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Film der Woche

All inclusive

Von Marcus Wessel

Wie sähen wohl Ingmar Bergmans zermürbende Beziehungsdramen aus, hätte dieser als deren Schauplatz eine paradiesische Insel im Südpazifik gewählt? Wenn es stimmt, dass sich das Wetter unmittelbar auf unser Wohlbefinden auswirkt, wäre hier vielleicht noch eine Ehe zu retten gewesen. Insofern erscheint es zunächst logisch, wenn in einem Film wie „All Inclusive" die Pärchen-Therapie von der muffigen Praxis kurzerhand in ein traumhaftes Südsee-Paradies verlegt wird.

Die besten Szenen aus "All inclusive" in unserem CineChannel

Im Luxus-Ressort „Eden" - hier ist der Name Programm - wollen Jason (Jason Bateman) und seine Frau Cynthia (Kristen Bell) ihre Beziehungskrise endlich mit professioneller Hilfe überwinden und ihre Ehe retten. Um den dortigen Aufenthalt überhaupt finanzieren zu können, gilt es jedoch als erstes einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn erst wenn noch drei andere Paare die Reise nach „Eden" antreten, winkt ein erschwinglicher Gruppentarif.

Auch wenn Dave (Vince Vaughn) und Ronnie (Malin Akerman) eigentlich die perfekte Ehe führen, lassen sie sich letztlich von der Aussicht auf eine erholsame Wellness-Woche ködern. Bei Joey (Jon Favreau) und Lucy (Kristin Davis) liegt die Sache hingegen etwas anders. Eifersucht und gegenseitige Vorwürfe haben ihre Liebe merklich abkühlen lassen. Sogar über eine Scheidung haben beide bereits ernsthaft nachgedacht.

Und dann wäre da noch Shane (Faizon Love), der glaubt, sich über das (vorläufige) Aus seiner Ehe mit einer gerade einmal 20-jährigen Partygöre hinwegtrösten zu können. Sie alle machen schon bald die Bekanntschaft des ebenso exzentrischen wie unbarmherzigen Ressort-Leiters Marcel (Jean Reno). Der kennt kein Pardon, wenn es um die Rettung einer kriselnden Beziehung geht. Selbst wer wie Dave und Ronnie glaubt, ihm fehle nichts zu seinem Glück, wird von ihm eines Besseren belehrt. Statt Wellness und Entspannung unter Palmen steht für alle Mitreisenden mühsame Beziehungsarbeit auf dem Stundenplan.

Mühsam wird es auch für uns Zuschauer. Allein schon die in sich nur bedingt glaubwürdige Konstruktion der Gruppenreise (Stichwort: Mengenrabatt) nimmt eine gefühlte Ewigkeit in Anspruch, wobei von Beginn an klar ist, dass letztlich alle zusammen in die Südsee fliegen werden. Erst einmal auf der vermeintlichen Trauminsel angekommen kann man sich zwar an dem unverschämt blauen, kristallklaren Meer und den weißen Sandstränden eine Weile satt sehen, über die gesamte Laufzeit trägt aber selbst ein solch makelloses Photoshop-Panorama nicht. Zumal immer mal wieder die Schauspieler - wer hätte das gedacht - den Blick auf die Schönheiten von Bora-Bora verstellen.

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Vince Vaughn und sein Kumpel Jon Favreau übernahmen nicht nur zwei der Hauptrollen, sie produzierten den Film auch und schrieben zusammen mit Dana Fox, die wohl die weibliche Perspektive miteinbrachte, das Drehbuch. Ihre gesamte Beziehungsrettungsaktion unter Palmen krankt an schludrigen, geradezu fahrlässig zahn- und humorlosen Dialogen. Nun ist Humor bekanntlich Geschmackssache, aber wenn schon ein verklemmt-albernes Yoga-Training mit einem vor Potenz strotzenden Waschbrett-Casanova zu den komödiantischen Highlights eines Films zählt, dann muss allerdings bei der Umsetzung einiges gewaltig schief gelaufen sein. Die wenigen Lachsalven gehen in den zähen, nicht enden wollenden Beziehungsdiskussionen sang- und klanglos unter.

Der Plot, der nach der Ankunft in „Eden" aus mehr oder weniger absurden Paar-Übungen und Therapiesitzungen besteht, offenbart die gesamte Ideenlosigkeit dieser überaus halbherzig erzählten Geschichte. Die offenkundige Fehlbesetzung Jean Renos als selbsternannter Pärchen-Guru stellt dabei noch eines der kleineren Übel dar.

Viel schlimmer wiegt die erschreckende Genügsamkeit des Skripts, das noch auf der Zielgeraden jede Konvention einer romantischen Komödie zu erfüllen sucht und darüber uns, den Zuschauer, glatt vergisst. Ohnehin drängt sich der Verdacht auf, dass Vaughn und Favreau in ihrem Film eher einen Vorwand für einen verlängerten Südsee-Urlaub sahen. Ein Besuch der Sonnenbank ist in jedem Fall ergiebiger als diese müde RomCom. Vor dem „Film der Woche" kann dieses Mal nur ausdrücklich gewarnt werden.

Komödie, USA 2009
Regie: Peter Billingsley
Darsteller:  Vince Vaughn, Jason Bateman, Kristin Davis
114 Min.
Ab 6 Jahren

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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