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Film der Woche

00 Schneider - im Wendekreis der Eidechse

Von Marcus Wessel 

Für seinen neuen Kinoauftritt als „00 Schneider“ hat sich das Multitalent aus Mülheim an der Ruhr Zeit gelassen – doch wer warten konnte, wird nun belohnt. Helge ist sich und seinem so typischen, anarchischen Klamauk treu geblieben. Mit vielen Freunden und Bekannten inszenierte er eine hinreißende absurde Kriminalgeschichte, die nicht zuletzt durch ihr liebevolles 70er-Jahre-Dekor verzaubert.

Das Wichtigste zuerst: Helge Schneider ist ganz der Alte. Nach längerer Leinwandabstinenz und einer krankheitsbedingten Zwangspause macht die „singende Herrentorte“ genau dort weiter, wo man es von ihr erwarten durfte. Nonsens, verpackt in feinstem Trash und lustvollen Improvisationen, war stets das Markenzeichen von Helge Schneiders Filmen und Bühnenshows. Dazu zeigte der Altmeister des gepflegten Klamauks regelmäßig seine Künste als Jazz-Musiker. Beides zusammen ist nicht nur in der deutschen Comedyszene einmalig. Auch bei seinen Kinoauftritten – erst als „Doc Snyder“, später dann als „00 Schneider“ – blieb er dem Nonsens-Prinzip treu.

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„In Wendekreis der Eidechse“ verspricht bereits mit seinem Edgar-Wallace-Titel eine Fortsetzung der Schneider’schen Absurditäten. Und in der Tat löst Helges neuer Kinofilm alle Erwartungen ein. Als 00 Schneider jagt Helge darin einen gefährlichen Psychopathen (Rocko Schamoni), der seine Opfer mit grünem Schleim bespuckt und sie anschließend ausraubt. Mit dem gestohlenen Geld und einem ebenfalls erbeuteten Huhn plant die „Eidechse“ schließlich eine Eierfabrik zu eröffnen. Soweit verständlich oder?

Bildergalerie: 00 SchneiderNatürlich ist die Handlung – wenn man davon bei einem Helge-Schneider-Film überhaupt sprechen kann – absolute Nebensache und nicht mehr als ein Vorwand für teils herrlich groteske Situationen. Bereits die Eröffnungssequenz, in der Schneider als „Lonesome Cowboy“ und harter Ermittler zu Leonard-Cohen’schen Klängen im Testosteron-Überschuss die Leinwand betritt, ist Hommage und Parodie zugleich. In diesem Stil geht es weiter. Das Polizeihauptquartier wirkt wie ein kopiertes Relikt aus billigen Groschenromanen. Die Cops rauchen Kette und die Verbrecher sind allesamt finstere Gesellen, denen man ihre noch finsteren Pläne schon aus der Ferne ansieht. Ein rücksichtsloser Pograbscher darf hier jedenfalls keine Gnade erwarten. Und von 00 Schneiders Ermittlerqualitäten könnte selbst ein Jerry Cotton noch etwas lernen.

Um diese Story bauten Schneider und seine Co-Autorin und Stamm-Cutterin Andrea Schumacher die passende Spielwiese für das scheinbar nimmermüde Multitalent. Hier laufen Menschen im Affenkostüm durchs Bild, werden allzu aufdringliche Staubsaugervertreter mit Pancakes beworfen und Anschlussfehler liebevoll zelebriert. Einer der vielen Running Gags sind die abrupten Schauplatzwechsel. So pendelt der Film kommentarlos zwischen Schneiders Heimatstadt Mülheim an der Ruhr und einer ziemlich mediterran anmutenden Landschaft. So wie der Wahnsinn und der Ausbruch aus üblichen Erzählmustern bei Schneider Methode hat, so gehört das Wiedersehen mit langjährigen Weggefährten ganz einfach zur DNA eines jeden Helge-Films. Seien es die Bandkollegen Peter Thoms und Sergej „Meisenmann“ Gleithmann – ersterer mal wieder in Frauenkleidern unterwegs – oder Kult-Musiker Rocko Schamoni, die Atmosphäre ähnelt der eines Klassentreffens. Man ahnt, wie viel Spaß das Team während der Dreharbeiten gehabt haben muss.

Jeder Helge-Schneider-Film setzte sich bislang nicht nur aus reichlich Nonsens, „helge-esken“ Improvisationseinlagen und (bewusst) dilettantisch inszenierte Handlungsabfolgen zusammen, immer trug auch ein ganz eigener Stil zu dessen besonderem Charme bei. Schneiders Kommissar lebt wie auch die alten Figuren in einem vom Geist der siebziger und achtziger Jahre konservierten Paralleluniversum, wo in Cafés noch Telefone mit Wählscheibe zwecks Kontaktaufnahme zu finden waren. Wenn das modernste Ausstattungsstück ein Gameboy ist, erklärt das ohne viele Worte den komplett aus der Zeit gefallenen Look des Films. Was heute als Vintage gefeiert wird, stand bei Helge schon immer einfach so rum. Sein herrlich unaufgeregter Film tut unserem nicht selten aufgeregten Alltag einfach nur gut.

"00 Schneider - im Wendekreis der Eidechse" in den Kölner Kinos
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Bildergalerie: 00 Schneider - im Wendekreis der Eidechse
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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

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