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Ein Kinderarzt für 2000 Kinder

Ulla Schmidt diskutiert in Chorweiler über Ärztemangel

Chorweiler ist schon länger bekannt als einer von Kölns Problembezirken: In der ehemaligen Vorzeige-Trabantenstadt grassieren Arbeitslosigkeit und soziale Probleme. Offensichtlich Grund genug für viele Ärzte, hier ihre Zelte abzubrechen. Inzwischen zieht die Ärzteflucht Kreise bis in die Bundesregierung, ist ihre Gesundheitspolitik doch nicht ganz unschuldig an dem Dilemma.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ist am kommenden Freitag, dem 27. März ab 18.30 in den Großen Saal des Bürgerzentrums Chorweiler geladen, um dort Bürgern, Ärzten und der Lokalpolitik Rede und Antwort zu stehen. Diskussionsbedarf besteht, insbesondere auch die Frage, wie es möglich wäre, neue Ärzte nach Chorweiler zu holen.

Wie dringend neue Ärzte in Chorweiler benötigt werden, zeigt der inzwischen oft zitierte Fall des einsamen Kinderarztes Detlev Geiß: Seit Mitte letzten Jahres ist er der einzige praktizierende Kinderarzt im Veedel, was in einer kinderreichen Gegend wie Chorweiler rund 2.000 kleine Patienten bedeutet. Die Kollegen haben im Lauf der Zeit aus Altergründen aufgegeben oder einfach ihre Zelte abgebrochen, um in wohlhabenderen Gegenden zu praktizieren. Im Juni 2008 zog dann der Kollege in Seeberg nach Longerich um - seitdem ist Geiß der einzige Kinderarzt im Umkreis.

"Gerade in ländlichen und sozial schwachen Gebieten besteht natürlich grundsätzlich die Gefahr, dass Ärzte abwandern oder bestehende Praxen nicht von einem Nachfolger übernommen werden", so Karin Hamacher, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Kann es denn passieren, dass diese Stadtteile dann im Lauf der Zeit medizinisch verwaisen? "Wir sehen in letzter Zeit das Problem, dass Facharztulassungen immer öfter von medizinischen Zentren übernommen werden. Und die sind dann oft zentral, in der Nähe von Krankenhäusern oder in den Innenstädten."

Dieses Problem ist nach Ansicht vieler Ärzte hauptsächlich der Gesundheitspolitik der Bundesregierung geschuldet. Die Ärzte fühlen sich gegängelt, die aus Sicht der Fachärzte oft knapp bemessenen Honorare für Kassenpatienten machen das Praktizieren in Gegenden mit wenigen Privatpatienten unrentabel. So kommt es, dass zwar Zulassungen, nicht aber die Sitze übernommen werden und sich Fachärzte zu Gemeinschaftspraxen zusammenschließen oder direkt in Zentren praktizieren - ein bundesweites Problem.

Das Treffen mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt am kommenden Freitag soll bei der Suche nach Lösungen helfen. Ob letztlich eine Lösung zustandekommt, die auch durchgeführt wird, steht wieder auf einem anderen Blatt.

(Erstellt am 23. März 2009 - 14:22 Uhr; aktualisiert 24. März 2009 - 9:31 Uhr)


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Kommentare

Es ist schon eine Schande,

Es ist schon eine Schande, dass Arztpraxen in Sachen Kassenhonorare einen Deckel haben. Ab einem gewissen Umsatz wird tatsächlich nicht mehr gezahlt. So ist eine Praxis wie in Chorweiler in der Tat keine Goldgrube...

Nach normalen Maßstäben

Nach normalen Maßstäben sollte diese Kinderarztpraxis ja eine "Goldgrube" sein!
Wahrscheinlich bekommt Dr. Geiß für max. 800 kleine Patienten im Quartal je 15€ Flatrate. Das sind dann 12000€ Umsatz für 3 Monate viel Arbeit. Wenn mehr Kinder kommen behandelt er die ganz umsonst.
Ach ja, er bekommt bestimmt noch maaassig Knete für Akupunktur, Krebsvorsorge, Ultraschall, Röntgen.

Ich würde ihm einen Koffer schenken und ihm beim Packen helfen...

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