna Karenina in den Kölner Kinos

Die offizielle Homepage zum Film

Die besten Szenen aus "Anna Karenina" im CineChannel

 

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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