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Alternativer Karneval

30 Jahre Stunksitzung: Man kennt sich, man hasst sich

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Es gibt sie noch. Die letzte uneinnehmbare Trutzfeste wider das typisch kölsche Von-sich-selbst-besoffen-Sein. Wo man Ross und Reiter beim Namen nennt. Und Stimmungskanonen ihr Pulver schön gleichermaßen auf Kardinal, KVB und Klüngel verschießen: 30 Jahre Stunksitzung - 30 Jahre mit offenem Visier, kübelweise Pech und Schwefel und großen Würfen mit dem Fehdehandschuh.

Ritsch-ratsch, ritsch-ratsch! Im E-Werk werden wieder die großen Messer gewetzt, um gegen Kirche, Lokal- und Weltpolitik zu sticheln. 1984 in der Studiobühne als Satire auf Prunksitzungen gestartet, hat die bissige Show der "Stunker" längst Kultstatus erreicht. Das Leben ist auch einfach zu kurz, um sich selbst in die Tasche zu lügen. Denn das dicke Ende kommt gewiss.

Einfach mal den Ikarus fragen, der in der Südstadt am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium hängt. Oder den Nubbel der gegenüberliegenden Kneipe. Oder die zwei Kölner, die es in den angrenzenden Krater des ehemaligen Stadtarchives gerissen hat. Ob sich dafür eigentlich schon jemand entschuldigt hat? "Noooiiiin. Wir sind doch hier in Kölle!" klärt der Nubbel über einige ungeschriebene Gesetze auf. Hätte man für den U-Bahn-Bau mal lieber Ursula von-der-Leyens Haarspray genommen. "Dann wär schon nichts passiert."

Zum Jubiläum zeigte sich das Ensemble gewohnt schmerzfrei, wenn es darum ging, heiße Eisen anzupacken. Assad? Nächster Nobelpreis in Chemie. Mülheimer Brücke? Dann lieber als Schwein verkleidet über die Wildbrücken an der Wahner Heide. Verdächtige SMS aus der Keupstraße? Da müssen die Geheimdienste erstmal das Internet ausdrucken.

Moderiert von Biggi Wanninger und begleitet von der Hauskapelle Köbes Underground ging es gegen Merkelmania, die Verdammung des "Zigeunerschnitzels" und das Abrutschen in den Überwachungsstaat: "Die NSA will rausfinden, ob jemand eine Bombe bauen will. Amazon will dafür den Sprengstoff verkaufen."

Wo Wutbürger wieder schunkeln

Unter den wohlwollenden Blicken von Comedy-Stars wie Volker G. Schmitz ("Freitag Nacht News") und Kabarettist und Stunk-Gründungspräsident Jürgen Becker ("Mitternachtsspitzen") bewiesen die Geburtstagskinder, warum Political Correctness bei ihnen klein geschrieben wird, und Wutbürger wieder anfangen zu schunkeln: Die Bütt wird zur Schlangengrube, der "kölsche Drissverzäll" ist zu provinziell und frei von der Leber weg gibt es den verbalen Fingerzeig auf alles, was sonst das Jahr über die Pappnasen aufhatte.

Wieviel muss man einem Kölner zahlen, damit er ein Alt trinkt (Lösung: 30 Cent)? Ist die FDP wirklich noch unsozial, wenn sie Nulpen wir Dirk Niebel einen Arbeitsplatz gibt? Und ist bezahlter Wohnraum in Köln wirklich so selten wie erzbischöfliche Mottowagen beim CSD? Bis zum Ende des Abends wurden alle Klarheiten beseitigt.

Zum Abschied kräftig nachgetreten

Und auch einen schwermütigen Abschied galt es zu begehen: Der Ruhestand von Erzbischof Johann Kardinal Meisner. Einem der "verlässlichsten Gag-Lieferanten" über all die Jahre hinweg, der neben "Quartalsirren" wie Tebartz-van Elst als "Schwulenhasser" und "Synapsenpygmäe" mehr für die Kirchenaustritte getan habe als der gläubigste Atheist. Zum Aschied wurde mit einer eigenen Version des "Halleluja" noch einmal kräftig nachgetreten. 

"Wir machen uns echt keine Gedanken, was wir sagen. Wir sprechen aus, was wir denken", erklärte Christian Rzepka, seines Zeichens seit 26 Jahren Stunker, das Konzept der Show. Natürlich reibe man dabei Salz in die Wunden. "Aber das muss Kabarett ja." Meisner, rote Funken, Politiker - es sind "die da oben", die ihr Fett wegbekommen. Darin liegt schon die Perspektive offenbart: Denn die Stunksitzung begreift sich traditionell als Radau von unten. Als unverhüllte Alternative zum Vereinspopanz.

Nackte Tatsachen und Schniedelwutzen

Da war es dann auch kein Wunder, dass nach einem Pferd auf dem Flur und mächtig Stunk gegen die Drohnenkriege der "Friedenstaube mit Segelohren" Obama zum finalen Schlussakt noch einmal nackte Tatsachen auf die Bühne kamen. So richtig richtig nackte Tatsachen - als Erinnerung an den legendären Sauna-Sketch von 1990. Inklusive Schniedelwutzen. "Beim 25. Jubiläum wurden wir gefragt: Warum habt ihr euch das nicht getraut...", erzählte Rzepka. Diesmal wollte man sich diese "Blöße" dann gerne wieder geben.

Bis Karnevalsdienstag gibt es insgesamt 49 Vorstellungen - allesamt sind aber schon restlos ausverkauft, Karten gibt es höchstens noch über die Kartenbörse der Veranstaltungswebsite. Fans des gepflegten in-die-Pfanne-Hauens schauen am besten in die Röhre: Der WDR zeigt die diesjährige Stunksitzung am 27. Februar um 22:00 Uhr - ob dort aber wie in den letzten Jahren eine Nummer der Zensur zum Opfer fällt, ist noch nicht abzusehen.

Weitere Informationen unter: stunksitzung.de

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